In höchsten Tönen gelobt: der Bass in «Parsifal»

Wagner stellt mit der Partie des Gralsritters Gurnemanz jeden Interpreten vor eine schwierige Aufgabe: Gleich zu Beginn der Oper muss dieser einen fast 20-minütigen Gesangs-Monolog bewältigen. Georg Zeppenfeld – der Gurnemanz im neuen Bayreuther Parsifal – zeigt eine aussergewöhnliche Glanzleistung.

Ein Mann steht hinter einer umhüllten Frau. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Georg Zeppenfeld (Gurnemanz) und Elena Pankratova (Kundry) im 1. Aufzug von «Parsifal». Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Von der New York Times über die FAZ bis zur NZZ wird der deutsche Bass in den höchsten Tönen gelobt. Mit der überaus fesselnden Darstellung der gewichtigen Rolle des Gurnemanz zieht er alle in seinen Bann.

Zusatzinhalt überspringen

Jetzt online

Hier können Sie «Parsifal» – Wagners letztes Bühnenwerk mit kunst-religiösem Überbau – online anhören.

Richard Wagner stellt mit dieser Partie des alten Gralsritters Gurnemanz jeden Interpreten vor die schwierige Aufgabe, gleich zu Beginn des Opernabends einen fast 20-minütigen Gesangs-Monolog zu bewältigen. Dabei muss der Sänger auch noch die verschiedenen, langen und verschlungenen Erzählungen verständlich vermitteln.

Andernfalls droht bereits im ersten Akt gähnende Langeweile und ein schnarchendes Publikum. Viele Sänger scheitern an dieser Herausforderung, entweder weil ihnen schlicht die Ausdauer für eine solch anspruchsvolle Szene fehlt, oder weil sie den Text nur singen und nicht erzählen. Damit nicht genug: Auch am Anfang des dritten Akts singt die meiste Zeit nur Gurnemanz.

G. Zeppenfeld als Gurnemanz, 1. Akt

1:45 min, aus Weltklasse auf SRF 2 Kultur vom 21.06.2016

Ranke Stimme und runder Ton

Für den erfahrenen Sänger und Gurnemanz-Interpreten Georg Zeppenfeld ist das offenbar kein Problem. Der 46-Jährige legt die Partie in Bayreuth locker hin. Jedes Wort ist verständlich, gespannt wartet man auf die immer neuen Wendungen seiner Rede.

Er spricht über die nicht heilende Wunde des Gralskönigs Amfortas, von der Herkunft der rätselhaften Kundry und über den fiesen Ex-Gralsritter Klingsor. Zeppenfelds Stimme klingt dabei vollkommen gelöst: Ein ranker, aber dennoch raumgreifender Bass, mit einer eindrücklichen Tiefe und mit Strahlkraft in der Höhe.

Zuerst Lehramt, dann Operngesang

Georg Zeppenfeld stammt aus Attendorn in Nordrhein-Westfalen. Nach dem Germanistik- und Musikstudium fürs Lehramt fokussiert er Konzert- und Operngesang an den Hochschulen in Detmold und Köln. Er studiert unter anderem beim Wagner-Spezialisten Hans Sotin. Seine Bühnenkarriere beginnt Zeppenfeld in Münster und Bonn und wird 2001 von der Semperoper Dresden als Ensemblemitglied engagiert. Es folgen Einladungen an die bedeutendsten Opernbühnen in Europa und in den USA.

Zahlreiche Aufnahmen dokumentieren sein Repertoire. In dessen Zentrum stehen die seriösen Bass-Partien der Klassik und Romantik, es schliesst aber auch Kantaten des Barocks und konzertante Werke ein. Eine seiner absoluten Paraderollen ist Sarastro aus W.A.Mozarts Zauberflöte.

Mehr und mehr singt er auch Wagner-Partien wie König Heinrich, Veit Pogner, Daland, König Marke und eben Gurnemanz. 2015 erhält Georg Zeppenfeld von der Dresdner Semperoper den Ehrentitel «Kammersänger».

Regelmässiger Gast in Bayreuth

In Bayreuth tritt Zeppenfeld zum ersten Mal in der Lohengrin-Neuproduktion von 2010 auf als König Heinrich, diesen Sommer singt er während der Festspiele neben Gurnemanz auch noch Marke und Hunding. Welche grosse Rolle kommt wohl als nächste? Vielleicht Hagen aus dem Ring des Nibelungen? Man darf gespannt sein.

Sendung zu diesem Artikel