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Opernkritik zu «Iphigénie en Tauride»
Aus Kultur-Aktualität vom 03.02.2020.
abspielen. Laufzeit 05:14 Minuten.
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Viel Applaus und weisse Rosen In Zürich brilliert Cecilia Bartoli in «Iphigénie en Tauride»

Ein Weltstar im Zürcher Opernhaus: Cecilia Bartoli überzeugt als Iphigénie nicht nur mit ihrer wunderbaren Stimme.

Sie gehört zu den absoluten Topstars der Klassikszene: Cecilia Bartoli. Mehr als 12 Millionen Alben hat sie verkauft, Grammys gewonnen, sogar die Pop-Charts gestürmt.

Die Opernsängerin verfügt über ein unverwechselbares Timbre – doch hat ihre Stimme auch mit 53 Jahren noch ihren dunklen, warmen Glanz?

Ideal auf Bartoli zugeschnitten

Nicht immer hat Bartoli in den letzten Monaten überzeugt, klang etwa beim Lucerne Festival im letzten Herbst leiser, weniger durchdringend als ihre Ensemblekollegen.

Doch in Zürich weiss man um ihre Stimme – und hat deshalb ein Werk gewählt, das ideal auf sie zugeschnitten ist: «Iphigénie en Tauride» von Christoph Willibald Gluck.

In dieser Oper gibt es nur eine einzige Frauenrolle. Es ist die Hauptrolle, Iphigénie. So ist Cecilia Bartoli schon von der Anlage der Oper her unangefochten an der Spitze.

Bartoli guckt böse.
Legende: Ausdrucksstark: Cecilia Bartoli sticht selbst in schwarzem Gewand auf schwarzer Bühne hervor. Monika Rittershaus

Mit Körpereinsatz

Die Geschichte stammt aus der antiken Mythologie, es geht um Mord und Totschlag. Die Protagonisten leben in Todesangst oder werden von grässlichen Albträumen gequält. Für solche intensiven Gefühle ist Cecilia Bartoli eine Idealbesetzung. Sie kann Emotionen nicht nur mit ihrer Stimme zeigen, sie drückt sie mit ihrer ganzen Körpersprache aus.

Das spürt man in der Inszenierung von Regisseur und Opernchef Andreas Homoki ab dem ersten Moment. Mit einer leeren, schwarzen Bühne eröffnet die Oper, darauf zwei Dutzend Frauen.

Cecilia Bartoli in Zürich

«Iphigénie en Tauride», Link öffnet in einem neuen Fenster am Opernhaus Zürich ist noch bis 8. Februar mit Cecilia Bartoli in der Hauptrolle zu sehen, danach bis 28. Februar mit Birgitte Christensen als Iphigénie.

Bartoli sticht heraus

Ganz in schwarz irren sie stumm auf der Bühne herum, während das Orchester die Ouvertüre spielt. Doch eine sticht heraus: Cecilia Bartoli.

Obwohl sie aussieht wie alle anderen, sagt ihre Körpersprache viel mehr aus. Sie ist Priesterin und ihr Amt verlangt, dass sie Menschen tötet, als Opfer für die Götter. Gerade wütet ein Ungewitter über dem nahen Meer – muss Iphigénie schon wieder Menschen morden, um die Götter zu besänftigen?

Die erste Arie gehört dann auch Iphigénie, sie singt vom Sturm in ihrem Herzen, ausgelöst von den Albträumen, die sie hat. Kein Wunder, soll sie doch ihren Bruder Orest den Göttern opfern.

Cecilia Bartoli und Stephane Degout auf der Bühne.
Legende: Stéphane Degout singt und spielt Oreste, den Bruder von Iphigénie. Monika Rittershaus

Kernig und voller Substanz

Diesen Gefühlssturm drückt Komponist Gluck nicht ganz so dramatisch aus wie seine Kollegen aus der Barockzeit – seine Musik entwickelt sich schon hin in Richtung Klassik, bevorzugt schlanke Melodien und grosse Bögen.

Aber auch hier kann Cecilia Bartoli brillieren, ihren Sopran wunderschön entwickeln lassen – und, ihre Spezialität: selbst im Pianissimo noch kernig und voller Substanz klingen.

Dafür gab’s bei der Premiere viel Applaus und sogar weisse Rosen, die ein Fan auf die Bühne warf. Die Starsopranistin hat sie umgehend mit ihren Kollegen und den Musikern im Orchestergraben geteilt.

«Farinelli» – Koloratur-Arien aus der Barockzeit

«Farinelli» – Koloratur-Arien aus der Barockzeit

Ein kleiner Wermutstropfen ist es natürlich, dass Cecilia Bartoli nicht in ihrer Paradedisziplin auf der Zürcher Opernbühne zu erleben ist: mit Koloratur-Arien aus der Barockzeit.

Dass sie diese virtuose Stimmakrobatik immer noch beherrscht, zeigt sie auf ihrer neuesten CD «Farinelli» (Decca Records), die dem berühmten Kastraten gewidmet ist.

Hier zeigt Bartoli ihr Feuer, ihre unglaubliche Sicherheit bei den schnellen Läufen von den höchsten Tönen hinunter ins tiefe Brustregister – darin macht ihr so schnell keiner etwas vor.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 3.2.2020, 8:20 Uhr

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