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Klimawandel im Schweizer Wald – Kreativität ist gefragt
Aus Kontext vom 06.12.2020.
abspielen. Laufzeit 17:27 Minuten.
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Klimawandel im Schweizer Wald Manchen Bäumen setzt der Klimawandel schneller zu

Der Klimawandel bringt das Gleichgewicht im Schweizer Wald durcheinander. Es gibt noch viel zu tun, sagen Experten.

«Katastrophen haben unsere Vorfahren 1876 gezwungen, den Wald rigoros zu schützen. Die Schweiz hat den Wald reden gehört, seine Warnungen ernst genommen und mit dem modernen Umweltschutz begonnen.»

Das äusserte der ehemalige Bundespräsident Moritz Leuenberger im Jahr 2001 anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Schweizer Waldgesetzes. Bis heute ist dieses Gesetz in Sachen Nachhaltigkeit eines der strengsten in Europa und dient international als Vorbild.

Wichtige Funktionen für uns Menschen

Dank diesem strengen Waldgesetz, Link öffnet in einem neuen Fenster können die Schweizer Wälder heute alle ihre wichtigen Funktionen für uns Menschen wahrnehmen. Sie kühlen die Landschaft und speichern Co2, sie schützen uns vor Steinschlag und Lawinen.

Ausserdem liefern sie den Rohstoff Holz, bieten Platz zur Erholung und sind Lebensraum von unzähligen Pflanzen- und Tierarten. Und: Sie filtern die Luft und das Trinkwasser.

Das Gleichgewicht ist bedroht

Der Klimawandel droht nun aber, dieses Gleichgewicht im Schweizer Wald durcheinanderzubringen. «Die Klimaerwärmung geht in einem so raschen Tempo voran, dass der Wald von Natur aus nicht nachkommt. Wenn wir also nichts machen, dann werden wir gewisse Waldflächen haben, auf denen nur noch dürre Bäume rumstehen», sagt Felix Lüscher. Er ist Leiter des Forstbetriebes der Oberallmeindkorporation Schwyz. Sie besitzt mit rund 9000 Hektaren die grösste nichtstaatliche Waldfläche der Schweiz.

Klimawandel: Folgen für den Wald

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Die Folgen der Klimaveränderung für den Schweizer Wald sind vielfältig. Eine Auswahl:
  • unangepasste Baumbestände aufgrund geänderter Standortverhältnisse
  • geschwächte Bäume
  • höhere Anfälligkeit auf Schadereignisse wie Sturm oder Käferbefall
  • erhöhtes Produktionsrisiko für Waldeigentümer
  • mangelnde Schutzleistung der Bergwälder - Kompensationsmassnahmen in Milliardenhöhe

Quelle: WaldSchweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster

So hat etwa die Hitze und die Trockenheit der letzten Jahre dafür gesorgt, dass die empfindlichen Fichten und andere Bäume von einer Borkenkäferplage befallen wurden. Die Folge: Notfall-Abholzung der befallenen Bäume, die dann wiederum viel weniger Ertrag auf dem Holzmarkt ergeben.

Blick auf abgestorbene Bäume
Legende: Abgestorbene Fichten nach Borkenkäferbefall im Nationalpark Bayerischer Wald. imago images / imagebroker

Das Bundesamt für Umwelt ist in der Schweiz zuständig für den Wald und hat dieses Problem seit langem erkannt. Vor knapp zehn Jahren wurde deshalb die «Waldpolitik 2020» ins Leben gerufen.

Ziel war es, bis heute die unterschiedlichen Funktionen und Bedürfnisse an den Wald zu verbessern. Vieles ist gelungen, einiges hat aber vor allem in Hinblick auf den Klimawandel noch Verbesserungspotenzial.

Waldpolitik 2020

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Die Waldpolitik 2020 ist eine waldpolitische Absichtserklärung des Bundesrates. Es werden fünf Schwerpunkte gesetzt:

  1. Das Potenzial nachhaltig nutzbaren Holzes wird ausgeschöpft
  2. Klimawandel: Minderung und Anpassung ist sichergestellt
  3. Die Schutzwaldleistung ist gesichert
  4. Die Biodiversität bleibt erhalten und ist gezielt verbessert
  5. Die Waldfläche bleibt erhalten

Ziele noch lange nicht erreicht

Die Ziele in Sachen Biodiversität im Wald seien noch lange nicht erreicht, sagt etwa Urs Tester von der Schweizer Naturschutzorganisation Pro Natura.

