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Verbrechen des Nazi-Regimes Gegen das Vergessen: Wenn Zeitzeugen erzählen

Die Austrian Heritage Collection dokumentiert mit 700 Interviews das Leben von österreichisch-jüdischen Emigranten. Eine Auswahl davon ist seit heute online zugänglich.

Auf einem Smartphone ist ein schwarz-weiss-Foto mit einem Paar zu sehen.
Legende: Hochzeitsfoto von Catriel Fuchs und seiner Frau Hilde, Palästina, frühe 1940er-Jahre. Dorthin flüchtete Fuchs aus Wien. SRF / Austrian Heritage Archive

Felicia Breitner, Link öffnet in einem neuen Fenster wurde 1921 in Wien geboren. Als sie 18 war, musste die jüdische Österreicherin vor den Nationalsozialisten nach England fliehen. Ihre zurückgelassene Mutter starb in Wien, zahlreiche ihrer Verwandten überlebten den Holocaust nicht. Heute lebt die ausgebildete Krankenschwester und Hebamme in Israel.

Ihr Leben habe sich immer wie eine unfertige Symphonie angefühlt, sagt Felicia Breitner. Bei all ihren Lebensstationen habe sie sich oft fehl am Platz und nie heimisch gefühlt. Das hält Felicia Breitner für das «Austrian Heritage Archive» fest.

Die letzten Zeugen

Felicia Breitners Biografie ist eine von 12 Lebensgeschichten, die seit heute online abrufbar sind – mit ausführlichen Gesprächen auf Video oder Tonspur. Dazu kommen Foto- und Archivmaterialien und detaillierte Angaben zur Person. Manche der Beteiligten sind fast schon 100 Jahre alt – es handelt sich quasi um die letzten Zeitzeugen.

Das Projekt zeigt, wie wichtig das Konzept «Oral History», das Zusammenarbeiten mit Zeitzeugen ist. Eine persönlich erzählte Geschichte einer betroffenen Person bleibt viel stärker in Erinnerung als die Daten in einem Geschichtsbuch – und hat auch automatisch viel mehr mit der eigenen Lebenswelt zu tun.

Neue Dringlichkeit

Das ist auch der Fall bei Frederick Ternas, Link öffnet in einem neuen Fenster Geschichte. Er war in verschiedenen Konzentrationslagern interniert und überlebte den Holocaust als einziger seiner Familie – eine Biografie, von denen es unzählige davon gibt.

Wer aber vom Zeitzeugen selber geschildert bekommt, wie er die schrecklichen Ereignisse erfuhr, erlebt die Geschichte unmittelbar. Sie bekommt eine ganz andere Dringlichkeit und macht das «Austrian Heritage Archive» zu einem bewegenden Projekt.

Austrian Heritage Collection

Das Leo-Baeck-Institut in New York und Jerusalem bewahrt mit der Austrian Heritage Collection hunderte von Interviews mit österreichisch-jüdischen Emigranten auf, die in der Zeit des Nationalsozialismus und unmittelbar danach in die USA oder nach Palästina/Israel flüchteten – und hat das Austrian Heritage Archive ins Leben gerufen.

Screenshot

Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Ruth Wohnheim (RuWo)
    Die jüdischen Flüchtlinge während dem Holocaust können nie und nimmer mit den heutigen muslimischen Flüchtlingen verglichen werden! Die Angst vor den Flüchtlingen aus dem asiatischem Raum ist verständlich! Leider befinden sich immer wieder Terroristen unter den muslimischen Flüchtlingen, die so nach Europa kommen um ihm Namen ihrer Religion Menschen zu töten. Hat denn jemals ein Jude unschuldige Zivilisten im Namen G-ttes umgebracht?
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Wenn man sich die Biografien anhört oder liest, weiss man das Österreich Täter und nicht Opfer wahr, wie sie es gerne Darstellt. Das sie nicht zu Ihrem Ich stehen und es verarbeitet haben, zeigen sie im Wahlergebnisse. Was in Deutschland viel offener aufgearbeitet wurde, ist in Österreich immer noch Tabu! Das braune Gedankengut ist in Österreich Salonfähig geworden. Und nicht von Ungefähr kommt es das die ÖVP da mitmischt, den die Österreichische Kirche schreibt da auch ein dunkles Kapitel mit!
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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    … und just Gestern forderte jemand in einem SRF-Forum Internierungslager für Flüchtlinge in der Schweiz. Einfach so! Gegen das Vergessen: Wirklich, liebes SRF…?
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    1. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Ich finde es nicht in Ordnung die grausamen Verbrechen an der Jüdischen Bevölkerung mit der Aufnahme von Flüchtlingen gleichzusetzen da es zu einer Verharmlosung der Verbrechen der NSDAP führt.
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    2. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Herr Gerschler, Wahrheiten sind unangenehm und mit denen will man sich nicht Beschäftigen! Darum lieber weit weg mit Ihnen dann muss ich das Leid nicht mit ansehen, noch besser eine Mauer! Das Paradies nur uns denn es gehört nur uns, denn nur wir haben es uns verdient!
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    3. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Herr Gerschler, ich will nichts gleich setzten. Nur darauf aufmerksam machen, das die Verbrechen der NSDAP nicht mit der Vergasung begonnen haben, sonder so: Zuferst waren es nur Fantasien eines kleinen Haufen Irrer, dann wurde es auf in Worten ausgesprochen(…und hier sind wir wieder), dann kam die Entwürdigung, der Hass, darauf folgte die Gewalt, dann die Deportation… und dann… die "Endlösung der Judenfrage". Ich frage Sie, wo sagen wir Stop? Wo sagt SRF Stop?
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    4. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Daniele Röthenmund,ich stimme ihnen voll und ganz zu.Gerade Rot-Grün waren es die gegen die Wiedervereinigung und den Abriss der Mauer in D demonstrierten.
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    5. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      A.Zuckermann,das ist die große Frage.Wo fängt es an wo hört es auf?Leider ist es wie die Geschichte und Gegenwart zeigt sehr einfach Menschen gegeneinander aufzubringen.
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    6. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Leider ist es so einfach, Herr Gerschler. Ich weis nicht wie lange Sie schon in Foren unterwegs sind, deshalb erzähle ich Ihnen was hier auf SRF im Wahljahr 2015 passiert ist. Ca. ab Juni popte im Forum eine beispiellose Hetzte gegen Eritreer auf, klar orchestriert von der SVP. Es gab noch keine Netiquette, und Sie glauben nicht was hier an Rassismus + Sexismus durchging. Ein Tag nach der Wahl, am 19. Oktober verschwand die Polemik, wusch und weg, aber der Hass blieb… es ist noch nicht verdaut.
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