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Ausgegraben: Raritäten der Schweizer Orchestermusik
Aus Kontext vom 22.04.2020.
abspielen. Laufzeit 22:58 Minuten.
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«Swiss Orchestra» Ein Orchester für vergessene Schweizer Komponisten

Die Schweiz ist für vieles berühmt, aber nicht für ihre Komponisten. Die Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer will das ändern – mit einem eigenen Orchester.

Kennen Sie Jean Baptiste Eduard Dupuy? Joseph Joachim Raff? Oder Johann Carl Eschmann? Nicht? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Alle drei sind Schweizer Komponisten und haben gross besetzte Orchesterwerke geschrieben. In der Schweizer Musikgeschichte aber fristen sie eher ein Schattendasein.

Wenn es nach der Dirigentin und Musikwissenschaftlerin Lena-Lisa Wüstendörfer geht, soll sich das ändern. Sie hat eigens dafür das Swiss Orchestra gegründet, um vergessene Werke von vergessen gegangenen Schweizer Komponisten der Klassik und der Romantik aufzuführen.

Eine eigene Tournee

Eine erste Konzerttournee hat schon stattgefunden, die zweite musste wegen Corona abgesagt werden – und wird auf nächstes Jahr verschoben. Bis dahin forscht Lena-Lisa Wüstendörfer weiter nach ungehobenen Schätzen der Schweizer Musikgeschichte.

Eine blonde Frau dirigiert ein Orchester
Legende: Führt mit ihrem Swiss Orchestra unbekannte Schweizer Werke auf: Lena-Lisa Wüstendörfer. ZVG

Von diesen «ungehobenen Schätzen» gibt es erstaunlich viele. Ein möglicher Grund sei, dass es in der Schweiz keinen grossen Königshof gegeben habe, der Musik zu Repräsentationszwecken brauchte, sagt Lena-Lisa Wüstendörfer. «In den umliegenden Ländern Europas gab es das – und dorthin sind Komponisten ausgewandert, haben dort gearbeitet und ihre Werke dort hinterlassen.»

Einen weiteren Grund sieht Lena-Lisa Wüstendörfer in der Schweizer Bescheidenheit: «Schweizer stellen in punkto Kultur gerne ihr Licht auch mal unter den Scheffel. Wenn ein Komponist im Ausland Erfolg hatte, wie dies beispielsweise bei Frank Martin der Fall war, dann wurde er plötzlich auch in der Schweiz wichtig – und nicht umgekehrt.»

Mut zum Unbekannten

Doch warum braucht es extra ein neues Orchester, um die unbekannten Werke ans Publikum zu bringen? Führen andere Schweizer Orchester keine Schweizer Musik auf? Fehlt es den Veranstaltern an Mut, Unbekanntes aufs Programm zu setzen?

«Die Orchester in der Schweiz, die an Städte oder Opernhäuser gebunden sind, haben einen Schwerpunkt im Standard-Repertoire», sagt Lena-Lisa Wüstendörfer. «Viele haben auch einen Leistungsauftrag, zeitgenössische Schweizer Musik aufzuführen – was ich hervorragend finde. Aber die alten Schweizer Klassiker und Romantiker bleiben so aussen vor.»

Zeitgenossen von Beethoven und Wagner

Das wird Lena-Lisa Wüstendörfer ändern und führt mit ihrem Swiss Orchestra unbekannte Werke auf: Etwa die Musik des Beethoven-Zeitgenossen Jean Baptiste Eduard Dupuy. Der Romand ist weit herumgekommen, hat in Skandinavien Karriere gemacht und selbst ein turbulentes Leben geführt, das Stoff für mehrere Opern böte.

Oder von Joseph Joachim Raff, der Kontakte zu Felix Mendelsohn und Richard Wagner hatte, und dessen Musik sehr farbenreich und dicht komponiert ist.

Direktvergleich mit den Klassik-Klassikern

Aber nicht nur das: In jedem Konzert des Swiss Orchestra werden die unbekannten Werke den Hits des Klassik-Repertoires gegenübergestellt. So kann das Publikum selbst vergleichen, ob die Raritäten den bekannten Werken in der Qualität das Wasser reichen können.

Denn dass die unbekannten Werke der Schweizer Komponisten auf der Höhe ihrer Zeit waren, davon ist Lena-Lisa Wüstendörfer überzeugt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 22.4.2020, 09:03 Uhr

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