Zum Inhalt springen

Header

Audio
Wissenschaftliche Sicht zu den steigenden Corona-Fallzahlen
Aus Echo der Zeit vom 13.10.2020.
abspielen. Laufzeit 05:26 Minuten.
Inhalt

Corona: Stand der Forschung Aktuelle Corona-Lage: Was wir wissen – und was nicht

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Sommer steigen die Corona-Fallzahlen wieder an. Die Covid-Task-Force des Bundes ist beunruhigt, auch unter Politikern ist eine gewisse Nervosität zu spüren. Was sagt die Forschung? Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel gibt Auskunft.

Ist die Situation heute mit der vom letzten April vergleichbar? Nein, noch nicht. Die jetzigen Fallzahlen sind zwar genauso hoch oder sogar höher aus als Ende März, aber das ist eine Art optische Täuschung.

Im Frühjahr war die Dunkelziffer höher als jetzt, wahrscheinlich hat man vor allem milde Fälle übersehen. Wenn man nur die nackten Zahlen anschaut, dauert es heute scheinbar länger als im Frühjahr, bis sich die steigenden Infektionszahlen in steigenden Hospitalisierungen niederschlagen.

Sprich: Das Virus sieht harmloser aus. Dabei ist lediglich das Bild vom Infektionsgeschehen jetzt genauer, zumindest für die Zeit bis Anfang letzter Woche.

Seitdem ist die Positivitätsrate wieder stark angestiegen. Das ist der Wert, womit abgeschätzt wird, wie gut oder schlecht die Fallzahlen die Situation widergeben. Das spricht dafür, dass das Bild wieder unschärfer wird.

Seit letzter Woche spricht der Bund von einer «zweiten Welle». Warum kommt sie so viel langsamer? Wir bekommen jetzt auch den Teil mit, der im Frühjahr unter dem Radar verlief. Am Anfang einer Welle sieht es immer erst mal langsam und gemächlich aus. Dazu kommt der Jahreszeiteffekt. Im Sommer breiten sich alle respiratorischen Viren langsamer aus.

Auch die ergriffenen Massnahmen – Masken, Abstand, Hygiene und die Vorsicht von vielen – haben einen Effekt auf den Verlauf. Die Krux bei alldem ist, dass es unglaublich schwer ist, genau zu beziffern, wie stark welcher Effekt ist: Es gibt keine Parallelschweiz, in der man das Virus zum Vergleich ganz ohne Massnahmen testweise durchlaufen lassen könnte.

Sind wir in unserem Wissensstand wirklich viel weiter, auch punkto Therapie? Die klinische Therapie war in der Schweiz von Anfang an gut. Die Sterblichkeit im Spital lag bei zehn Prozent – ein sehr guter Wert im internationalen Vergleich.

Man darf deshalb nicht erwarten, dass es jetzt bei allen Schwererkrankten im Herbst viel besser läuft. Bis die Therapien noch einmal spürbar besser werden, etwa durch weitere Medikamente, wird es noch einige Monate dauern.

Ein weiterer Punkt: Die ambulante Therapie verläuft noch fast genauso wie zu Beginn. Das heisst: Man momentan kann nicht darauf hoffen, dass durch eine bessere ambulante Therapie viele Hospitalisierungen verhindert würden.

Müsste man Grossanlässe mit mehr als 1000 Menschen wieder verbieten? Der Schluss liegt nahe, aber es gilt zwei Sachen auseinanderzuhalten. Inzwischen ist sicher, dass Superspreader-Events ausschlaggebend für die Covid-19 Ansteckung sind. Die allermeisten Infizierten stecken gar keinen an. Dafür stecken einzelne, wenn ein paar dumme Zufälle zusammen kommen, sehr viele an.

Grossveranstaltungen mit vielen Menschen müssen aber nicht zwangsläufig zum Risiko werden, wenn man das bisherige Corona-Wissen konsequent nutzt.

