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Legende: Audio Wissenschaft und Fiktion: Beat Gloggers Thriller «Zweimaltot» abspielen. Laufzeit 03:59 Minuten.
03:59 min, aus Kultur-Aktualität vom 04.04.2019.
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Science-Thriller «Zweimaltot» Ohne Körper, aber keineswegs kopflos

In seinem Thriller «Zweimaltot» rückt Beat Glogger Maschinen ins Zentrum, die direkt mit dem Gehirn verbunden sind.

Frank Stern heisst der Held in «Zweimaltot». Der berühmte Neurowissenschaftler forscht an den Schnittstellen zwischen menschlichem Gehirn und Maschinen.

Stern hat einen gedankengesteuerten Rollstuhl entwickelt und Armprothesen, die auf Nervenimpulse reagieren. Dann wird Frank Stern Opfer eines Anschlags.

Tina, seine hochtalentierte Doktorandin und Geliebte, findet den Forscher bewusstlos auf. Im Spital fällt Stern ins Koma – in ein sogenanntes Locked-In-Syndrom. Er ist zwar bei Bewusstsein, aber vollkommen gelähmt. Nur seine Augenlider kann er noch bewegen.

Stimme aus Tonschnipseln

Doch Tina kämpft für Frank. Sie entwickelt eine Technik, damit dieser mittels Hirnströmen einen Computer steuern und damit schreiben kann.

Ein realistisches Szenario, erklärt Autor Beat Glogger: «Die Technologie, dass man die Hirnwellen abnimmt und damit einen Cursor steuert oder E-Mails schreibt, diese Technologie existiert.»

Im Roman gibt Glogger seinem Helden Frank Stern so die eigene Stimme zurück: ein Stimmmodul, das aus unzähligen Tonschnipseln seiner Uni-Vorlesungen zusammengesetzt ist.

«Ich bin mein Gehirn»

Theoretisch sei auch das möglich: «Wenn mein iPhone mir einen Text vorlesen kann, ist nicht einzusehen, weshalb ein mittels Hirnwellen diktierter Text nicht auch von einem Stimmmodul ausgegeben werden kann.»

So weit, so realistisch. Dann verlässt die Handlung den Boden der Wissenschaft und wird zur Science-Fiction: Gefangen in seinem gelähmten Körper, versagen Franks Organe.

Doch sein Gehirn lebt isoliert in einem Inkubator weiter. Neuroprothesen übernehmen das Sehen und Hören, Riechen und Fühlen. Frank sagt zu Tina: «Ich bin mein Gehirn.»

Körperlichkeit und Wahrnehmung

Die Realität sei allerdings komplizierter, so Beat Glogger: «In der realen Forschung mit Robotern und Künstlicher Intelligenz zeigt sich, dass die Ausgestaltung des Körpers direkten Einfluss darauf hat, wie wir die Realität wahrnehmen und wie wir denken.» Diese Erkenntnis werde unter dem Begriff «Embodiment» zusammengefasst.

Demnach nimmt ein kleiner Mensch die Welt anders wahr als ein grossgewachsener. Eine schwergewichtige Person bewegt sich nicht gleich wie eine leichtfüssige Person. «Das menschliche Ich lässt sich nicht aufs Gehirn reduzieren. Der Körper gehört zum Ich dazu.»

Faszination Gehirn

Was fasziniert Autor Beat Glogger so sehr am Gehirn? Der Autor sagt, die Hirnforschung sei – nach dem Zeitalter des Gens – die Forschungsdisziplin der Gegenwart.

Buchhinweis

Beat Glogger: «Zweimaltot». Friedrich Reinhardt Verlag, 2019.

Doch Beat Glogger hat auch ein persönliches Interesse: «Das menschliche Gehirn beschäftigt mich seit 24 Jahren extrem, weil ich einen Sohn habe, der einen Hirndefekt hat. Da versucht man natürlich als neugieriger Mensch, Vater und Wissenschaftler dahinterzukommen, was mit diesem Gehirn nicht stimmt.»

Kämpfe und Krämpfe

Er verarbeite in diesem Roman die ambivalenten Gefühle seinem Kind gegenüber: sein Hadern als Vater mit dem Schicksal, die Kämpfe und Krämpfe, die er durchlebt habe und immer noch durchlebe, sagt Beat Glogger.

In der Hirnforschung sieht er durchaus Chancen für seinen Sohn: «Warum nicht hoffen, dass es irgendwann eine Technologie gibt, die ein solches Gehirn fitter macht?», sinniert er. «Schliesslich trage ich selbst ja auch eine Brille gegen meine Kurzsichtigkeit.»

Am Ende aber steht das Buch gerade nicht für die grenzenlose Optimierung. Sondern dafür, Behinderten jenen Raum zu geben, den sie brauchen. Dann, sagt Beat Glogger, wäre auch die Behinderung kein Problem mehr.

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