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Wettrennen ums Internet von oben
Aus Kultur Extras vom 30.08.2017.
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Neue Technologien Internet für alle aus dem All: Der Wettlauf hat begonnen

Internet für jeden Winkel der Erde – diesem ehrgeizigen Ziel jagen derzeit mehrere Firmen nach. Wer den Wettlauf um die beste Technologie gewinnt, dem erschliesst sich ein gigantischer Markt. Die Hürden sind hoch.

Die Ideen klingen abenteuerlich: Solar-Drohnen, die monatelang kreisen, Helium-Ballone in der Stratosphäre, oder Tausende von Mini-Satelliten – aber die ersten Prototypen waren bereits in der Luft.

Beim Rennen ums Internet von oben scheint OneWeb derzeit die Nase vorne zu haben – auch dank Schweizer Innovationen.

OneWeb: startklare Mini-Satelliten

Satellit schwebt über der Erde.
Legende: Massenproduktion statt Massanfertigung: Ruag baut in Florida Satelliten für OneWeb. oneweb , Link öffnet in einem neuen Fenster
  • Wie funktioniert’s? Mehrere Hundert Mini-Satelliten in Kühlschrankgrösse schwirren um die Erde und senden ihr Signal zu einem pizzagrossen Empfänger am Boden. Dieser macht daraus ein lokales WLAN- oder Handy-Datensignal.

    Internet per Satellit gibt es bereits heute. Diese Satelliten sind allerdings 36’000 Kilometer von der Erde entfernt. Das verzögert das Signal massiv. Die kleinen Satelliten von OneWeb sind nur 1100 Kilometer entfernt. Das Signal ist deshalb viel schneller.

  • Wer steckt dahinter? OneWeb, die Firma des ehemaligen Google-Managers Greg Wyler, und der Airbus-Konzern.
  • Aktueller Stand? Derzeit produziert OneWeb die Satelliten. Die Schweizer Firma Ruag hat in Florida eine Fabrik eröffnet, wo sie in Rekordtempo Tragestrukturen für die Satelliten produziert – erstmals in Massenproduktion statt Massanfertigung. Anfang 2018 sollen die ersten Satelliten ins All starten.

SpaceX: Tausende Satelliten geplant

Rakete beim Take-off
Legende: SpaceX schickt Falcon9-Raketen nicht nur für die ISS ins All. 2024 soll das eigene Netzwerk online sein. Keystone
  • Wie funktioniert’s? Ähnlich wie OneWeb – die Satelliten sind aber etwas grösser (wie ein Kleinwagen) und zahlreicher: Über 4000 sollen es bei diesem Projekt werden.
  • Wer steckt dahinter? SpaceX, die Raumfahrt-Firma von Tesla-Gründer Elon Musk.
  • Aktueller Stand? Schon letztes Jahr wurden in den USA Gesuche eingereicht, um das Netzwerk betreiben zu dürfen. Die ersten Satelliten sollen 2019 losgeschickt werden, 2024 soll das gesamte Netzwerk online sein.

Loon: Stratosphären-Ballone ohne Antrieb

Grosser Ballon schwebt über Neuseeland.
Legende: Hoffen auf gute Windströmung: Googles Stratosphären-Ballone können dank Solarzellen monatelang schweben. Keystone
  • Wie funktioniert’s? Mit Helium gefüllte Ballone schweben in 30 Kilometern Höhe in der Stratosphäre und funken die Daten auf den Boden. Die Energie kommt von Solarzellen. Die Ballone benötigen keinen Antrieb und können deshalb monatelang in der Luft bleiben, ohne nachtanken zu müssen. Tückisch ist dafür die Navigation: Weil die Ballone lediglich die Flughöhe ändern können, müssen sie darauf hoffen, rechtzeitig eine gute Windströmung zu finden.
  • Wer steckt dahinter? Google.
  • Aktueller Stand? Verschiedene Testballone wurden schon erfolgreich eingesetzt, zuletzt in Peru. Aktuell scheint das Projekt aber nicht mit höchster Priorität vorangetrieben zu werden.

Aquila: Internet per Drohne

Drohne fliegt über Arizona.
Legende: Die Drohne Aquila verzichtet auf Funk. Die Daten werden per Infrarot-Laser übertragen. Keystone
  • Wie funktioniert’s? Ähnlich wie die Ballone von Google sollen die Drohnen solarbetrieben in der Stratosphäre fliegen. Die Drohne hat die Form eines Bumerangs, die Spannweite eines Linienflugzeugs und wiegt weniger als 500 Kilogramm. Die Daten werden nicht per Funk, sondern per Infrarot-Laser übertragen – das ermöglicht sozusagen Glasfaserqualität ohne Glasfaser. Bei Wolken führt das allerdings noch zu Problemen. Am Boden sorgen Hotspots für die Weiterverbreitung des Signals.
  • Wer steckt dahinter? Facebook. Die Drohne heisst Aquila und ist Teil des Projekts «internet.org», das auch mit anderen Technologien die Netzabdeckung verbessern will.
  • Aktueller Stand? Im letzten Mai hat die Drohne ihren zweiten Testflug erfolgreich absolviert. Der Flug dauerte weniger als zwei Stunden – von der angestrebten Flugzeit von mehreren Monaten ist man noch weit entfernt.

Sendung: SRF 1, Einstein, 31.8.2017, 22.25 Uhr.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Gienger  (Pascal Gienger)
    Satelliten im All... Wenn da nicht der Weltraumschrott am Ende ganz übel mitspielt. Stichwort Space Debris - einen noch gebrauchten Satelliten hats bei so einer Kollision schon in tausende Teile zerfetzt. Der Film "Gravity" thematisierte dies. Ab einer bestimmten Menge von Weltraumschrott wird es unmöglich, Satelliten zu betreiben da eine Kettenreaktion stattfindet da jede Kollision tausende neue Splitterteile erzeugen.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Das kommt ganz bestimmt. Nachdem Kupferkabelnetz und dem Cablcomkabelnetz das immerhin Glasfaser bis zum Haus hatte, kam innert 10 Jahren das Glasfasernetz und in ein paar Jahren können wir diese auch abhängen. Es ist wie eine Leiter. Weniger und kleiner ist mehr. So wird es auch mit unseren Gehirnen geschehen. Heute gibt es schon Hirnstimulationen die dir helfen deine Wahrnehmung signifikant zu steigern. Das Anorganische/technische hilft dem Organischen/Gehirn besser zu werden.
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    1. Antwort von Martin Steffen  (/\o/\)
      @ Rolf Künzi, Winterthur: Aber sicher doch - Technik kann eh alles besser als der Mensch, als die Natur! Im Leben geht es eh nur um Leistung! Technik als Leistungs-Droge, als Doping, später als Ersatz des Menschen, des Lebens, der Natur - denken Sie doch einfach einmal etwas weiter, Herr Künzi! Technikgläubigkeit und Lebensverachtung pur...
  • Kommentar von Andreas Schweingruber  (Liberarum)
    ich hoffe sehr, das die Verantwortlichen für diese Projekte, mögliche Einfüsse auf Mensch und Natur, im Vorfeld genaustens abgeklärt haben.
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