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Akademiker wollen weniger um die Welt jetten
Aus nano vom 29.11.2019.
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CO2-Fussabdruck der Forschung Akademiker wollen weniger um die Welt jetten

Wer forscht, fliegt meist viel – etwa zu internationalen Konferenzen. Hochschulen wollen das ändern. Nur: Wie?

Forschende jetten ständig um die Welt. Ob Konferenzbesuch oder Feldarbeit: Reisen gehört zu einer Wissenschaftskarriere dazu.

Entsprechend haben Wissenschaftler einen grossen CO2-Fussabdruck. Laut einer Studie von 2018, Link öffnet in einem neuen Fenster fliegen Akademiker 72 Prozent häufiger als die Durchschnittsbevölkerung. Doch es tut sich etwas: Mehrere Schweizer Hochschulen haben Nachhaltigkeit auf ihre Agenda gesetzt.

Bescheiden, aber realistisch

In einem Rating-Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster gibt die Umweltschutzorganisation WWF keiner von ihnen sehr gute Noten. Immerhin als ambitioniert gilt die ETH Zürich. Seit mehr als zehn Jahren zeichnet sie ihre Emissionen auf.

Dabei zeigt sich, dass Dienstreisen mehr als die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen der ETH ausmachen. Davon gehen 93 Prozent auf das Konto von Flugreisen. Bis 2025 sollen Emissionen durch Flüge daher um 11 Prozent sinken.

Ein bescheidenes Ziel. Dafür realistisch, glaubt Ulrich Weidmann, Vizepräsident für Personal und Ressourcen. Vor zehn Jahren habe die Schulleitung bereits einen Versuch unternommen, den CO2-Ausstoss zu halbieren – und sei krachend gescheitert. Damit diesmal alle mitziehen, durften alle Departemente ihre eigenen Ziele festlegen und selbst entscheiden, wie sie sie umsetzen.

Video statt Konferenz

Schon mit kleinen Veränderungen lässt sich viel erreichen. Manche Organisatoren von Konferenzen sind dazu übergegangen, grosse internationale Treffen durch regionale Veranstaltungen zu ersetzen. Auch Videokonferenzen können helfen, die Entfernung zu überbrücken. Doch längst nicht alle Institutionen sind technisch auf dem gleichen Stand.

Dazu kommt, dass der Druck zu reisen für Forschende gross ist. Der persönliche Austausch und die Vernetzung mit Kolleginnen und Kollegen ist schwer zu ersetzen. Neben Publikationen entscheiden auch Auftritte auf internationalen Konferenzen darüber, wer die Professur oder die Forschungsgelder bekommt.

«Damit sich nachhaltig etwas tut», sagt Weidmann, «wird sich auch die Wissenschaftskultur verändern müssen.» Eine Kultur, in der es für die Karriere wichtig ist, an Symposien auf der ganzen Welt aufzutreten und sich an Kongressen mit Fachkolleginnen und -kollegen zu vernetzen. Doch momentan gibt es keine konkreten Pläne, diesen Reisedruck für Forschende zu verringern – auch nicht an der ETH.

Radikaler Verzicht

Peter Kalmus will nicht darauf warten. Der Klimaforscher aus Los Angeles zog vor ein paar Jahren persönlich Klimabilanz. Seither hat er seine eigenen Emissionen auf zwei Tonnen CO2 pro Jahr reduziert. Das geht nur mit viel Disziplin.

Für Kalmus bedeutet das: Radikaler Verzicht auf Flugreisen. Ein Hindernis für seine Karriere? «Meine wissenschaftliche Karriere geht vielleicht etwas langsamer voran. Aber der grosse Vorteil ist, dass ich mit mir leben kann», sagt er.

Weniger Fliegen, mehr Zeit

Doch der Anfang war nicht leicht. «Vor ein paar Jahren habe ich mich etwas einsam gefühlt mit meiner Entscheidung nicht zu fliegen», so Kalmus. Doch dann merkte er, dass es anderen ähnlich ging – und gründete die Plattform «No Fly Climate Sci», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Hunderte Akademiker wie Nichtakademiker haben sich dort mittlerweile öffentlich vorgenommen, weniger oder gar nicht mehr in die Luft zu gehen. Auf «No Fly Climate Sci» teilen sie ihre Erfahrungen.

Dabei fällt auf: Viele berichten nicht von Verzicht. Sondern von entschleunigtem Reisen, mehr Zeit für die Familie und neuen Lieblingsorten, die sie per Flieger nie entdeckt hätten. Am Boden bleiben hat seine Vorteile – auch für Akademiker.

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