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Ein Screenshot zeigt den entfernten Blog von Dennis Cooper.
Legende: Als privates Unternehmen kann Google seine Dienste willkürlich einstellen, Inhalte entfernen und löschen. SRF
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Netzwelt Wenn Google 14 Jahre Arbeit löscht

Ein US-Autor betreibt seit 14 Jahren einen Blog auf der Plattform der Google-Tochter Blogger. Vor einigen Wochen entfernte Google den kompletten Blog – ohne Vorwarnung und ohne konkrete Gründe zu nennen. Der Aufschrei war gross: Kann es angehen, dass Google die Kunstfreiheit so einschränkt?

Um was geht's?

Der Amerikaner Dennis Cooper ist Schriftsteller – und hat ein grosses Problem. Seit 2002 betreibt er den Blog «The Weaklings», Link öffnet in einem neuen Fenster, auf dem er Tagebuch führt, Kurzgeschichten oder Essays veröffentlicht, ganze Geschichten nur in Gif-Form erzählt und mit seinen Lesern diskutiert.

Aber: Google hat diesen Blog gelöscht. Ohne Vorwarnung, dafür mit einer automatisierten Benachrichtigung, dass Coopers Blog «gegen die Nutzungsbedingungen» verstosse. Der Autor ist bekannt für seine teilweise expliziten, sexuellen Inhalte. Sein Werk wurde auch schon als pornographisch bezeichnet.

Für Cooper bedeutet die Entfernung seines Blogs: 14 Jahre Arbeit, Ideen, Manuskripte sind weg. Für die Künstlergemeinde, Cooper-Fans und Google-Kritiker bedeutet es: Zensur! Die Empörung ist gross: Google dürfe die Kunstfreiheit nicht einfach so einschränken., Link öffnet in einem neuen Fenster

Warum ist's interessant?

Der Punkt ist: Google darf das. Als privates Unternehmen kann es seine Dienste willkürlich einstellen, Inhalte entfernen und löschen – das ist alles so in den Nutzungsbedingungen festgehalten.

Als Suchmaschine, Kartendienst und Browseranbieter kommt Google zwar als Dienstleister daher, bleibt aber ein privater Anbieter. Benutzt man einen Dienst von Anbietern wie Google, Facebook etc., gelten deren Spielregeln.

Die (einfache) Lösung lautet bei diesem Beispiel: Inhalte immer auch auf einer persönlichen Festplatte abspeichern. Das hätte man auch gerne Dennis Cooper empfohlen: Mach doch hin und wieder ein Backup.

Auf seiner Facebookseite, Link öffnet in einem neuen Fenster hält Dennis Cooper seine Fans über die neusten Entwicklungen über die mögliche Wiederherstellung seines Blogs auf dem Laufenden.

Screenshot

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Wir sprechen über aktuelle Geschichten und Debatten im Internet. Von Montag bis Donnerstag um 17.40 Uhr in der Rubrik «Screenshot» bei Radio SRF 2 Kultur.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann  (ps)
    Es ist relativ einfach fuer SRF mit dem Finger auf Google zu zeigen, obschon man als "Dienstleister der Oeffentlichkeit", besonders bei Kritik am eigenen Unternehmen, sehr schnell zum Schredder greift ... und damit unbequeme Zeitgenossen (wie ps) zum Schweigen bringt.
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      In diesem Artikel wird überhaupt nicht «mit dem Finger auf Google gezeigt», sondern klar festgehalten: Google ist ein privates Unternehmen und darf seine Dienstleistungen nach den eigenen Regeln anbieten.
  • Kommentar von HP Korn  (HaPeChe)
    Ein leider typisches Beispiel für das blinde Vertrauens in die Technologie. Dennis Cooper handelte hier genau so wie Millionen anderer Informatik-Nutzer: Texte, Mails, Adressen, Kalender, Fotos, Filme existieren nur als Unikate auf dem eigenen PC / Handy / Tablet oder in "clouds" auf google, facebook, instagramm & Co. - ohne persönliche Sicherheitskopien an sicheren Orten. Auch früher haben Autoren Roman-Manuskripte unwiederbringlich verloren ... als es noch keine Kopiergeräte gab...
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