Verschollenes Johnny Cash-Album veröffentlicht

Zehn Jahre nach Johnny Cashs Tod erscheint mit «Out Among The Stars» ein Album des Country-Sängers, das bisher im Fundus seiner Eltern schlummerte. Die Platte entstand in den 1980er-Jahren – einer schwierigen Zeit für Cash, in der er von seiner Plattenfirma auf die Strasse gestellt wurde.

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Das verschollene Johnny Cash Album ist da

2:03 min, aus Tagesschau vom 19.3.2014

Der strenggläubige Christ steckte genauso in Johnny Cash wie der gebrochene Mann und Junkie, der dem Teufel sprichwörtlich von der Schippe gefallen ist. So glaubwürdig und fromm, wie er Gospels zu interpretierten wusste, so packend provozierte er in anderen Songs mit Gangstergeschichten.

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CD-Hinweis

CD-Hinweis

Johnny Cash: «Out Among The Stars». Columbia/Sony, 2014.

Das Image des frommen Outlaws schien jedoch ausgedient, als mit den 80er-Jahren die Dekade des synthetischen Pops eingeläutet wurde. Die Pop-Welle hatte auch einen gewissen Einfluss auf die Country-Szene: Gefragt waren junge, poppigere Künstler. Johnny Cash fand seine Nische nicht, verlor das Vertrauen seines Labels und damit seinen Plattenvertrag.

Das verloren geglaubte Album

Die Aufnahmen zum Album «Out Among The Stars» entstanden in der ersten Hälfte der 80er-Jahre. Johnny Cash hatte gerade eine Entziehungskur wegen seiner Pillensucht hinter sich, strotzte vor Kraft und steckte diese in seine Musik. Trotzdem verschwand «Out Among The Stars» im Tresor der Plattenfirma.

Vor zwei Jahren entdeckte Cashs Sohn John Carter Cash die Songs im riesigen Fundus seiner Eltern. Der Beschluss, diese Songs nun offiziell zu veröffentlichen, ist nachvollziehbar und hat glücklicherweise wenig mit purer Geldmacherei zu tun.

Der Reiz des neuen Albums liegt in den Duetten

Johnny Cash mit Ehefrau June Carter Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Johnny Cash singt mit Ehefrau June Carter in New York, 1985. Keystone

Johnny Cashs beste Alben entstanden mit Sicherheit vor und nach den 80er-Jahren. Man erinnere sich schon nur an die brillanten Live-Alben «At Folsom Prison» und «At San Quentin», welche Cash an Konzerten in Gefängnissen aufgenommen hat. Oder die «American Recordings», die Album-Serie, welche er ab Mitte der 90er-Jahre zusammen mit Starproduzent Rick Rubin einspielte.

An diese Meisterwerke kommt das nun veröffentlichte Album «Out Among The Stars» nicht heran. Trotzdem hat das Werk seinen Reiz: Dieser liegt ganz besonders in den zwei Duetten, die Cash mit seiner grossen Liebe June Carter eingesungen hat. Den Songs «Baby Ride Easy» und «Don’t You Think It’s Come Our Time» hört man die tiefe Verbundenheit an, welche diese zwei Menschen und Stimmen füreinander empfanden. Cash brauchte seine Musik so sehr, wie er seine June brauchte.