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Wikitribune Jimmy Wales gründet ein Wikipedia für Journalismus

Er hat die Nase voll von «Fake News». Nun sammelt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales Geld für eine neue Nachrichtenplattform. Bei Wikitribune sollen Journalisten und Nutzer gemeinsam Beiträge erstellen.

Porträt Jimmy Wales
Legende: «Wir wollen die faktenbasierte Mentalität von Wikipedia in den News-Betrieb bringen», sagt Jimmy Wales. Getty Images

«The news is broken» – das Mediensystem ist kaputt, meint Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Nun will er die «Fake News» mit einer neuen Plattform bekämpfen: mit Wikitribune, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Wikitribune soll eine neue Art von Nachrichtenplattform werden: Bezahlte Journalistinnen und Journalisten und freiwillige Nutzerinnen und Nutzer erstellen in enger Zusammenarbeit Beiträge, die einfach verifiziert und verbessert werden können.

Vorbild Wikipedia

Wikitribune lehnt sich also nicht nur mit dem Namen, sondern auch mit der Art, wie Inhalte erstellt und überarbeitet werden, an die Online-Enzyklopädie Wikipedia an.

«Wir wollen etwas von der faktenbasierten, faktenprüfenden Mentalität, die wir von Wikipedia kennen, in den News-Betrieb bringen», erklärt Jimmy Wales gegenüber Wired, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Wikipedia steht auch Modell bei der Finanzierung: Die Community soll bezahlen, zuerst via Crowdfunding, dann via freiwillige monatliche Beiträge. Eine Bezahlschranke soll es keine geben. Auf Investoren und Werbung verzichtet man bewusst.

Glaubwürdigkeit zurückgewinnen

Dem Community-Gedanken kann Medienwissenschaftler Guido Keel von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW viel abgewinnen: «Eine engere Zusammenarbeit zwischen den Journalisten und dem Publikum ist absolut notwendig.»

Er kann Jimmy Wales‘ Einschätzung, das Mediensystems sei kaputt, verstehen: «Der Journalismus hat an Glaubwürdigkeit verloren. Ich glaube nicht, dass er schlechter geworden ist. Aber er wird kritischer wahrgenommen.»

Guido Keel meint deshalb, der Journalismus könnte an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, wenn er sich stärker öffnet und das Publikum einbezieht. Zudem gehe es auch um die Finanzierung der Medien. Denn mehr als die Qualität des Journalismus habe dessen Geschäftsmodell gelitten. In beiderlei Hinsicht gehe Wikitribune einen interessanten Weg.

Ähnliche Plattform auch in der Schweiz

Wikitribune ist eine von verschiedenen Plattformen, die seit einigen Jahren ein neues Modell für Journalismus suchen. In Holland hat «De Correspondent, Link öffnet in einem neuen Fenster» 2013 via Crowdfunding 1,7 Millionen US-Dollar gesammelt und wird mittlerweile von über 50‘000 regelmässig zahlenden Nutzern, Link öffnet in einem neuen Fenster finanziert.

Auch dort sprechen die Nutzer mit, und auch dort gibt es keine Werbung. Der deutsche «Krautreporter, Link öffnet in einem neuen Fenster» folgte 2014 diesem Beispiel, allerdings mit etwas bescheideneren Zahlen, Link öffnet in einem neuen Fenster. In der Schweiz startet diese Tage die «Republik» ein Crowdfunding; die Ambitionen sind gross, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Erfolg ist möglich

Ob diese Projekte den Sprung von der Nische in den Mainstream schaffen, ist ungewiss. Aber man müsse es versuchen, meint Medienwissenschaftler Guido Keel: «Jetzt ist der Moment, Neues auszuprobieren und herauszufinden, was tragfähig ist.»

Auch bei Wikitribune sei der Erfolg nicht garantiert, aber durchaus möglich, meint er. Jimmy Wales habe mit Wikipedia bewiesen, dass eine von Nutzern mitgestaltete Plattform funktionieren kann.

Zudem seien die Leute in der momentanen Krise des Mediensystems offen für Neues. «Das gibt mir das Gefühl, dass es funktionieren könnte», bilanziert Keel.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Screenshot, 25.04.2017, 17:40 Uhr

Screenshot

Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Wieso wird dauernd die Ära der "fake news" proklamiert, wenn doch höchstens die Bezeichnung, nicht aber das Phänomen neu ist? Und die Wikipedia ist maximal intransparent bezüglich der Administratoren und der angewendeten Kriterien zur Berücksichtigung von Inhalten. Ganz besonders bei politischen Themen grenzt die Tonalität an Aktivismus, die Gewichtung von Narrativen ist oft willkürlich. Kein gutes Vorbild für eine grundsätzlich vielversprechende Idee.
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