Songhoy Blues spielen gegen das Musikverbot in Mali

Jihadisten drohen malischen Musikern, ihnen die Zunge abzuschneiden. Die Band Songhoy Blues will ein Zeichen dagegen setzen – und musiziert weiter. Stammeszugehörigkeit und Religion spielen in der Band keine Rolle. Ihnen geht es darum zu vereinen.

Vier Männer stehen in Mali auf einem holprigen Weg. Die Sonne scheint ihnen in den Rücken, sie halten ihre Instrumente in den Händen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit ihrer Musik kämpfen sie für den Frieden in ihrer Heimat Mali: Die Band Songhoy Blues. Andy Morgan

Songhoy Blues – vier junge Musiker aus Mali: Aliou, Garba und Oumar Touré sowie Nathanel Dembelé. Sie haben sich zusammengetan, um mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang ein Zeichen gegen die fanatischen islamistischen Kämpfer und das Verbot der Musik zu setzen.

Hintergrund: Im Norden Malis hatten 2013 islamistische Gruppen eine Gewaltherrschaft errichtet, gemäss ihrer Auslegung der Scharia. «Die Jihadisten zensierten sofort die Musik», erklärt Sänger Aliou Touré, «und drohten mit körperlicher Bestrafung, wie mit dem Entfernen der Zunge».

Ohne Musik kein Leben

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Songhoy Blues hören

Einige Songs auf Youtube:

Live:

  • 21.05.2015, Stall 6, Zürich

Gitarrist Garba Touré war der Erste, der den Terror der Jihadisten, den selbsternannten Gotteskriegern, direkt miterlebte. Als die Rebellen einmarschierten, war er in der Stadt Diré, nur 80 Kilometer von Timbuktu entfernt. Fussball und Musik wurden verboten. «Gitarrespielen ist für mich so existentiell wie Essen», erklärt Garba Touré. Deshalb setzte er sich in den nächsten Bus nach Bamako. In der Hauptstadt lernte er die Bandkollegen Aliou und Oumar kennen (trotz gleichem Familiennamen sind die drei Tourés nicht verwandt – der Name ist so häufig, wie bei uns Meier und Müller).

Mit Schlagzeuger Nathanel Dembelé war das Quartett komplett und Songhoy Blues geboren. Stammeszugehörigkeit und Religion spielen bei der Band keine Rolle: Aliou, Garba und Oumar Touré kommen aus dem Norden und sind Muslime, Nathanel Dembelé ist katholisch und aus dem Süden.

Auf kultureller Mission

Die vier Musiker sehen es als ihre Aufgabe, die verschiedenen Stämme Malis kulturell zusammenschliessen: «Musik kann alle Menschen vereinen, Trost, Lebenssinn und Frieden schenken», sagt Aliou Touré und fügt hinzu: «Bei uns in Mali hat Musik eine besondere Bedeutung. Menschen ohne Musik sind wie ein Körper ohne Seele.»

Sinnbildlich dafür nennt sich die Band Songhoy Blues, angelehnt an das ehemalige Königreich Songhoi. Im 14. Jahrhundert erlebte das Reich seine Hochblüte, dehnte sich über die gesamte Sahelzone aus und schloss alle ethnischen Völker wie die Bambara, Peulh oder Fulbe ein.

Vier junge Männer springen in die Luft. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Songhoy Blues verbinden einheimische Klänge und treibende Rhythmen. Andy Morgan

Treibende Rhythmen

Songhoy Blues klingt nach einheimischen Klängen und modernen Schlagzeug-Rhythmen. Die Musik wird oft mit der Tuareg-Band Tinariwen oder der Gitarrenlegende Ali Farka Touré verglichen. «Das überrascht mich nicht», sagt Aliou Touré. «Schliesslich kommen wir alle aus derselben Gegend und schöpfen aus derselben Quelle.»

Mit ihrem Debütalbum «Music in Exile» verarbeiten die engagierten Musiker ihre persönlichen Erfahrungen. Der Song «Petit Metier» etwa, ist direkt nach dem Abzug der Jihadisten entstanden. «Da hat keiner von unseren Landsleuten die Initiative ergriffen», meint Aliou Touré, «keiner wollte beim Wiederaufbau helfen. Jeder hat nur auf internationale Hilfe gewartet». Man könne sich doch nicht tatenlos seinem Schicksal ergeben, mahnt der Sänger. «Wir müssen unsere Kräfte bündeln und selbst das Leben in Angriff nehmen.»

Songhoy Blues - vier junge Musiker aus Mali

4:00 min, aus Kultur kompakt vom 23.02.2015

Die Situation in Mali ist noch immer angespannt. Langsam nimmt das Leben aber wieder seinen gewohnten Lauf. Songhoy Blues sind zuversichtlich: «Wenn es unsere Väter schon nicht schaffen, eine neue Zukunft aufzubauen», sagt Aliou Touré, «dann ist unsere Generation umso gefragter».