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Retourkutsche Das selbstfahrende Auto kratzt am Lack des Egos

Laut einer Studie des Autoclubs ADAC ist jeder Dritte bereit, die Kontrolle an einen Computer abzugeben. Verkehrspsychologe Marius Köppel über den Verlust der Autonomie.

Ein selbstfahrendes Auto.
Legende: Sobald «geführtes Fahren» in Mode kommt, werde es zur Gewohnheit, sagt der Psychologe. Keystone

SRF: Sind wir bereit die Kontrolle einem autonomen Fahrzeug abzugeben?

Marius Köppel: Fahrkontrollen delegieren wir schon heute teilweise an Sensoren. Totaler Verzicht aufs Selberfahren wird aber vielen Mühe bereiten, kommt doch ein weiteres Stück Autonomie abhanden. Wir verlieren an Selbstbestimmung und die Herrschaft über ein kraftvolles Ding. Wer gern Beifahrer ist, mag es verschmerzen.

Wir verlieren aber auch Übung im Fahren. Das kann die eigene Fahrsicherheit verringern. Das ist wie bei Taschenrechnern, da verlernt man auch ein wenig das Kopfrechnen.

Einbusse an Autonomie ist eine Form von Herabsetzung des Menschen.

Wer wird besonders Mühe haben?

Probleme werden Leute haben, die das Auto und die persönliche Fahrweise als Mittel zur Selbstdarstellung benutzen oder als Statussymbol verstehen.

Legende: Video Würden Sie ein selbstfahrendes Auto nutzen? abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
Aus Kultur vom 20.06.2017.

Ein Teil dieser Leute wird dieses Bedürfnis auf den Kauf und die Vorführung des ‹Selfdrivers› verschieben. Eine Anschaffung, mit der sich auch imponieren und einiges kompensieren lässt.

Wo sehen diese Leute das Problem?

Einbusse an Autonomie ist eine Form von Herabsetzung des Menschen, eine Art von Infantilisierung. Eine Maschine erledigt, was bisher im Ermessen und Handlungsspielraum eines Menschen lag.

Man gibt Macht ab und vertraut sich ganz einem Automaten an. Umgekehrt kann für die eigene Fahrweise, die weiterhin gebraucht wird, dazugelernt werden: Der kluge Lenker vergleicht neugierig und mit Gewinn die eigene Fahrweise mit der automatisierten.

Legende: Video Autonome Autos im Dilemma: Gedankenexperiment "Strassenbahn" abspielen. Laufzeit 02:15 Minuten.
Aus Filosofix vom 22.12.2015.

Werden Sie andere Mittel finden, um die Selbstdarstellung zu kompensieren?

Alles, was in den eigenen Augen scheinbare Selbstvergrösserung bietet und die Illusion fördert, auch von andern bewundert zu werden, mag zur Kompensation geeignet sein.

Allein die Verlagerung des Verkehrs von der Strasse ins Bett taugt weniger dazu, weil das Publikum fehlt. Dann schon eher sportliche Leistung, entsprechendes Aussehen, grosse Reden, Schuhe, Kleider.

Was bräuchte es, damit wir unsere Selbstbestimmung abgeben?

Stets weiter an Selbstbestimmung einzubüssen, ist ein ernstes Übel. Dadurch geht auch die persönliche Verantwortung verloren – eingebaut ins «Programm» kommt sie zuletzt abhanden. Sobald «geführtes Fahren» in Mode kommt, wird es Gewohnheit werden und moderne Fremdbestimmung wird ungewollt zu einer Selbstverständlichkeit.

Sendung: SRF 1, Einstein, 22.06.2017, 22:25 Uhr

Zur Person

Zur Person

Dr. phil. Marius Köppel ist Psychotherapeut und Autor. Seit es in der Schweiz Verkehrstherapie gibt, ist er dabei und arbeitet in Zug mit Klienten, die im Verkehr wiederholt Fehler machten.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Wenn Mensch autonom fahrende Autos erfinden kann, wofür muss man sich denn in ein solch selbständig fahrendes Aoto setzen, wo man doch den Motorfahrzeugverkehr damit massiv bremsen könnte, indem Mann/Frau nämlich, auf Autos verzichten! Der ÖV-Verkehr, sollte mehr ausgebaut, mehr Varianten eingeführt werden - für eine Zukunft ohne Verkehrsstaus und keine weiteren Zubetonierung von wertvollem Agrar-Land!
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Noch sind nicht mal Elektrofahrzeuge Praxisreif, schon wird über selbstfahrende Autos gehypt. Bis die flächendeckend kommen, vergehen sicher noch 15 Jahre. Denn so wie wir aktuell ausgestattet sind, funktionieren die nicht. Ohne elektronische Wegmarken geht da gar nix. Es mag ja toll sein, für eine Trip über 700 Km einfach mal die Hände vom Steuer zu nehmen. Lokal fahre ich dann aber doch lieber selber. Vor allem: ich lasse mir von keinem Marketingstrategen vorschreiben was ich zu benutzen habe
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Grundsätzlich ja richtig, dass Autonomie wichtig ist für den Selbstwert, aber dass jemand das kurbeln am Steuerrad als persönliche Autonomie wahrnimmt, dünkt mich doch extrem vorgestrig. Mit allen Verkehrsregeln und der Verkehrsdichte ist man als Autofahrer heute schon zum Funktionieren degradiert wie eine Maschine. Meine Autonomie ist, dass ich mein Fahrziel bestimme. Und was jetzt der Uber oder Taxifahrer macht, tut später das Auto selber. War die Waschmaschine ein Verlust an Autonomie damals?
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