Turnerin Gabby Douglas: Auf sozialen Medien zu Boden gebracht

Unser Netzthema des Tages: Als die US-amerikanische Hymne in Rio ertönte, legte Gabby Douglas ihre Hand nicht aufs Herz. Das löste auf sozialen Medien einen Shitstorm gegen die schwarze Turnerin aus. Der Fall zeigt: Auch an den Olympischen Spielen sind soziale Medien unerbittlich.

Gabby Douglas. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ungewollt im Rampenlicht: Gabby Douglas wurde zum Opfer eines Shitstorms. Getty Images / Bildschirmaufnahme

Worum geht’s?

Eigentlich hatte die US-amerikanische Turnerin Gabby Douglas etwas zu feiern: Zusammen mit vier Turnerinnen gewann sie den Mehrkampf an den Olympischen Spielen in Rio.

Als bei der Medaillenübergabe die amerikanische Hymne lief, legte Gabby Douglas jedoch nicht – wie es sich nach Tradition gehört – die Hand aufs Herz. Auf Twitter wurde danach unter dem Hashtag #gabbydouglas die fehlende Geste als Affront interpretiert und von Usern als «unolympisch» und «respektlos» bezeichnet.

In den Medien wird nun diskutiert, ob Gabby Douglas zum Opfer wurde, weil sie schwarz ist.

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Screenshot

Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

Warum ist’s interessant?

Durch soziale Medien sind die Sportler an diesem Olympischen Spielen so exponiert wie nie zuvor. Seit Beginn wurden 150 Millionen Tweets zu den olympischen Spielen abgesetzt – eine gigantische Zahl in Anbetracht, dass sie erst seit 11 Tagen laufen.

Die erhöhte «Olympia-Konzentration» auf sozialen Medien kann den Spielern dabei sowohl schaden, wie auch nutzen. Die «New York Times» sieht soziale Medien als zweischneidiges Schwert: Denn einerseits können sie den Spielern dienen, um eine Fangemeinde aufzubauen oder um für Sponsoren zu werben. Sie können Sportler aber auch zur Zielscheibe machen, wie das Beispiel von Gabby Douglas zeigt.

Als erste «Social-Media-Spiele» galten die Olympischen Spiele 2012 in London. Damals wurden sozialen Medien schon als Marketingkanal, aber auch als Kontrollinstanz entdeckt, wie das Beispiel des Schweizer Fussballers Michel Morganella zeigte. Er bezeichnete nach der Niederlage gegen Südkorea seine Gegner als «trisos» – übersetzt als «Menschen mit Downsyndrom». Und flog darauf aus dem Olympiateam.