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Zürcher Jazznojazz-Festival Feministin mit sexistischen Songs

Sie ist eine grosse Stimme im zeitgenössischen Jazz: Cécile McLorin Salvant singt heute am Zürcher Jazznojazz-Festival.

Cécile McLorin Salvant
Legende: Hat Spass an der Satire: Cécile McLorin Salvant. Wikipedia/ Miami6205

Cécile McLorin Salvant ist eine der Jazzstimmen von heute. Sie kann mit Legenden wie Sarah Vaughan oder Ella Fitzgerald auf Augenhöhe mithalten

Aber Cécile McLorin Salvant ist nicht nur gut. Sie ist auch echt. Sie durchlebt, was sie singt und nutzt ihr ganzes Stimmorgan, um davon zu erzählen.

Das tut sie immer aus der Sicht einer afroamerikanischen Frau. Eine feministische Perspektive, für die Cécile McLorin Salvant ungewöhnliche Kanäle findet: Ausgerechnet die frauenfeindlichsten Songs nimmt sie ins Repertoire.

Tipps für Ehefrauen

Sie habe die Songs auf einer Liste der sexistischsten Lieder der US-amerikanischen Musik entdeckt, sagte sie lachend an einem Konzert weit vor der #metoo-Debatte.

Einer davon ist «Wives and Lovers» von Burt Bacharach und Hal David aus dem Jahr 1963. Eine Anleitung aus den 1960er-Jahren, wie sich eine Ehefrau zu verhalten habe, damit der Gatte ihrer nicht überdrüssig wird.

Day after day/ There are girls at the office/ And men will always be men/ Don't send him off with your hair still in curlers/ You may not see him again/
Autor: «Wifes and Lovers»Burt Bacharach und Hal David

Ernst gemeint, damals. Heute schlüpft Cécile McLorin Salvant in den Song hinein und höhlt die frauenfeindliche Botschaft von innen her aus, ohne ein einziges Wort am Text zu ändern.

Die Freude an der Satire

Seht her, was man von uns verlangte, passt auf, dass sich das heute ändert, scheint sie mit ihrer schneidend gesungenen, fast schon verstörenden Interpretation zu sagen

Sie ist dabei aber nie bitter oder nur tadelnd. In ihrem Gesang schwingt immer auch ein perlender Humor und die Freude an der Satire mit.

Cécile McLorin Salvant
Legende: Cécile McLorin Salvant ist nicht nur gut, sie ist auch echt. Wikipedia/ Miami6205

Humor, das sei das Wichtigste, um eine Botschaft zu transportieren, sagt Cécile McLorin Salvant und verweist auf ihr grosses Vorbild Bert Williams. Ein Komiker und Musiker des frühen 20. Jahrhunderts, der seiner Zeit den Spiegel vorhielt, indem er etwa als Afroamerikaner mit Blackfacing arbeitete.

Dieses frühe Repertoire des Jazz und Blues fliesst stark ein ins Werk der mehrfach mit einem Grammy gekürten Cécile McLorin Salvant. Dass sie oft Songs aus vergangenen Zeiten singt, tut der Dringlichkeit ihrer Musik keinen Abbruch.

Rückwärtsgewandt ist anders

Die 29-Jährige steht mit beiden Beinen im Jetzt und macht durchaus auch gesellschaftspolitisch relevante Aussagen. In ihrer Musik und darüber hinaus.

Für ein Album hat sie dieses Bild gefunden: ein Frauengesicht, starke Farben in rot und schwarz. Ein Auge starrt, eins ist geschlossen, eine Frau zwischen Lachen und Weinen.

Cécile McLorin Salvant hat das Bild selbst gemalt. Auf Flügen, im Hotelzimmer, wann immer sie unterwegs ist, greift sie zu Skizzenblock und Aquarellfarben.

Cécile McLorin Salvants Albumcover.
Legende: Starke Farben in rot und schwarz: Cécile McLorin Salvants Albumcover. Cécile McLorin Salvant

Die 29-Jährige fotografiert auch: Sie sucht auf den Strassen ihrer Konzertorte nach Gesichtern, nach Gruppen in Interaktion. Menschen seien ihre Leidenschaft, sagt sie. Auf Instagram veröffentlicht sie reihenweise Bilder., Link öffnet in einem neuen Fenster

Cecile McLorin Salvant hat selber einen völlig eigenen Stil gefunden: raspelkurzer Afro, auffällige Brillen, intelligenter Blick aus runden Augen. Eine junge Frau, ihrer Geschichte, sich selbst und der Kraft des Moments in der Musik stets bewusst.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 17:20 Uhr

1 Kommentar

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ich empfehle mal allen Feministinen da draussen zu lernen das männliche in Ihnen zu lieben und verstehen. Die ganze Mee Doo Debatte ist auch gut zur Selbstreflektierung geeignet und sein Gerechtigkeitverständnis auf eine neue Stufe zu hiefen. Der Mann ist nicht per se das Böse und das Weibliche das gute und Unterdrückte, nicht mehr im 2018 und schon gar nicht überall. ARTE geht auf Erinnerungen: Wie wir uns Irren ein. Erinnerungen sind in 89 Prozent ungenau.
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