Steve Gadd – ein Gütesiegel für den Groove

Der Name Steve Gadd war in den 1970er- und 1980er-Jahren ein Garant für perfekten Groove. Alle wollten das Gütesiegel «Gadd» für ihre Aufnahmen: Jazzer wie Chick Corea, Singer-Songwriter wie Paul Simon, Fusion-Bands wie Weather Report. Wie kam es, dass Gadd ein so gefragter Drummer wurde?

Gadd mit konzentriertem Blick am Schlagzeug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den 1970ern und 1980ern galt für Bandleader: Wer den perfekten Groove will, holt sich Gadd. Getty Images

Für Steve Gadds grosse Beliebtheit als Schlagzeuger ist eine Kombination verschiedener Faktoren verantwortlich: Sein Time-Keeping, also das Halten eines bestimmten Tempos, ist legendär. Seine Rhythmen sind von einer gnadenlosen Präzision. Sein Wille zu grooven und sein Druck am Schlagzeug sind fast übermenschlich. Ja, es scheint kein Zufall zu sein, dass sein Name dem Olymp so nahe kommt: Steve Gadd? Steve God!

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Steve Gadd

Der Schlagzeuger Steve Gadd wurde 1945 in Rochester im US-Bundesstaat New York geboren. Er hat mit unzähligen renommierten Musikern und Bands gespielt – Chick Corea, Paul Simon, Rickie Lee Jones, Weather Report, Brecker Brothers oder Steps Ahead sind nur einige von ihnen und zeigen Gadds stilistische Bandbreite zwischen Rock, Jazz und Fusion.

Früher Start in die Drummer-Karriere

Gadd erwischte aber auch ideale Startbedingungen. Schon mit drei drückt ihm sein Onkel zum ersten Mal Schlagzeugstöcke in die Hand. Sein Vater nimmt ihn früh an Konzerte mit. Seine Grosseltern fahren ihn in die Schlagzeugstunde. Der Onkel trommelt in der Army, und in der Army lernt Gadd auch das, was ihn sein Leben lang beschäftigen wird: Die so genannten Rudiments.

Rudiments, das ist eine Art Grundvokabular, das jeder Schlagzeuger beherrscht. Was Gadd nach der Army dann aber anstellt mit diesen Rudiments, das hat so noch keiner gemacht: Er orchestriert die einzelnen Schläge so präzise und musikalisch auf dem Schlagzeug-Set, dass eine ganz neue Sprache entsteht. Dazu sucht er Trommel-Felle und Becken, die möglichst wenige Obertöne haben, was die Präzision und den Druck zusätzlich unterstützt.

Präzision auf vielen Spuren

Dass Steve Gadd gerade in der Zeit der neuen Studio-Technik in den 1970er-Jahren zum Lieblingsschlagzeuger vieler Musiker wird, verwundert nicht. Waren vier Aufnahme-Spuren lange das höchste der Gefühle, so gab es ab dieser Zeit immer mehr Studios, die viermal soviele Spuren gleichzeitig aufnehmen können. Nicht zuletzt das Schlagzeug wurde in der Folge mit möglichst vielen Mikrophonen aufgenommen. Und wenn Gadd am Schlagzeug sass, dann konnte man eben wirklich jedes Detail drehen und wenden, es war immer perfekt auf den Punkt gespielt.

So wird Steve Gadd lange Jahre mit Aufträgen überschüttet. Er arbeitet fast ununterbrochen in den Studios von New York, spielt drei, vier verschiedene Sessions pro Tag und Jazz-Konzerte in der Nacht. Er stellt jeden seiner Mitmusiker ins beste Licht – und wird selber immer noch besser, weil er fast Tag und Nacht am Schlagzeug sitzt.

Bis heute eine Referenz

Dass ein solcher Output fast nur mit Kokain und Alkohol zu bewältigen ist, überrascht nicht weiter. Überraschend ist da eher, dass Steve Gadd Ende der 1980er-Jahre den Ausstieg schafft. Dank dieser Kurve bleibt er auch in den 1990er-Jahren und bis heute eine Referenz.

Die Sound-Ästhetik in den vergangenen dreissig Jahren hat sich zwar weiterentwickelt, und nicht alle Aufnahmen mit Steve Gadd sind gleich gut gealtert. Gadds Ruf aber tut dies keinen Abbruch: Auf zu vielen Klassikern der Musikgeschichte hat er mitgespielt, und für Schlagzeuger ist er bis heute eine Ikone.

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