Der Mann hinter der «Tatort»-Titelmelodie

Wenn ein Jazzmusiker über den engeren Fanzirkel hinaus bekannt wird, ist das schon ziemlich bemerkenswert. Wenn er dazu noch wohlhabend wird mit seiner Musik, ist das sensationell. Klaus Doldinger hat beides geschafft. Er ist der kommerziell erfolgreichste Jazzmusiker Deutschlands.

Klaus Doldinger am Montreux Jazz Festival 1984. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Klaus Doldinger am Montreux Jazz Festival 1984. Keystone

Wenn Klaus Doldinger am Festival da Jazz in St. Moritz auf der Bühne steht, sind im Publikum viele seiner Bekannten. Denn seit rund 40 Jahren reist das Ehepaar Doldinger alljährlich zum Skilaufen ins Oberengadin; und die beiden steigen nicht in irgendeinem Hotel ab, sondern im noblen Suvretta House am Rand von St. Moritz.

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Das Konzert von Klaus Doldinger und seiner Band Passport aus dem Dracula Club in St. Moritz können Sie bereits online nachhören.

Geldmaschine «Tatort»

Dass die Doldingers erstmals Mitte der Siebzigerjahre ins Engadin kamen, erklärt sich mit einer Arbeit, die bis heute Auswirkungen auf Klaus Doldingers Kontostand hat: Er erfand die Musik die den Vorspann der Krimiserie «Tatort» untermalt, dann wenn rennende Beine langsam hinter einer weissen Spirale verschwinden.

Er klang wie einer aus Texas

Klaus Doldinger allerdings auf diese 32 Sekunden Musik zu reduzieren, wäre eine grobe Vereinfachung. Seit 1953 steht er auf der Bühne, erst als Pianist und Dixieland-Klarinettist, nachher als Saxophonist im modernen Stil. Von Anfang an war er der schwärzeste Saxophonist der Szene, er klang eher wie einer aus Texas als aus Düsseldorf, wo er aufwuchs.

Von Anfang an war sein Anliegen, verstanden und gehört zu werden. Er gründete ein Quartett mit Hammondorgel, damals rund um den Globus ein Erfolgsrezept. Als der Rock ‘n’ Roll populär wurde, nahm er Elemente der neuen Musik in die eigene auf.

Klaus Doldinger in Stuttgart, 2016. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Klaus Doldinger in Stuttgart, 2016. Keystone

Udo Lindenberg als Schlagzeuger

1971 stellte Klaus Doldinger seine Band zusammen, mit der er noch heute aktiv ist: Passport. Erster Schlagzeuger war Udo Lindenberg, aber in den vergangenen 45 Jahren sind Legionen von Musikern durch diese Doldinger-Schule gegangen.

Klaus Doldingers Erfolg hat einen benennbaren und sehr deutschen Grund: Fleiss. Passport hat mittlerweile rund 5000 Konzerte auf der ganzen Welt gespielt und etwa 50 Alben herausgegeben. Und praktisch jedes Stück, das die Band spielt, stammt von Klaus Doldinger, es müssen hunderte von Kompositionen sein, die er seinen Musikern aufs Pult legte.

Produktiver Fernseh-Komponist

Daneben ist Doldinger einer der produktivsten Komponisten fürs Fernsehen. Ausser der Titelmelodie für den «Tatort» stammen auch diejenigen von «Ein Fall für Zwei» und «Die Kommissarin» aus seiner Feder, und die Liste der Filme zu denen er den Soundtrack lieferte ist unübersehbar lang. Darunter sind Kassenschlager wie «Das Boot» von Wolfgang Petersen und «Die Unendliche Geschichte» nach einer Geschichte von Michael Ende.

Mit 80 steht Klaus Doldinger immer noch auf der Bühne, nach wie vor mit ansteckender Begeisterung. Und auch wenn er seine Musik nicht mehr neu erfindet, hat er doch ein Leben lang gezeigt, dass Erfolg und Qualität keine Gegensätze sein müssen, und dass auch ein breites Publikum gern gute Musik entgegennimmt. Wenn sie einer so begeistert vermittelt wie Klaus Doldinger.

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