Wenn Dating-Apps mit der Politik flirten

Trump oder Clinton – wen würden Sie wählen? Diese Frage stellte die Dating-App «Grindr» in den USA seinen Usern. Damit will die App diese dazu bewegen, zur Urne zu gehen. Wahlhelfer statt Partnerwahl: Wieso gehen Dating-Apps fremd?

Clinton und Trump. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bestimmt keine Liebe: Dating-Apps befragen ihre Nutzer nicht nur zur Partnerwahl, sondern auch zu ihrem Wahlverhalten. Bildschirmaufnahme / Keystone

Worum geht’s?

Grindr, eine Dating-App für Homosexuelle, hat in den USA seine Nutzer befragt, ob sie an den Präsidentschaftswahlen wählen gehen, und wenn ja, wen sie wählen werden.

Die App, so das erklärte Ziel, will damit in Zusammenarbeit mit der NGO «Rock the Vote», die Nutzer dazu bewegen, an den US-Präsidentschaftswahlen wählen zu gehen. Denn besonders die LGBTQ-Community – Schwule, Lesben und Transmenschen – wäre vom Ausgang der US-Wahlen betroffen.

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Screenshot

Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

Warum ist es interessant?

Es ist nicht das erste Mal, dass eine politische Umfrage auf einer Dating-App stattfindet. Bereits bei den Vorwahlen in den USA wurden auf Tinder Nutzer zu den möglichen Kandidaten befragt.

Unter dem Titel «Swipe the Vote» konnten diese Fragen wie «Sind Sie für die Homo-Ehe?» oder «Wollen Sie Obamacare rückgangig machen?» mit Ja oder Nein – beziehungsweise mit einem Wisch nach rechts oder links beantworten. Auch vor der Abstimmung zum Brexit wurde in Grossbritannien auf Twitter eine ähnliche Umfrage geschaltet. Beide Umfragen konnte man freiwillig beantworten.

Junge Wähler dort anzusprechen, wo sie aktiv sind, ist eine clevere Idee. Bei Tinder beispielsweise sind 85 Prozent der User zwischen 18 und 24 Jahre alt – der perfekte Ort also, um an junge Wähler zu gelangen.

Dass Grindr – eine App die von einem Homosexuellen gegründet wurde – sich mit der politischen Umfrage für die homosexuelle Gemeinschaft stark machen will, leuchtet ein. Dennoch wirkt es befremdend, dass Dating-Apps plötzlich behaupten, junge Menschen für Politik sensibilisieren zu wollen.

Wie mit der Liebe ist es bei Datings-Apps auch mit der Politik das Geschäft, das zählt: Denn Daten bedeuten für Apps Geld – und je mehr Daten sie sammeln, desto mehr profitieren sie. Neben politischen Umfragen schaltet Tinder beispielsweise in den USA auch Werbung – und zwar sowohl für «Amnesty International» wie auch für «Domino's Pizza». Nur um eine politische Sensibilisierung geht es wohl also auch bei den politischen Umfragen kaum.

- Artikel von «Dazed»: Grindr veröffentlicht Umfrage zu US-Wahlen