Feuerkopf und Shooting Star: der Dirigent Pablo Heras-Casado

Er ist 35, also nicht mehr extrem jung. Aber er ist eine grosse Hoffnung und hat eine enorme Begabung. Vor einigen Jahren war er schon einmal in Luzern – als Schüler von Pierre Boulez. Jetzt ist er wieder da und hat am 9. September einen grossen Auftritt: als Ersatz für Boulez.

Pierre Boulez und Pablo Heras-Casado schütteln sich erschöpft und lachend die Hände. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Meister und sein Schüler: Pierre Boulez und Pablo Heras-Casado nach einer sichtlich schweisstreibenden Probe, 2012. Priska Ketterer / Lucerne Festival

Auch wenn es eigentlich keine frohe Botschaft ist: Für den andalusischen Dirigenten Pablo Heras-Casado bietet sich am 9. September in Luzern eine grossartige Chance. Piere Boulez, der an seiner Lucerne Festival Academy Musikerinnen und Musiker in zeitgenössischer Musik ausbildet, hat sich die Schulter gebrochen. Zum 10. Geburtstag seiner Academy kann er nun kein Konzert dirigieren. Pablo Heras-Casado darf für ihn einspringen – erst war er Meisterschüler bei Boulez, jetzt ist Boulez sein Förderer.

Plötzlich selber am Pult

Pierre Boulez und Pablo Heras-Casado über die Academy

1:40 min, aus Sternstunde Musik vom 11.8.2013

«Unsere Beziehung hat sich darüber nicht grundsätzlich verändert», sagt Heras-Casado, «er war von Anfang an sehr warmherzig mir gegenüber.» Pablo Heras-Casado sagt es mit dieser sympathischen Mischung aus Understatement, Verschmitztheit und Ernsthaftigkeit. «Er hat bei mir ein wenig Talent gesehen und sich entschieden, das zu beobachten und mich zu unterstützen.» So war es. Der Kontakt intensivierte sich zunehmend, Heras-Casado durfte einige Male das Ensemble Intercontemporain dirigieren und übernimmt jetzt die beiden Boulez-Konzerte beim Lucerne Festival.

Obwohl er sich selbst fast noch als Student sieht, macht es ihm nichts aus, in die andere Rolle zu schlüpfen und die Academy, also seine Kollegen und ehemaligen Mitstudenten, anzuleiten und zur Höchstleistung anzuspornen. Das gelingt ihm besonders elegant, weil er keine Attitüde hat, sondern eine natürliche, unaufgeregte Autorität.

Enormer musikalischer Hunger

Und damit ist er auf dem besten Weg, nicht nur die grossen Orchester der Welt zu erobern, sondern auch ein Publikum, das hingerissen ist von seiner Präzision und der Begeisterung, die er beim Musizieren ausströmt und verbreitet.

Grenzen scheint er dabei nicht zu kennen, sein musikalischer Hunger ist enorm – ob auf alte Musik, das klassisch-romantische Repertoire, die klassische Moderne oder zeitgenössische Musik. Am 9. September dirigiert er in Luzern Anton Webern, Alban Berg und Luciano Berio, Igor Strawinsky sowie Bela Bartok.

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