Zum Inhalt springen

Header

Audio
Grossbritannien will Corona-Versuche an Menschen durchführen
Aus Rendez-vous vom 21.10.2020.
abspielen. Laufzeit 03:45 Minuten.
Inhalt

Corona-Versuche an Menschen Dürfen Forscherinnen Freiwillige mit Corona anstecken?

Britische Forscher wollen im Januar damit beginnen, Freiwillige mit dem Corona-Virus anzustecken. So will man schneller einen Impfstoff finden. Doch solche Versuche sind höchst umstritten.

Die britischen Wissenschaftler sind sich bewusst: Ihr Plan ist sehr heikel. Der Forscher Chris Chiu vom Imperial College London sagt: «Wir haben die Vor- und Nachteile über Monate abgewogen. Die Sicherheit der Probanden hat oberste Priorität.»

Probandinnen, die sich freiwillig mit dem Corona-Virus anstecken lassen, müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Sie müssen im Alter von 18 bis 30 sein und dürfen keine bekannten Risikofaktoren für einen schweren Corona-Krankheitsverlauf wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme aufweisen.

Ein kalkuliertes Risiko?

Man gehe ein sehr kalkuliertes Risiko ein, sagt der ebenfalls beteiligte Forscher Robert Reed von der University of Southampton. Der mögliche Gewinn sei gross: «Mit diesen Tests können wir verschiedene Corona-Impfstoffe direkt miteinander vergleichen.» Das sei mit herkömmlichen Studien viel schwieriger.

Dadurch verspricht sich Reed ein höheres Tempo bei der Impfstoff-Entwicklung. Zusätzlich ermöglichten die Ansteckungsstudien wichtige Erkenntnisse darüber, wie das Immunsystem auf das Corona-Virus reagiere.

Das britische Team hat viel Erfahrung damit, Freiwillige mit Viren anzustecken, um mehr über eine Krankheit zu erfahren. Sie haben dies bereits mit Erkältungs- und Grippeviren gemacht.

Und es gibt weltweit einige Menschen, die an solchen Ansteckungsstudien mit Corona-Viren teilnehmen möchten. Das haben sie auf speziellen Internetplattformen kundgetan.

«Ethisch extrem kritisch»

Trotzdem sind viele Forscher gegen solche Versuche. Zum Beispiel der Epidemiologe Marcel Tanner, Mitglied der Corona-Taskforce des Bundes.

Er selbst hat zwar Studien durchgeführt, bei denen Freiwillige mit Malaria angesteckt wurden. Gegen Malaria gebe es aber hochwirksame Medikamente, betont Tanner: «Bei Corona ist das nicht der Fall. Deshalb ist das ethisch extrem kritisch.» Er würde solche Studien nicht durchführen, obwohl es dringend Medikamente und Impfstoffe gegen das Coronavirus brauche.

Video
Aus dem Archiv: Keine Impfstoff-Tests in der Schweiz
Aus Tagesschau vom 02.08.2020.
abspielen

Selbst an gesunden, jungen Probanden seien Menschenversuche zu gewagt. Denn auch sie könnten schwer erkranken, sagt Tanner: «Das kann man nie ausschliessen. Das sind die seltenen Nebenwirkungen, die es geben kann.»

Überwiegen die Risiken oder die Chancen?

Man müsse bei Ansteckungsversuchen mit Menschen die Risiken und Chancen genau abwägen. Im Fall von Corona sei nicht nur das Risiko zu gross, auch die Chancen könnten kleiner sein, als die britischen Forscher hoffen, sagt Marcel Tanner.

Benötigt werden vor allem Erkenntnisse darüber, wie Risikogruppen auf Impfstoffe reagieren. Darum liefere eine Ansteckungsstudie mit jungen Menschen nur begrenzt nützliche Daten. Seine Erfahrungen mit Menschenversuchen bei Malaria zeigten zudem, dass solche Tests nicht schnell seien.

Es ist also fraglich, ob die Menschenversuche bei Corona die Impfstoff-Suche wirklich verkürzen können. Noch müssen Behörden und Ethik-Komitees das gewagte Vorhaben der britischen Forscher bewilligen. Man darf gespannt sein, was diese höher gewichten: die Chancen oder die Risiken.

Sendung: Radio SRF 4 News, Rendez-Vous, 21.10.2020, 12:30 Uhr.;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Nun hat die Menschheit ein VIRUS gepackt, fest im Griff, welches endlich einmal nicht mittels verachtungswürdigen, tierquählerischen "Forschungslabor-Versuchen" zu einem Erfolg für die Menschheit führte! Lebewesen-Gerechtigkeiten = Mensch kann tun und lassen mit sämtlichen andern Lebewesen dieser Welt, was Mensch will (abstruseste Tier-Forschungsversuche, Tierquählerei auch in der industr. LW - Züchtungen, Schnell-Wachstums-Hormon-Fütterungen,.... = der Mensch ist, was der Mensch fr-isst)!?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Spannend, diese Aussage, Frage, welche bei den hunderttausenden von eingesperrten, gequählten "Labor-Tieren", noch NIE gestellt wurde!?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rene Caduff  (Rene Caduff)
    Es werden nur Impfungen und Medikamente helfen. Ethisch ist fraglich wieso die Schweiz nicht mittestet und nur bestellt. Diskustieren gern Forschen nein? Wir können mit Erfolg einen Lockdown machen er wird effektiv sein bevor mir in den Weihnachtsferien oder Skiferien wieder eine Welle haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen