Zum Inhalt springen

Header

Jimmy Carter – Der Rock & Roll Präsident
Aus Sternstunde Musik vom 01.11.2020.
Inhalt

Rockstars und US-Präsidenten Warum US-Präsidenten sich gerne mit Rockstars zeigen

Präsidenten, Kings und Bosse: US-Präsidenten schlagen aus Freundschaften zu Rockstars wie Elvis oder Springsteen gerne politisches Kapital.

Es muss kalt gewesen sein an jenem Morgen im Januar 2009 in Washington D.C. Auf der Treppe vor dem Lincoln Memorial steht ein Gospelchor in roten Gewändern. Vor ihnen eine Figur in Winterjacke, einsam mit einer akustischen Gitarre vor einem riesigen Publikum.

ein Mann mit Gitarre vor einem Chor in roten Gewändern
Legende: Gitarre, Gospel und ein gigantisches Fest zur Amtseinführung von Ex-Präsident Obama am Lincoln Memorial. imago images / ZUMA Press

Es ist Bruce Springsteen. Er singt «The Rising», das Lied vom Feuerwehrmann, der am 11. September an einem Wolkenkratzer hochklettert, um Leben zu retten. Eine bewegende Performance zur Inauguration des 44. US-Präsidenten Barack Obama.

Obama und der Boss

Später im Jahr wird der Kennedy-Preis verliehen. Er geht an darstellende Künstler für ihre Beiträge zur amerikanischen Kultur. Der Geehrte darf nicht selbst auftreten, weshalb man den etwas verloren wirkenden Springsteen in der Präsidenten-Loge sitzen sieht – neben den Obamas. Auf der Bühne singt Sting «The Rising», Link öffnet in einem neuen Fenster, ebenfalls mit Gospelchor.

Der Auftritt ist mitreissend, der Saal bebt, das Publikum steht auf. Bis auf Springsteen, der dann von der Präsidentengattin gezeigt bekommt, es sei nun an ihm, sich zu erheben.

Ex-Präsident Obama und seine Frau applaudieren für Springsteen, der neben ihnen steht
Legende: Die Obamas teilten das Scheinwerferlicht gerne mit ihrem Freund Bruce Springsteen – wie hier bei der Kennedy-Preisverleihung. imago images / Everett Collection

Eine kleine, intime Geste, die Freundschaft anzeigt zwischen dem Präsidenten, dessen Gattin und dem Rock 'n' Roller. In Anlehnung an Springsteens Spitznamen sagte Obama: «Ich bin der Präsident, aber er ist der Boss».

Präsident im «Rolling Stone»

Ein solches Bonmot ist medienwirksam formuliert. Es zeigt, dass den US-amerikanischen Präsidenten die Popularität gewisser Vertreterinnen der Pop-Kultur bewusst ist. Es könnte sich lohnen, jenes Alterssegment anzupeilen, in dem die Künstler populär sind. Noch besser ist es, wenn Künstler wie Springsteen generationenübergreifend beliebt sind.

Manch ein Musiker machte denn auch keinen Hehl aus der eigenen politischen Meinung – von Sinatra bis Springsteen. Handkehrum sind die obersten Männer auch mit dieser Kultur aufgewachsen und sind selbst Fans. Ein Beispiel ist der Saxofon-spielende Bill Clinton, der es als erster Präsident auf das Cover der Rock-Zeitung «Rolling Stone» schaffte.

Immer wieder suchen die mächtigsten Männer des Riesenlandes die Nähe zu den Künstlern, verwenden ihre Lieder bei Wahlkampfauftritten oder bauen ihre Slogans in Reden ein.

Nixon und der King

Manchmal passt das, manchmal aber ist die Begegnung zwischen dem rebellischen Rock 'n' Roll und der höchsten Staatsmacht schwierig.

So ist ein seltsames Meeting zwischen Richard Nixon und Elvis Presley überliefert: Elvis lud sich selbst ins Weisse Haus ein, um in irgendeiner Funktion gegen den Drogenmissbrauch zu kämpfen. Nixon, der wegen des Vietnam-Kriegs bei der Jugend unpopulär war, wurde empfohlen, den Star zu empfangen.

eine schwarz-weiss Fotografie vom Händeschütteln zwischen Präsident Nixon und Elvis Presley
Legende: Ein skurriler Moment der Musikgeschichte: Präsident Nixon trifft Elvis Presley. imago images / Everett Collection

So stehen sie auf den Fotos: Elvis mit dem Grinsen eines Mannes, der weit mehr über Drogen weiss, als er zugeben möchte und Nixon mit einer Miene, als habe er immer noch nicht verstanden, wem er gerade die Hand schüttelt.

Auch Donald Trump versuchte immer wieder, populäre Figuren des Showbusiness auf seine Seite zu ziehen. Es gelang so gut wie nie: Kaum einer will für ihn auftreten, keiner will Songs für seinen Wahlkampf zur Verfügung stellen.

Barack Obama bekundete nie solche Mühe. Die Playlist mit seiner Lieblingsmusik sind bis heute legendär, ebenso die Konzertabende im Weissen Haus.

An einem von diesen bekam Obama von Mick Jagger das Mikrofon zugesteckt und sang ein paar Zeilen der Blueshymne «Sweet Home Chicago», begleitet von BB King, Buddy Guy und Jeff Beck. Weiter hat es kein singender Präsident je gebracht.

Sendung: SRF 1, Sternstunde Musik, 1.11.2020, 11:55 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Søren Ehlers  (Søren)
    Der Teil über Jimmy Carter ist faszinierend. Er schaffte es, mit gemeinsamen Gospelkonzerten Schwarze und Weisse zusammen zu bringen.
    Mit Musik Gemeinsamkeiten zu finden, ist eine grundverschiedene Haltung davon, sie als Gebrauchsmusik einzusetzen.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Lukas Falk  (herbie94)
    Was ist mit Kid Rock? Aber er kann ja kein Rockstar sein wenn er Donald Trump unterstütz und an Wahlveranstaltungen auftritt. Ist ja klar...
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Schmunzel (musste nachschauen, wer das ist), aber selbstverständlich gibt es auch unter Reps Musiker, Herr Falk. Es ist auch denkbar, dass es da weitere Country- und Hillbilly-Musiker gibt, dass diese Stilrichtung sogar gut vertreten ist. Nur, Trump hat offenbar in anderer Richtung und nach andern Grössen gesucht, vergeblich wie oben zu lesen ist.
    2. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Neben Kid Rock gäbe es noch Ted Nugent ....... aber auch den möchte man kaum als Freund denke ich.
    3. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Lynyrd Skynyrd könnte er noch anfragen. Alt, weiß und kaum schwarze bei den Konzerten. Die Konföderierten-Flagge lassen sie aber jetzt weg, um nicht im Rassistentopf zu landen. Musik ist aber gut!;-)