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Manipuliertes Experiment Schweizer Forscher müssen ihre Studie zurückziehen

Laseranlage in einem Labor
Legende: Teure Anlage: Die strittige Studie entstand im Umfeld des Lasers «SwissFEL». Keystone

Wissenschaftler am renommierten Paul Scherrer Institut in Villigen im Kanton Aargau haben getrickst: Sie haben ihre Experimente unzulässig manipuliert. Zu diesem Schluss kommt eine interne Untersuchung, über die das Institut diese Woche informiert hat. Es geht um eine Forschungsgruppe am Super-Laser «SwissFEL» – einer brandneuen, 275 Millionen Franken teuren Anlage, die erst in diesem Jahr ihren Betrieb aufgenommen hat. Der Fall sei aussergewöhnlich, sagt Wissenschaftsredaktor Christian von Burg.

Christian von Burg

Christian von Burg

Wissenschaftsredaktor, SRF

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Christian von Burg ist seit 2017 Wissenschaftsredaktor bei Schweizer Radio SRF. Zuvor war er sieben Jahre als Inlandredaktor von SRF in Bern tätig. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Umweltthemen.

SRF: Was genau haben sich die Forscher zu schulden kommen lassen?

Christian von Burg: Sie haben bei der Fachzeitschrift «Nature Communications» einen Artikel eingereicht, der den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens nicht genügt hat.

Die interne Untersuchungskommission des Paul Scherrer Instituts (PSI) nennt die Kritikpunkte klar beim Namen: Erstens seien die Versuchsanordnungen nicht nachvollziehbar – es seien verschiedene Experimente zusammengeführt worden, die gar nicht zusammengehörten.

Zudem seien die Unsicherheiten, die es bei jedem Experiment gibt, im sogenannten Diskussionsteil der Veröffentlichung nicht ausreichend dargelegt worden. Die Korrespondenz mit den Herausgebern von Nature Communications sei zudem «irreführend» gewesen – ziemlich starker Tobak also.

Wie ist der Fall publik geworden?

Es gab einen Whistleblower. Die Stimmung in dieser Forschungsgruppe muss schon länger schlecht gewesen sein. Der Gruppenleiter und zwei Mitarbeiter wurden im letzten Herbst temporär freigestellt – es gab also einen internen Konflikt.

Einer der Beteiligten, ein Postdoktorand, hat die Leitung des PSI dann auf die Unregelmässigkeiten aufmerksam gemacht. So ist es überhaupt zu dieser Untersuchung gekommen – noch bevor das fragliche Paper in «Nature Communications» publiziert wurde.

Dieser Fall ist speziell, weil die Tricksereien im Umfeld einer sehr teuren Anlage geschehen sind.

Was sind nun die Konsequenzen?

Die Autoren sind verpflichtet worden, ihr Manuskript zurückzuziehen. Und für alle weiteren Publikationen, in denen sie als Autoren des Instituts auftreten möchten, müssen sie vorher eine Bewilligung einholen.

Die Wissenschaftler werden also an die enge Leine genommen. Zudem wurde die entsprechende Forschungsgruppe aufgelöst.

Wie oft kommt es denn vor, dass solche Schummeleien ans Tageslicht kommen?

Das ist nicht Alltag. Aber es gibt jedes Jahr Fälle, in denen Wissenschaftler an Schweizer Hochschulen Publikationen wieder zurückziehen müssen. Der Nationalfonds, der einen beachtlichen Teil der Forschung finanziert, spricht im Schnitt jährlich drei Sanktionen aus.

Dieser Fall ist speziell, weil die Tricksereien im Umfeld einer sehr teuren Anlage geschehen sind. In diese Anlage hat der Bund viel Geld gesteckt. Das ist schlecht für das Image des PSI.

Umgekehrt muss man dem Institut zu Gute halten, dass es reagiert hat, als es von den Unregelmässigkeiten erfuhr. Alle Beteiligten und die Öffentlichkeit wurden informiert. Es läuft noch eine weitere Untersuchung zu den finanziellen Aspekten der Affäre. Sie soll im Spätsommer abgeschlossen werden.

Die Fragen stellte Beatrice Kern.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 17.5.2018, 17:40 Uhr.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Aurel Specker (Auspec)
    Das hört sich ehrlich gesagt gar nicht schlecht für das Image des PSI an. Man weiss das in den Wissenschaft ab und zu geschummelt wird. Je bahnbrechender das Gazit desto eher wurde nachgeholfen. Wenn nun das PSI ein solches Verhalten sanktioniert ist das ein Signal, dass bei Ihnen Schummeln nicht erwünscht ist. Andere Institute machen trotz Skandalen und beweisen nichts.
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  • Kommentar von Johannes Ullrich (felix_hn)
    wenn das in D oder EU passiert wäre, möchte ich nicht wissen, wie dann der Dreck über beide ausgeschüttet worden wäre!
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