Wie der Sklavenhandel die Musikgeschichte mitschrieb

Warum entstand der Gospel in Nord- und der Rumba in Südamerika – und nicht umgekehrt? Die Ausstellung «Rhythm & Roots» in Amsterdam macht den Einfluss des Kolonialismus auf die Musikgeschichte deutlich und zeigt, wie die Rhythmen und Instrumente aus Afrika auf die anderen Kontinente kamen.

Mehrere, bunte Trommeln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Rhythmen der Schlaginstrumente bildeten schon immer die Basis der afrikanischen Musik. Getty Images

Kolonialgeschichte ist auch Musikgeschichte. Dies wird deutlich anhand der wertvollen Instrumente des Amsterdamer Tropenmuseum, das auf die niederländische Kolonialgeschichte spezialisiert ist.

Die Ausstellung «Rhythm & Roots – von Blues bis Hiphop» zeigt kostbar verzierte Becken, Trommeln oder Congas. Auch ein Ngoni, die afrikanische Version der Zither, oder eine Harfenlaute, Kora genannt, aus Westafrika sind darunter.

Als die Trommeln verstummten

Die Rhythmen der Schlaginstrumente bildeten schon immer die Basis der afrikanischen Musik. Zudem dienten Trommelschläge in Afrika als Kommunikationsmittel. Das änderte sich, als zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert mehr als elf Millionen Menschen aus Afrika als Sklaven in die USA verschifft wurden.

Diverse afrikanische Rhytmus-Instrumente hängen an Seilen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit dem Kolonialismus gelangten afrikanische Rhythmen in alle Welt. Elsbeth Gugger

Die amerikanischen Plantagenbesitzer verboten die Instrumente. Also fingen die Sklaven an, ihre Geschichten in rhythmischer Form zu singen – nicht zuletzt, um die schwere Feldarbeit etwas erträglicher zu machen. Die Spuren dieser Lieder, die als Work-Songs in die Musikgeschichte eingingen, führen bis in die heutige Popmusik.

Nachdem die Sklaverei abgeschafft wurde, vermischten sich deren Rhythmen mit der amerikanischen Musik. So entstanden Blues, Jazz, Gospel und viele weitere, bis heute gängige Stile.

Salsa und Rumba erklingen

Die Ausstellung geht auf alle diese Musikrichtungen einzeln ein. Auf grossen Stellwänden wird das Genre anhand von Texten, Fotos und Filmen erläutert. Überall gibt es Kostproben zu hören, wobei die Besucherinnen und Besucher ganz einfach ihre eigenen Kopfhörer anschliessen können.

Im Gegensatz zu Nordamerika durften die Sklaven in Mittel- und Südamerika ihre Instrumente behalten. Dieser Umstand sorgte dafür, dass dort im 19. Jahrhundert die bis heute angesagten afro-amerikanischen Tanzrhythmen entstanden, vom Mambo über den Salsa bis zum Rumba.

Rhythmen wanderten um die Welt

«Es ist ein gutes Beispiel für den musikalischen Austausch zwischen afrikanischen Sklaven, Kolonisten und Südamerikanern», sagt Kuroator Richard Kofi. Der Mambo, so Kofi, sei dank des US-amerikanischen Musikers Ry Cooder und den kubanischen Musikern vom «Buena Vista Social Club» weltberühmt geworden: «Aber die kulturelle Bewegung dahinter wird oft vergessen.»

Über diese Stile und die daraus entstandenen Musikströmungen wie Funk, Reggae, Rock’n Roll, Afrobeat oder Hiphop gibt es viele Hintergrundinfos an den Stellwänden. Wer aufmerksam liest und zuhört, merkt, wie all die Rhythmen und Instrumente von einem Kontinent zum andern gewandert sind – und wie Musik zu einer universellen Sprache geworden ist.