Ralph Towner: In drei Instrumenten um die Welt

Warum nur ein Instrument spielen, wenn man das Talent für viel mehr hat? Der Jazzmusiker Ralph Towner setzt bei seinem Stil und seinen Instrumenten auf Vielfalt. Er nimmt sich aber auch die Freiheit, eben dieser Vielfalt gelegentlich Grenzen zu setzen.

Ralph Towner spielt Gitarre im Scheinwerferlicht der Bühne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ralph Towner studierte das gesamte Repertoire von Bach-Suiten auf der Gitarre. Imago

Als Ralph Towner am 1. März 1940 geboren wurde, bekam er Talente in die Wiege gelegt, die anderen für mehrere künstlerische Top-Karrieren gereicht hätten. Seine Mutter, eine Klavierlehrerin, setzte ihn mit drei Jahren ans Piano. Von seinem Vater, einem Trompeter, bekam er als Fünfjähriger Unterricht. Noch nicht mal 20-jährig begann er an der Universität von Oregon ein klassisches Kompositionsstudium. Dort traf er den Bassisten Glenn Moore, mit dem er bis heute musiziert. Dort entdeckte er auch die frühen Aufnahmen des Jazzpianisten Bill Evans für sich.

Er brach nochmals zu neuen Ufern auf

Damit wäre eigentlich schon ein riesiges musikalisches Feld zwischen Klassik und Jazz abgesteckt, dessen seriöse Bewirtschaftung mehr als eine Vollzeitbeschäftigung in Anspruch nimmt. Dem Jungspund Ralph Towner war jedoch auch das nicht genug.

Er kaufte sich eine klassische Gitarre und merkte, dass er mit diesem Instrumente weiterarbeiten wollte. In Wien studierte er bei Karl Scheit das gesamte Repertoire von Bach-Suiten – auf die Gitarre transkribiert – bis zu den zeitgenössischen Solowerken.

Die ganze Welt

Ende der 1960er-Jahre landete Ralph Towner in New York. Als Gitarrist der Band «Paul Winter Consort» begann er zu ahnen, wie sich diese ganze Vielfalt sinnvoll zusammenfügt. Der Saxofonist Paul Winter war ein Vertreter der World Music avant la lettre. Er kombinierte Elemente von Klassik, Jazz und Musiktraditionen aus allen Erdteilen zu einer ganz spezifischen Mischung.

In dieser Band traf Towner den Oboisten und Saxofonisten Paul McCandless, den Perkussionisten Colin Walcott und den Bassisten Glenn Moore. Mit ihnen gründete er 1970 das Quartett Oregon, eine der innovativsten, erfolgreichsten, und bis heute aktiven Bands aus dem Bereich der World Music.

Grenzen der Vielfalt

Mit Oregon bereist Ralph Towner bis heute die ganze Welt – wenn er nicht gerade mit einem seiner zahlreichen Solo-Projekte unterwegs ist. Als einer der wichtigsten Musiker, die ihre Produktionen zum grössten Teil beim Münchner Label ECM Records von Manfred Eicher veröffentlichen, hat Towner einen Katalog stilbildender Musik aufgenommen, der seinesgleichen sucht. Da ist er mit seinem ganzen Instrumentarium vertreten, inklusive Synthesizern.

Einen wirklich eigenen Sound hat er allerdings vor allem auf der zwölfsaitigen Stahlgitarre entwickelt. Es braucht kaum einen Takt, um ihn aus sämtlichen Konkurrenten herauszuhören. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb Towner eine klare Grenze gezogen hat: Mit der elektrischen Gitarre hört man ihn nie. Da hat auch seine Lust auf Vielfalt ein Ende.

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