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Netzwelt Was ist eigentlich los bei Wikileaks?

Banale, aber umstrittene Leaks, Antisemitismus und der russische Geheimdienst: Die Enthüllungsplattform Wikileaks fiel in den letzten Wochen wieder vermehrt auf, vor allem irritierend bis negativ.

Ein Handy zeigt ein Foto, auf dem Teilnehmer einer Konferenz sich das Bild von Julian Assange vors Gesicht halten.
Legende: Julian Assange, Gründer von Wikileaks, muss sich heftige Kritik gefallen lassen – aber ist daran gewöhnt. SRF

Worum geht's?

Wikileaks enthüllt, aber im Moment irritiert die Plattform primär. Zwei grössere Leaks stellte Wikileaks in den letzten Wochen online: die 300'000 E-Mails von oder an Politiker der türkischen AKP-Partei und 20'000 Mails der ranghohen Mitglieder des Democratic National Committee (DNC).

Die anschliessende Kritik war heftig:, Link öffnet in einem neuen Fenster wenig brisant, kaum politische Relevanz oder öffentliches Interesse, dafür aber die krasse Verletzung der Privatssphäre von Millionen von Bürgern.

Dazu kommt beim DNC-Leak der Vorwurf, dass Wikileaks die Daten vom russischen Geheimdienst erhalten habe – und sich damit im US-amerikanischen Wahlkampf von einem ausländischen Regime instrumentalisieren lassen, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Dass die Plattform auf ihrem Twitteraccount anfing, antisemitische Tweets abzusetzen, Link öffnet in einem neuen Fenster, half da auch nicht.

Warum ist's interessant?

Zwar ist die Kritik nicht neu, aber ungewohnt heftig. Wikileaks verspiele gerade die Glaubwürdigkeit. «Wikileaks is a pastebin for spooks, and they’re happy to be used that way», sagt der Wikileaks-Experte Nicholas Weaver von der University of California.

Auch ein sehr prominenter Whistlerblower hat sich in die Phalanx der Kritiker eingereiht: Edward Snowden moniert, es sei ein Fehler von Wikileaks, Datensätze unbearbeitet ins Netz zu stellen.

Dazu muss man wissen: Wikileaks hatte Snowden damals bei seiner Flucht nach Russland geholfen. Dass er jetzt so deutliche Worte wählt, ist bemerkenswert

Fakt ist: Die zwei wichtigsten Enthüllungen der vergangenen Jahre – die NSA-Dokumente und die Panama Papers – liefen nicht über Wikileaks, sondern über renommierte Medien wie die New York Times, der Süddeutschen Zeitung und dem Guardian. Also über professionelle Journalisten, die die Daten sichten, kuratieren, auswählen und aufbereiten.

Wenn man als Whistleblower heute ernst genommen werden will, dann geht man nicht mehr zu Wikileaks.

Screenshot

Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Moriz Stiefel (San)
    Letzten Dienstag traten dann weitere hochrangige Beamte der DNC zurück, namentlich DNC Chief Executive Officer Amy Dacey, Communications Director Luis Miranda und Chief Financial Officer Brad Marshall. V.a.Luis war (wie den Emails zu entnehmen ist) involviert bei der Absprache mit den Medien und Moderatoren, welche bearbeitet wurden, um Hillary Clinton positiv und Bernie Sanders (als man ihn nicht mehr länger ignorieren konnte, aufgrund seiner Wahlerfolge) negativ darzustellen! Danke WikiLeaks!
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  • Kommentar von Moriz Stiefel (San)
    Laut Snowden sollte WikiLeaks mehr Zensur betreiben (z.B. bezüglich Telefonnummern von DNC Mitarbeitern usw). Das Argument verstehe ich, jedoch gibts auch den Trade-Off öffentliches Amt/Privatsphäre wenn sie mich fragen. Assange hat ausserdem gekontert: Uneditierte Dokumente haben es einfacher gerichtlich annerkannt zu werden (vgl Yukos v Russ. Föd.). Die DNC wurde natürlich schon Monate zuvor gewarnt vom FBI und anderen Diensten, dass ihre Server schlecht geschützt seien! Alles Schmierkampagne!
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