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Auf einem Laptop-Bildschirm ist Thomas Merz' Facebook-Profil zu sehen.
Legende: «Wir haben in unserer Kultur Probleme, über den Tod zu sprechen. Das wird auf einem neuen Medium wieder deutlich.» SRF, Michaël Jarjour
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Netzwelt Thomas hat seinen Beziehungsstatus auf «verwitwet» geändert

Mit dem Aufstieg sozialer Netzwerke verschmelzen Online- und Offline-Identitäten immer stärker. Doch bei den Themen Tod und Trauer gibt es noch immer Unterschiede: Wie ein Facebook-Nutzer online mit dem Tod seiner Frau umging.

Thomas Merz hat 2700 Freunde auf Facebook.

Sie sehen seine neuesten Ferienbilder, wie weit er in der Früh gejoggt ist oder Beiträge darüber, wie er mit seiner Tochter eine Bootstour unternommen hat.

Doch der Beitrag im Sommer vor zwei Jahren war anders: «Thomas Merz hat seinen Beziehungsstatus von ‹Verheiratet› auf ‹Verwitwet› geändert», sahen seine Freunde, die sich auf der Plattform einloggten.

«Ich habe alles am selben Nachmittag gemacht: Das Abholen der Todesanzeige, der Auftrag der Todesanzeige für die Zeitung und zugleich auch die Mitteilung auf Facebook», erzählt Thomas Merz (50). Öffentlich hat er bisher nicht über den Umgang mit seiner Trauer auf Facebook gesprochen, doch auf dem Netzwerk selbst ist er mit dem Tod seiner Frau offen umgegangen.

Ein Bild zeigt Teile des Facebook-Profils von Thomas Merz. Sein «Beziehungsstatus» zeigt, dass er «Verwitwet» ist.
Legende: Auf Facebook kann jeder Thomas Merz' Beziehungsstatus sehen. SRF, Michaël Jarjour

Probleme, über den Tod zu sprechen

«Es war mir sehr wichtig, meine Freundinnen und Freunde sehr sorgfältig und ernsthaft darüber zu informieren, was mir in diesem Moment so nahe ging.» Beim Ändern des Beziehungsstatus ist es deshalb nicht geblieben.

Seit zwei Jahren sehen seine Freunde in regelmässigen Abständen Berichte darüber, wie er und seine drei Kinder mit dem Tod seiner Frau umgehen. Ein Entscheid, den er bewusst getroffen und mit seinen Kindern besprochen hat. Dass sein Umgang mit der Trauer auf dem Netzwerk Freunde und Bekannte vor den Kopf stossen könnte, sei ihm bewusst gewesen – doch am Ende wäre es wohl ohnehin ein Thema geworden. «Ich wusste, jetzt kann ich entweder selbst etwas schreiben. Sonst schreiben morgen andere an meine Pinnwand.»

Eine Milliarde Nutzer

Facebook ist bereits das grösste soziale Netzwerk der Welt und wächst noch immer täglich. Weltweit nutzen es über eine Milliarde Menschen, die Hälfte von ihnen jeden Tag. Für viele gehört es zum Alltag, doch wie auf dem Netzwerk mit Tod und Trauer umgegangen werden soll, stellt viele vor Herausforderungen.

«Wir haben in unserer Kultur Probleme, über Sterben und Tod oder auch über Misserfolge, zu sprechen. Das wird auf einem neuen Medium dann wieder deutlich», sagt Merz, der sich auch beruflich mit dem Thema beschäftigt; er ist Fachbeauftragter für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Thurgau.

Positive Reaktionen

Sein Umgang mit der Trauer auf Facebook stiess auf «fast ausschliesslich» positive Reaktionen. «Ich merkte sehr rasch, dass diese Offenheit, mit dem Thema umzugehen, vielen Mut macht, auch über Belastendes zu sprechen», sagte Merz. «Bei jedem Beitrag, den ich veröffentlichte, meldeten sich Leute und sagten, es täte ihnen gut.»

Nicht zuletzt gaben ihm die Reaktionen auch eine Stütze in der Zeit der Trauer. «Das war manchmal einfach ein Herz-Symbol, das jemand geschickt hat, oder jemand, der sagt ‹ich denke an euch›. Das tat sehr gut.»