Bund und Kantone hatten sich zum Ziel gesetzt, dass man 10 Prozent der Waldfläche als Naturwaldreservate ausscheidet. Effektiv erreicht sind bis heute etwas mehr als 6 Prozent.

«Ein Wald mit einer hohen Biodiversität hat unterschiedliche Bäume, die in diesem Wald wachsen. Wenn das Klima sich ändert, dann gibt es unter dieser Vielfalt eher Bäume, die dieser Veränderung gewachsen sind», sagt Urs Tester.

Blick auf einen grünen Nadelwald
Legende: Gastbaumarten gegen den Klimawandel: Die Douglasie aus Nordamerika kann besser mit den veränderten klimatischen Bedingungen umgehen. imago images / Danita Delimont

Gastbaumarten sollen helfen

Eine Strategie des Bundesamts für Umwelt im Kampf gegen den Klimawandel ist die Pflanzung von sogenannten Gastbaumarten, die besser mit den veränderten klimatischen Bedingungen in Zukunft umgehen können. Zum Beispiel die Douglasie, eine Baumart aus Nordamerika.

Das Problem ist aber, das man diese nur vereinzelt einsetzen kann, da sie sonst das Biodiversitäts-Gleichgewicht durcheinanderbringen.

«Wir bevorzugen natürlich die Arbeit mit heimischen Arten. Gastbaumarten können aber trotzdem eine wichtige Rolle spielen. Wir müssen einfach haargenau schauen, dass wir Arten berücksichtigen, die sich nicht invasiv im Wald verhalten», erklärt Michael Reinhard, Leiter der Abteilung Wald beim Bundesamt für Umwelt.

«Der Wald braucht uns Menschen nicht»

Obwohl es dem Schweizer Wald verglichen mit unseren Nachbarländern gut geht – auch dank unseres strengen Waldgesetzes – gibt es noch zu tun. Und zwar bei allen Waldtypen: dem Wirtschaftswald, dem Schutzwald, dem Naturwaldreservat und dem Erholungswald.

Felix Lüscher von der Oberallmeindkorporation Schwyz nennt diese Aufgabe aufgrund des Klimawandels eine Quadratur des Zirkels. Diese müsse man aber lösen, denn: «Der Wald braucht uns Menschen nicht. Wir Menschen brauchen den Wald aber sehr wohl.»

Kontext, Radio SRF 2 Kultur, 7.12.20, 9.00 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Josef Bruno Zehnder  (Jussi Zehnder)
    Das Problem was niemand anspricht ist die Überbevölkerung des Menschen.
    Wir regulieren den Wildbestand.
    Die Schweiz ist Tatsächlich Überbevölkert aber vom Menschen
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Hermann Roth  (Dr. Wissenschaftler)
    Wer sich eingehender mit den heutigen Problemen der Wälder Mitteleuropas beschäftigen möchte, dem empfehle ich Peter Wohllebens "Das geheime Leben der Bäume." Peter Wohlleben verfolgt den Ansatz, Wälder wieder zu Urwäldern zu machen und sie so maximal gegen viele Gefahren der heutigen Zeit zu schützen. Ein Wald ist nicht eine Ansammlung von Bäumen. Ein Wald ist ein Ökosystem.
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    1. Antwort von Marc Dumont  (Marc Dumont)
      Bitte konsultieren sie dieses Buch nicht. Wohllebens Theorien sind schön anzuhören, weichen jedoch teilweise stark von der Wirklichkeit ab oder sind wissenschaftlich widerlegt. Zudem sind seine Theorien auf deutsche Wälder bezogen, was er in Deutschland als Urwald betrachtet ist in der Schweiz der „Industriestandard“ weil wir einfach strengere Waldgesetze haben. Verstehen sie mich nicht falsch ich finde es gut das Wohlleben Deutschland wachrüttelt, in der Schweiz sind wir aber bereits weiter.
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Das es unseren Wäldern nicht nur gut geht liegt zu einem grossen Teil am Klimawandel, aber auch zu einem nicht zu unterschätzendem Teil auch an der Globalisierung. Denn man importiert lieber viel zu billiges Holz aus dem Ausland und schleppt so zahlreiche neue Krankheiten ein. Man unterbricht also den umweltverträglicheren einheimischen Kreislauf und schädigt unsere Wälder durch eingeschleppte Krankheiten.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Am besten ist es, wenn man die Wälder sich selber überlässt, siehe Nationalpark.