Intelligenter Rap Surreale Wortakrobatik mit Käptn Peng

Geht Rap nur mit schweren Beats und Angeberpose? Von wegen, beweist der Berliner Rapper Robert Gwisdek alias Käptn Peng mit seiner Band «Die Tentakel von Delphi».

Ein junger Mann mit langen Haaren, Briller und Mütze hält ein Mikrofon in der Hand und singt inbrünstig mit geschlossenen Augen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Robert Gwisdek alias Käptn Peng – Einen Rapper stellt man sich irgendwie anders vor. Imago/Future Image

Weiter könnte Robert Gwisdek nicht vom Klischee eines Rappers entfernt sein: ein drahtiger Typ mit langen Haaren, der über griechische Mythologie, Fabelwesen und den Sinn des Lebens rappt.

Dann ist da dieser Sound: nicht am Computer produzierte Beats, sondern rumpeliger Jazz-Rock, bei dem Kinderklavier und Kochtöpfe mit von der Partie sind. Rapper-untypisch ist auch Robert Gwisdeks Karriere: eigentlich ist er Schauspieler, preisgekrönt und ziemlich erfolgreich.

Zum Rappen kam er eher aus Versehen – und spät: «Ich habe erst mit 23 angefangen Rap zu hören. Aber ich habe schon immer Gedichte geschrieben. Und weil mein Bruder Johannes Beats produziert hat, lag es ziemlich nah, das wir das mal zusammenführen.»

Im Dichterdarm des Wörterwals

Aus dem brüderlichen Joint Venture wurde 2009 das Lied «OHA», zu dem schon bald ein wunderbar surreales Video hinzukam.

«OHA» ging viral auf YouTube, eine Fangemeinde wuchs, wollte mehr Videos und vor allem: Konzerte. Erst hat es in Berlin Peng gemacht, dann in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Aber was ist dieses Peng, das überall in den Texten aufpoppt? Im Intro-Track des neuen Albums heisst es: «Das Peng gebar sich selbst im Dichterdarm des Wörterwals. Es wuchs über Tage und Jahre bis es Finger auf den Augen und Ohren an den Füssen trug.» Aha.

Robert Gwisdeks Antwort im Interview ist da etwas weniger kryptisch: «Das Peng schlüpft gerne in unterschiedliche Rollen und ist zwischen den Widersprüchen zu Hause.»

Zwischen Dada und Philosophievorlesung

Daran lässt sich anknüpfen. Denn von Widersprüchen und Alter Egos wimmelt es nur so in Käptn Pengs Texten. Wer die Rätsel löst, die die Wortakrobatik und Gedankenspiele den Hörerinnen und Hörern aufgeben, gewinnt nichts Geringeres als die Erkenntnis über die Menschheit, das Universum und das Bewusstsein. Nicht schlecht, oder?

Manchmal haben die Texte die Flughöhe einer Philosophievorlesung. Manchmal sind sie einfach nur Dada, wie im Song «Im Labyrinth».

Sockosophie und Schreibtischarbeit

Auf Konzerten können eingefleischte Peng-Fans diese Zungenbrecher mitsingen. Und auf der Bühne gibt es eine Show mit Verkleidung, viel Körper und Sockosophie. Die hat Käptn Peng erschaffen. Da stülpt man sich eine Socke über die Hand und diskutiert mit ihr den Ursprung des Seins.

So hyperaktiv Robert Gwisdek auf der Bühne ist und so wendig seine Reime: im Interview ist er einer von der ernsteren Sorte.

Der Reim ist ein Diktator

Da erzählt er, dass ihm die Texte, die er so locker dahinrappt, nur selten zufliegen. Oft steckt harte Schreibtischarbeit dahinter.

Trotzdem regiert bei ihm der Pop und nicht der Intellekt: «Der Reim ist ein kleiner Diktator und zwingt mich zur Struktur. Ich würde nie was rausbringen, was keinen Flow hat. Der Flow ist wichtiger als die inhaltliche Kohärenz.»

Die Menschheit als Gangsta betrachtet

Ein Musterstück in Sachen Flow ist das Lied «MC Homosapienssapiens». Käptn Peng betrachtet den Menschen aus der Ferne als Gangsta-Rapper, der mit seinen Talenten angibt: wie er den Mond betrat, ein Schaf klonte, Atome spaltete und überhaupt zur Krone der Schöpfung wurde.

Am Ende des Liedes bleibt aber eine traurige Verwunderung darüber, wie destruktiv der Mensch handelt und wie er seinen eigenen Planeten zerstört. «Ich will in dem Song den Menschen nicht als Vollidioten darstellen, dazu finde ich ihn viel zu faszinierend. Ich will nur sagen, dass wir demütiger sein sollten.» Und die Demutsstrategie liefert Gwisdek auch gleich mit: «Wir sollten uns darauf besinnen, was schön ist.»