Digitales Testament

Das Thema von Trauer im Internetzeitalter beschäftigt wie Thomas Merz immer mehr Nutzer, aber auch Soziologen und nicht zuletzt die Netzwerke selbst. Viele Dienste bieten mittlerweile Funktionen an, mit denen sich Online-Identitäten nach dem Offline-Tod verwalten lassen.

Der Suchriese Google lässt seine Nutzer bereits zu Lebzeiten bestimmen, was mit ihren E-Mails und Videos passieren soll. Auf dem sogenannten «Kontoinaktivitätsmanager» können Nutzer bestimmen, ob ihre Daten an Freunde weitergeleitet werden soll oder das Konto gelöscht werden soll.

Facebook-Profil gelöscht

Facebook wandelt Profile auf Anfrage in Gedenkprofile um. Wer eine Todesurkunde einsendet, kann Facebook dafür den Auftrag geben. Das Profil eines Verstorbenen wird so umfunktioniert, dass es nur noch für Freunde sichtbar ist, und alle Funktionen verliert, die nur für Lebende Sinn machen.

So können danach beispielsweise keine Freundschaftsanfragen mehr geschickt werden. Viele Nutzer richten für Verstorbene Seiten auf dem Netzwerk ein, auf denen Freunde und Bekannte Gedenknachrichten veröffentlichen können.

Thomas Merz hatte sich dagegen entschieden. Während auf seinem eigenen Profil getrauert wird, hat er das Profil seiner Frau gelöscht. «Meine Frau hatte eine ganz andere Beziehung zu Facebook. Ich glaube, dass sie es so gewollt hätte.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Rafael Heuri , Adliswil
    Ich bin 35 Jahre alt und habe mir vor ein paar Jahren mein eigenes Testament aufgesetzt, dies weil ich mich im Gegensatz zu den meisten Menschen mit meiner eigenen Sterblichkeit auseinander gesetzt habe und mir Gedanken dazu gemacht habe wie ICH möchte das meine Beerdigung aussieht Viele Bekannte und Freunde können dies nicht nachvollziehen Ich jedoch finde dass ich seither mein Leben viel unbeschwerter angehen kann und kein Leben-nach-dem-Tod-Gedanke brauche. Mein Paradies ist im hier und jetzt
  • Kommentar von Roland Graf , Unteriberg
    Na ja, besonders feinfühlig ist der Kommentar von Klaus H. nicht, ganz sicher nicht für Thomas Merz persönlich. Ich habe zwar auch nichts mit Facebook am Hut, aber es ist doch logisch, dass Trauer und Beileid auch bei Facebook Platz haben müssen - wenn schon, denn schon. Nicht alle FB-User sind sich dessen bewusst, von daher scheint es mir sinnvoll, mit diesem Artikel darauf aufmerksam zu machen.
    1. Antwort von Klaus H. , Bern
      Es spricht ja auch nichts gegen Trauer, aber muss alles immer in Zusammenhang mit FB stehen? Gibt es ein Leben nach FB? Echt jetzt, ich glaube diese Leute haben einfach den Sinn für Realität verloren. Das Leben wird nicht ständig stressiger, sondern die Menschen machen es sich selbst stressiger und schwerer mit unnötigem Balast. "Simplify your life".
    2. Antwort von Thomas Merz , Weinfelden
      Guten Tag Herr H. Sie können beruhigt sein. Es gibt für mich sehr wohl ein Leben neben FB. Gerade darum finde ich wichtig, dass das, was wirklich im Leben wichtig ist, dort auch Platz hat. Facebook ist nur eine Plattform. Wir entscheiden als Nutzer, ob sie wertvoll oder oberflächlich ist. - Wenn Sie selbst Facebook nicht nutzen: Kein Problem. Fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer tut dies jedoch. Und dann wird es eben zu einer Frage, was dort Platz hat...
  • Kommentar von Klaus H. , Bern
    Was für ein weltbewegender Artikel und Sorgen, wie so oft alles Probleme die man sich selber macht(e). Wie wäre es, sein Leben wieder eher offline zu halten und sich dafür solche lächerlichen Probleme künftig schenken? Nicht-FB-Nonsens-Suchthaufen haben für solche Problemchen nicht mal mehr ein müdes lächeln übrig, dermassen gehen einem die Leute auf den Senkel, welche sich dauernd selbst neue Probleme machen/erschaffen müssen, was eigentlich Lebensinhalt/-sinn von Sozis ist.