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Afrotopia – Afrikas Zukunft und Europas Vergangenheit
Aus Sternstunde Philosophie vom 15.12.2019.
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Protest-Rapper in Senegal «Wir ändern die Dinge lieber selbst»

Hip Hop-Stars aus Senegal haben dafür gesorgt, dass Politiker abgewählt wurden. Sie sind Vorbilder für eine Generation, die ihr Land umkrempelt.

Simon, 39 Jahre, ein Bär von einem Mann mit Tarnjacke und Baseball-Kappe, läuft aufrecht durch die staubigen Strassen von Mbours. Vor ihm rollt ein Soundsystem.

Es ist montiert auf einem Jeep. An den Boxen auf dem Dach lehnen drei Männer in Wollmützen und Baggy Jeans und rappen: «Rumzuhängen und faul zu sein / Ist eines Menschen nicht würdig / Steh auf, besorg dir den Wahlschein / deine Waffe, um zu wählen.»

Ein schwarze Mann mit Mütze und Airpods, neben ihm zwei Mäbber in weissen Shirts.
Legende: Ein Mann geht seinen Weg: Rap-Star Simon bringt seine Botschaft überall unters Volk. Julia Amberger

«Wir haben es satt»

Simon und seine Begleiter, die neben dem Jeep herlaufen, wollen die Menschen hier zum Wählen motivieren. Sie gehören zu «Y’en a marre», auf Deutsch: «Wir haben es satt» – einer Bewegung, die demokratische Rechte verteidigt.

Simon hat sie mitgegründet. 2011 demonstrierten sie noch gegen Stromausfälle und gegen Korruption in der Politik. Bald wurden sie zu Fürsprechern der Jugend.

Ihre Beats und Parolen haben die Kraft, Regierungen zu stürzen: Schon zur Jahrtausendwende hatten die Rapper im Senegal rund eine Million Fans an die Urnen gerufen und so das sozialistische System gestürzt.

Dinge lieber selbst ändern

Ebenso erging es 2012 dem 85-jährigen Präsidenten Abdoulaye Wade. «Wir haben es satt, dass alte Herren unsere Zukunft bestimmen», sagt Simon. «Der Altersunterschied zwischen den Menschen und Politikern nimmt immer mehr zu.»

Schwarze Musiker fahren auf einem Auto auf einer staubigen Strasse durch ein Dorf.
Legende: Die Karawane der Rapper rollt durch die staubigen Strassen von Mbours. Julia Amberger

Die Bevölkerung in Senegal ist im Schnitt gerade einmal 18 Jahre alt. Aber die, die dieses Volk vertreten, sind meist weit über 50.

Politische Entscheidungen beruhen oft auf Beziehungen zwischen Eliten, die sich bereichern. «Wir wollen nicht mehr warten, dass sich irgendwann etwas ändert», sagt Simon. «Wir ändern die Dinge lieber selbst.»

Gesellschaft demokratisieren

An dem Nachmittag, an dem seine Show fertig werden muss, beugt sich Keyti über einen Monitor und sichtet den Aufmacher: ein Rap-Video aus Mali.

Es ist düster in dem kleinen Studio. An der Wand kleben Fotos von afrikanischen Widerstandskämpfern. Hier produzieren Keyti und sein Kollege Xuman jede Woche das «Journal Rappé»: eine politische Tagesschau, die gerappt und nicht moderiert wird, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Zwei schwarze Männer vor einem Computer.
Legende: Rapper Keyti sichtet den Aufmacher für seine gerappte Nachrichtenshow «Journal Rappé». Julia Amberger

Noch 2013, als sie begannen, wurden fast alle Nachrichten in Senegal in der Amtssprache Französisch übertragen. Aber viele Menschen sprechen nur die lokale Sprache Wolof.

«Solange sie nicht verstehen, was die Regierung beschliesst, können sie sich nicht wehren», sagt Keyti. «Rap erlaubt es uns, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen und den Senegalesen klarzumachen worum es geht», sagt er.

Den Rappern in Senegal geht es um mehr als einen politischen Wandel: Sie wollen das Bewusstsein der Menschen verändern und ihr Land demokratisieren.

Ein Videodreh mit schwarzen Kinder in einer staubigen Strasse Dakars,
Legende: Sie sind nicht aufzuhalten: Dreh eines Rap-Videos über die Rechte von Kindern in Dakar. Julia Amberger

Der Erfolg gibt ihnen recht

Das «Journal Rappé» war das erste senegalesische Produkt auf Youtube. Weil sie keine Sponsoren fanden, starteten Keyti und Xuman allein. Bald folgten ihnen mehrere 100'000 Menschen und begannen, selbst Videos und Serien zu drehen.

Die haben längst Telenovelas aus Brasilien und Fernsehfilme aus Frankreich verdrängt. «Was und in den Medien gelungen ist, das schaffen wir auch in anderen Bereichen», sagt Keyti.

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