Der Zürcher Progrock-Musiker, Chorleiter und Maler Hardy Hepp ist mit 81 Jahren gestorben. Michael Lütscher, der ein Buch über Hepp schrieb, bestätigte gegenüber SRF Meldungen über den Tod des Musikers. Hepp sei demnach am Montag gestorben.
SRF: Wenn man auf Hardy Hepps Leben zurückschaut: Was ist das Wichtigste, das er hinterlässt?
Michael Lütscher: Ich glaube ganz grundsätzlich seine Kreativität. Er war ein kreativer Mensch, der vieles ausprobiert hat, sei es in der Musik oder in der Malerei. Er war ein Mensch, der keine Grenzen kannte und vor nichts zurückschreckte.
Er hat mit Leuten wie Bruno Spoerri zusammengespielt, mit Dodo Hug, Corin Curschellas oder auch mit Andreas Vollenweider. Wie erklären Sie sich diese enorme Vielseitigkeit?
Hardy Hepp war grundsätzlich ein extrem kommunikativer Mensch, der mit allen sofort ins Gespräch gekommen ist. Somit war er eine zentrale Figur in der Musikszene, insbesondere in den 1960er- und 70er-Jahren. Er hat wirklich alle gekannt, auch die jungen Talente. Er hat sie aufgespürt oder gesehen, dass sie gut und interessant sind und hat sie eingeladen, um mit ihm Musik zu machen.
-
Bild 1 von 3. 1968 schrieb Hardy Hepp (rechts) Fernsehgeschichte: Er präsentierte die erste Farbsendung im Schweizer Fernsehen. Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 3. Zusammen mit der Sängerin Suzanne Coucet (links), Bandmitglied von The Nice, moderierte er am 2. September 1968 die Farbausgabe der ersten Schweizer Beatsendung «Hits à Gogo». Bildquelle: SRF/Eric Bachmann.
-
Bild 3 von 3. 1969 gründete Hardy Hepp «Krokodil» – eine der ersten Schweizer Rockbands. Bildquelle: KEYSTONE/Str.
Was würden Sie sagen, war Hardy Hepps besondere Qualität als Musiker und Produzent?
Er war ein grosser Sänger. Ich glaube, das kann man sagen. Er hatte eine sehr starke Stimme, kräftig aber auch variabel. Und als Produzent: Er war ein sehr musikalischer Mensch, der viele Arten von Musik gehört hat. Er konnte auch aus dem Stand etwas vorsingen, das überzeugte. Zum Beispiel, um den Leuten zu sagen, wie es sein sollte, oder um einen Input zu geben. Da war er stark.
Es gibt die Anekdote, dass Warner ihm einen Millionendeal angeboten habe, und zwar unter der Bedingung, dass er fremde Musik singt. Aber das lehnte Hardy Hepp ab. Ist eine Weltkarriere zu Ende gegangen, bevor sie losging?
Das ist sehr schwierig zu sagen. Er hatte wirklich eine grosse Stimme. Das war auch das, was den Chef von Warner Deutschland, bei dem er damals unter Vertrag war, am meisten interessierte. Er wollte mit Hardy einen Hit produzieren. Und die Songs, die Hardy selbst schrieb, waren nicht «hitfähig» genug.
Hardy Hepp hat immer das Spiel gesucht.
Ob er das geschafft hätte? Vielleicht. Aber Hardy war extrem eigenwillig und es hat ihn auch rasch mal gelangweilt, wenn etwas immer gleich lief. Endlose Promotiontouren oder auch endlose Konzerttouren – damit hätte er Mühe gehabt. Er hat von sich selbst gesagt: «Ich bin nicht erfolgsfähig.»
Sie haben Hardy Hepp persönlich gekannt. Was bleibt Ihnen am allermeisten in Erinnerung vom Menschen Hardy Hepp?
Er war ein sehr herzlicher Mensch, wenn auch mit einer rauen Schale. Er konnte in seinem Drang zu sprechen oder jemanden herauszufordern, mitunter auch etwas grob sein. Er hat auch einige Leute vor den Kopf gestossen. Aber er hat eigentlich immer das Spiel gesucht, den mündlichen Schlagabtausch. Man muss ihm einfach zurückgeben. Dann war's gut, dann nahm er einen ernst.
Das Gespräch führte Irene Grüter.