Mehr darüber zu wissen, wo in der Schweiz Superspreading stattfindet und wie man es dort verhindert, wäre fast wichtiger, als Grossveranstaltungen pauschal zu verbieten.

Bis wann gilt es durchzuhalten – bis die Impfung da ist? Es klingt so einfach, «bis die Impfung da ist». Es kann aber gut sein, dass ein erster Impfstoff nicht zu 100 Prozent wirkt, die Pandemie also nur bremst, aber nicht zum Halten bringt.

Manche Experten hoffen schon jetzt auf die zweite Generation Impfstoffe, die dann besser wirken würde. Es wird wohl früher greifen, dass die Therapien nochmal ein Stück besser werden.

Sendung: Radio SRF 4 News, Echo der Zeit, 13.10.2002, 18:00 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Iris Fischer  (Seahorse)
    Wenn die Maske der riesen Erfolg wäre, wie es propagiert wird, müssten die Zahlen in den entsprechenden Kantonen sinken, tun sie aber nicht, im Gegenteil. Einige Kantone haben die Pflicht schon länger, Zahlen steigen trotzdem. Maske wurde erst eingeführt, als genug vorhanden waren und die Zahlen sowieso am Sinken waren. Ich sehe auch, wie oft sich die Leute ans Gesicht fassen mit der Maske. Diese dürfte ja dann auch nicht im normalen Müll entsorgt werden, wenn er so ansteckend ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Hegetschweiler  (hansicomment)
    Was mich ärgert ist, dass die SRF als staatlich konzessionierte Anstalt lügenhafte Leser-Kommentare verbreitet, dass es keine Sequenzierung des Genoms des Covid-19 Virus gebe(blanker Unsinn, die vollständigen Genome einzelner Stämme sind im Internet zu finden),dass das Virus nicht gefährlicher als ein normales Grippevirus sei(blanker Unsinn),dass ganzheitliche lebende Menschen ein so gutes Immunsystem haben, dass sie nicht erkranken können (blanker Unsinn) tc. Facebook würde hier einschreiten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      Herr Hegetschweiler,
      Ich finde, dass SRF gut filtert, welche Kommentare publiziert werden können. Zum letzten Punkt: Dass man mit einen guten Immunsystem nicht erkranken könne, habe ich bisher noch in keinem Leserkommentar gelesen. Es ist wenig über dieses Virus bekannt, und dass es da Kontroversen gibt, ist nachvollziehbar. Ich sehe keine Lügen in den Kommentaren, nur unterschiedliche Standpunkte.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
      Ich möchte mir meine Meinung selber bilden als mündiger Bürger und nicht vorgekaut bekommen was wahr ist oder nicht! Darum wäre mir am liebsten, wenn gar nichts "gefiltert" (zensiert) wird!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Patrick Steiner  (vb22)
    Was ich bei der ganzen Diskussion um die Maskentragepflicht einfach noch nicht verstanden habe: Um 18.00 verlasse ich das Zuhause, brauche Maske zu tragen im ÖV oder an der Tankstelle, und wenn ich am Ziel meiner Anreise bin, kann ich die Maske ablegen, da ich mich ja in einer Bar befinde und zusammen mit anderen Gleichgesinnten um ein Bistrotisch stehe mit minimalen Abstand.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Rolf Huber  (RolfHuber)
      Und Sie müssen im Verlaufe des Tages die Maske x-mal anziehen und ablegen, x-mal zurechtzupfen, x-mal diese Hand-Gesichts-Bewegungen, die man eigentlich verhindern wollte. Dazu kommt: zwischen dem Tragen, wer versorgt die Masken schon so sauber, dass sich Innenseite und die möglicherweise kontaminierte Aussenseite nicht berühren? Kurz danach nimmt man die schmutzige Maske zum Einkaufen wieder hervor... Explodierende Fallzahlen in Europa trotz weitreichender Maskenpflicht, kein Wunder.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen