Blackout (Energie-)unabhängig Leben: zwischen Utopie und Realität

Ohne Strom- und Wasseranschluss leben, und trotzdem nicht auf den Komfort von elektrischem Licht, fliessend Wasser und einem warmem Bett verzichten? Wie das aussehen könnte, dazu gibt es verschiedene Ideen. Drei stellen wir hier vor.

Ecocapsule: klein, aber oho

Rundlicher, weisser Wohncontainer mit Fenster und Windrad auf einer Wiese Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die «Ecocapsule» könnte im «Notfall» auch ans Strom- und Wassernetz angeschlossen werden – falls die dann vorhanden sind. Ecocapsule

Was ist es? Ein mobiles Mini-Haus, das die Bewohner mit Wasser und Strom versorgt – so lautet das Konzept der «Ecocapsule». Der von slowakischen Architekten entworfene Ei-förmige Wohncontainer mit nur 6.3 Quadratmetern Nutzfläche verfügt über eine Mini-Küche mit Herd, Dusche, Kompost-WC – und Platz zum Schlafen, Essen und Arbeiten.

Wie funktioniert's? Energie gewinnt die «Ecocapsule» mit Solarzellen und einer Windturbine, die auch nachts Strom erzeugen kann. Bei Bewölkung und Windstille soll eine Batterie das Häuschen bis zu vier Tage mit Energie versorgen. Die gut isolierte Aussenhülle leitet Regenwasser in einen Tank unter dem «Ei». Eine Serie von Filtern bereitet es zu Trinkwasser auf.

Realität oder Utopie? Im Moment werden erste Einzelstücke produziert. 2018 soll die Massenproduktion der «Ecocapsule» starten – und der Preis von aktuell etwa 85‘000 CHF sinken.

«Earthship»: Strom, Wasser und Nahrung

Grünliches, in den Boden gebautes Haus mit grossen Fensterfront und Solarzellen auf dem Dach Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein «Earthship» in Taos, New Mexico. Die dicken Rück- und Seitenwände werden meist mit alten Pneus gebaut, die man mit Erde füllt. Imago

Was ist es? Das «Earthship» geht einen Schritt weiter in Richtung Unabhängigkeit: Die aus natürlichen und recycelten Materialien gebauten Häuser verfügen nicht nur über eine eigene Strom- und Wasserproduktion. Im integrierten Gewächshaus kann man auch Lebensmittel anbauen.

Wie funktioniert's? Das «Earthship» setzt in erster Linie auf Sonnenenergie. Geheizt wird ohne Strom: Die massiven Wände nehmen die Wärme der Sonne bei Tag auf und geben sie in der Nacht wieder ab. Photovoltaik-Anlagen und Windräder erzeugen Strom. Eine Filteranlage bereitet den auf dem Dach gesammelten Niederschlag auf. Schmutzwasser aus Dusche und Waschbecken wird ein zweites Mal verwendet, etwa für die Klospülung, und dann in der hauseigenen Klärgrube gereinigt.

Realität oder Utopie? «Earthships» existieren – und sie sind nicht einmal neu. Ihr Erfinder, der US-Architekt Michael Reynolds, erstellte in den 1970er Jahren in New Mexico erste Protoypen. Seither wurden hunderte «Erdschiffe» gebaut, die meisten in Amerika. Im nasskalten Klima Nordeuropas gab es zunächst Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel. Kürzlich wurde in Süddeutschland nun aber ein «Earthship» gebaut. Es ist allerdings an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Denn: Selber Regenwasser aufbereiten und Abwasser klären ist in Deutschland verboten.

UFO, das «unbekannte Floss-Objekt»

Zwei runde, schiffähnliche Gebilde mit runder Plattform, in deren Mitte eine Halbkugel mit Fenstern Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Solche UFO-Hausboote, die Energie und Trinkwasser selber produzieren, sind bisher kaum mehr als eine Konzept-Idee. Jet Capsule

Was ist es? Das «Unidentified Floating Object», kurz UFO, ist ein Hausboot der anderen Art: Auf der von einem italienischen Designer entworfenen runden Plattform soll man energie-unabhängig leben und gleichzeitig durch die Weltmeere schippern. Der Wohnbereich in der Mitte besteht aus drei Etagen, eine davon unter Wasser. Angetrieben wird das UFO von zwei Elektromotoren.

Wie funktioniert's? Solarzellen auf der Plattform sollen die benötigte Energie liefern, eventuell ergänzt durch Wasser- und Windturbinen. Damit würden unter anderem die Elektromotoren angetrieben und Meer- oder Regenwasser aufbereitet.

Realität oder Utopie? Das UFO existiert bisher nur in den Köpfen seiner Erfinder. Details zur Funktionsweise fehlen und viel Fragen sind noch offen – zum Beispiel, wie die Konstruktion und seine Bewohner raue See und Stürme überstehen.

Sendung: SRF 1, Einstein, 5.1.17, 21:00 Uhr

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