Wenn Polo Hofers «Alperose» wie Jazz klingt

Das Basler Trio Vein mag Jazz-Klassiker, aber auch Hits der Volksmusik. Deshalb mischen sie «Dr Schacher Seppli» und «Alperose» mit Jazzklängen. Ihre eigene Note wird vom Publikum geliebt – und von amerikanischen Jazzstars bewundert.

Was haben Hits der Volksmusik wie «Dr Schacher Seppli», Polo Hofers «Alperose» oder György Ligetis zeitgenössische E-Musikkompositionen mit Jazz zu tun? Die Antwort ist einfach: nichts. Für den Pianisten Michael Arbenz, seinen Zwillingsbruder Florian am Schlagzeug und den Kontrabassisten Thomas Lähns ist das aber noch lange kein Grund, diese Musik nicht als Improvisationsgrundlage für ihr Jazzpianotrio zu verwenden.

Seit einem Jahrzehnt musizieren die drei jungen Basler unter dem Namen Vein und dehnen das Format Pianotrio, eine bestandene Institution im Jazz, bis an seine Grenzen und darüber hinaus.

Ein Foto der Band VEIN. Die Musiker halten ihre Hände so, als würden sie musizieren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Basler Pianotrio Vein erfindet Jazzmusik gerne neu. VEIN

Lust auf Schräges

Wer die drei Musiker live erlebt hat, weiss, dass man dafür nicht lange nach Erklärungen suchen muss. Erstens ist das Adaptieren von musikalischem Material für die Improvisation eine Art Konstante in der Jazzgeschichte, zweitens haben Lähns und die Arbenz-Zwillinge grosse Lust auf schräge Konstellationen, und drittens tun sie es, weil sie dazu in der Lage sind.

Mit gepflegten Interpretationen von Jazzstandards ist im Fach Pianotrio heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Das Standard-Trio von Keith Jarrett hat dieses Feld mustergültig abgesteckt, und die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten bleibt mit Brad Mehldau und vielen anderen tonangebend. Da muss man sich schon was einfallen lassen, um nicht in der Masse unterzugehen.

Standards, ja, aber ...

Vein verwehren sich den Klassikern ganz und gar nicht. Duke Ellingtons «Come Sunday» ist auch aktuell im Repertoire der drei Basler. Aber mit dem «Schacher Seppli» setzen sie auf europäische Standards, die einen eigenen Ton in ein bestens bekanntes Format bringen.

Vein dehnen ihr Trio oft und gerne aus und laden Gäste ein, die mit Gebläse aller Art auflaufen. Der Posaunist Glenn Ferris ist hier mit von der Partie, aber auch die Saxophonisten Greg Osby und Dave Liebman. Dass amerikanische Jazzstars dieses Kalibers immer wieder gerne mit dem Basler Pianotrio zusammenspielen, zeigt, dass die drei von Vein wirklich Klasse haben, und dass ihre eigene Note mit Respekt zur Kenntnis genommen wird.

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