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Alexa hört Gespräche mit «Amazon muss das Vertrauen der Benutzer wiedergewinnen»

Ein Lautsprecher vor farbigem Licht.
Legende: Über den Lautsprecher Amazon Echo nimmt die Sprachassistentin Alexa Befehle entgegen. Keystone

Amazons Sprachassistentin Alexa macht Schlagzeilen. Letzte Woche wurde bekannt, dass Alexa in den USA die Kommunikation eines Ehepaars aufgezeichnet hat. Danach hat Alexa die Unterhaltung an einen Bekannten weiterverschickt. Wie viel Kontrolle haben wir über diese neuen digitalen Assistenten, die wir zu uns ins Haus holen?

Wer ein solches Gerät nutzt, gibt viel Daten von sich preis. Beim ungewollten Aufzeichnen und Versenden eines ganzen Gesprächs handelt es sich aber wohl um einen technischen Fehler, meint der SRF-Experte für Sprachschnittstellen und Künstliche Intelligenz, Patrick Arnecke.

Patrick Arnecke

Patrick Arnecke

SRF-Experte für Maschinenlernen und Künstliche Intelligenz

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Patrick Arnecke arbeitet seit 2006 als Leiter Design & Promotion bei SRF. Neben seiner kreativen Arbeit ist er bei SRF für die digitale Strategie zuständig und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen.

SRF: Hat Amazon ein Sicherheitsproblem? , Link öffnet in einem neuen Fenster

Patrick Arnecke: Ich betrachte diesen konkreten Fall als seltene Ausnahme und kleinere technische Macke. Diese Sprachsysteme wie Alexa hören sehr aufmerksam auf ihr Aktivierungswort – also auf «Alexa, tue dies und das» oder «Ok Google» im Fall von Google Home. Danach hören sie sehr aufmerksam zu, was der Nutzer sagt und versuchen den Befehl zu interpretieren.

Amazon wird alles dafür tun, das Vertrauen der Benutzerinnen und Benutzer wiederzugewinnen.

In diesem Fall ist es eben zu einer bizarren Ausnahme gekommen. Ich halte das nicht für ein gröberes Sicherheitsproblem. Das ist nichts Fundamentales. Und aus meiner Sicht ist das keine Absicht von Amazon. Amazon hat jegliches Interesse, solche negative Publicity zu vermeiden. Sie werden alles dafür tun, diesen Fehler so schnell wie möglich zu beheben und das Vertrauen der Benutzerinnen und Benutzer wiederzugewinnen.

Werden wir in zehn Jahren alle einen digitalen Sprachassistenten zu Hause haben?

Derzeit ist das sicher der am schnellsten wachsende Bereich der Unterhaltungselektronik. Der Markt wächst schneller als damals bei den Smartphones. Allein im letzten Jahr haben sich die Verkäufe verdreifacht. Google und Amazon haben im ersten Quartal dieses Jahres bereits über 5 Millionen Geräte weltweit verkauft – eine enorme Menge. Jeder Fünfte US-Amerikaner hat einen Smart-Speaker im Haushalt.

Experten gehen davon aus, dass bis in sieben Jahren etwa die Hälfte unserer digitalen Handlungen und Interaktionen über solche Sprachschnittstellen wie Alexa oder Google Home laufen werden.

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Solche Smart-Speaker kann man hier seit geraumer Zeit über Elektronikhändler beziehen. Die offizielle Markteinführung steht noch bevor. Ich gehe davon aus, dass in zwei bis vier Jahren ein substanzieller Anteil der Schweizer Bevölkerung so ein Gerät im Haushalt haben wird.

Kann man sich dieser Entwicklung denn überhaupt noch entziehen?

Privat entscheidet logischerweise jeder für sich, ob er das braucht und wie er das nutzt. Zugleich werden die Geräte auch in anderen Bereichen allgegenwärtig. Diese Systeme sind oft schon standardmässig in den Autos verfügbar, in unseren Smartphones. Oder sie werden ins Büro einziehen als digitale Assistenten, die uns zum Beispiel Termine koordinieren oder Protokolle transkribieren.

Ein amerikanischer Fertighaus-Anbieter geht inzwischen so weit, dass das Alexa-System fest in allen Räumen der neuen Häusern installiert wird. Der Besitzer muss es nur noch aktivieren – kann aber das System auch nicht aus dem Haus entfernen.

Was tun Firmen wie Google, Amazon oder Apple, um unsere Privatsphäre zu schützen?

Die grossen Firmen werden alles daran setzen, Vertrauen aufzubauen, um ihr enormes Wachstum in diesem sehr attraktiven Zukunftsmarkt zu verteidigen. Diese Firmen haben zugleich ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen im Auge und nicht primär die des Verbrauchers oder der Verbraucherin.

Wenn ich ein solches Gerät nutze, gebe ich sehr viele Daten über mich preis.

Das Problem ist die Asymmetrie der Machtverhältnisse. Wenn ich ein solches Gerät nutze, gebe ich erneut sehr viele Daten über mich preis. Und die können auch an Dritte gehen oder in Ländern mit deutlich laxeren Datenschutzbestimmungen gespeichert werden.

Haben wir den Kampf also bereits verloren gegen die Maschine?

Ich hoffe nicht. Das Ziel muss ja sein, dass die Technik uns hilft. Unser Leben einfacher macht. Oder vielleicht unsere Gesellschaften besser organisiert. Die derzeitigen Entwicklungen im digitalen Bereich sind enorm. Das ist eine grosse Herausforderung für jeden einzelnen von uns, aber sicherlich auch für die Gesetzgeber.

Wir können die Anbieter einerseits sinnvoll regulieren, zum Beispiel durch wirksame Datenschutzverordnung. Das passiert ja gerade auf EU-Ebene. Andererseits kann man privat sehr gut überlegen: Wo und wie wollen wir solche Assistenten wirklich nutzen? Und wieviel Daten geben wir ihnen preis?

Das Gespräch führte Sarah Herwig.

Sendung: Kultur aktuell, Radio SRF 2 Kultur, 28.5.2018, 6.50 Uhr

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