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Legende: Video nano: Die Reparatur der Erde abspielen. Laufzeit 28:44 Minuten.
Aus Kultur vom 10.05.2019.
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Solar Geoengineering Gegen globale Erwärmung: Ein Sonnenschirm für die Erde?

Letzter Rettungsanker oder waghalsiges Klimaexperiment? Forscher wollen der Erde einen Sonnenschirm verpassen – doch an der Methode scheiden sich die Geister.

Die Zeit drängt. Allein mit dem Einsparen von CO2 ist der Klimawandel kaum mehr aufzuhalten. Deshalb arbeiten Forscher an Methoden, um das Klima aktiv zu manipulieren.

Sie wollen die Erde kühlen. David Keith von der Harvard-Universität ist so einer. Er ist einer der umstrittensten Klimaforscher. Denn seine Methode ist radikal.

Ein Sonnenschirm für die Erde

Keith hält es für denkbar, quasi als letzter Notnagel, der Erde eine Art Sonnenschirm zu verpassen. Solar Geoengineering nennt sich das. Dazu müssten Flugzeuge bis in die Stratosphäre fliegen und in über zehn Kilometern Höhe Schwefelteilchen oder Kalziumkarbonat verteilen.

Daraus bilden sich Staubpartikel, die das Sonnenlicht zurück ins All reflektieren und so die Erderwärmung bremsen. Dass Staub die globale Temperatur beeinflusst, haben Vulkanausbrüche wie der des philippinischen Pinatubo im Jahr 1991 gezeigt. Damals wurde es weltweit um bis zu 0,5 Grad Celsius kälter, berichtet das International Journal of Climatology., Link öffnet in einem neuen Fenster

Ingolf Baur (rechts) im Gespräch mit David Keith von der Harvard University in dessen Forschungslabor.
Legende: Nano-Moderator Ingolf Baur (rechts) im Gespräch mit David Keith von der Harvard University. ZDF / SRF

David Keith sagt es selbst: Die Erde zu kühlen sei eine verrückte Idee – und kein Ersatz dafür, die CO2-Emissionen zu drosseln. Wir könnten Geoengineering aber nutzen, um die Erde langsamer aufheizen zu lassen oder die Erwärmung sogar aufzuhalten, so der Wissenschaftler.

Keith und seine Kollegen haben ausgerechnet, dass Solar Geoengineering die globale Erwärmung um die Hälfte reduzieren könnte und publizierten dies im März 2019, Link öffnet in einem neuen Fenster. «Aber», räumt Keith ein, «vielleicht sind die Modellrechnungen falsch».

Im Labor getestet – der Praxistest steht bevor

Im Rahmen des «Stratospheric Controlled Perturbation Experiment», Link öffnet in einem neuen Fenster SCoPEx, soll die Methode erstmals das Labor verlassen und den Praxistest bestehen – allerdings in sehr kleinem Rahmen. Geht es nach den Harvard-Forschern, wird ein Wetterballon in einer Höhe von etwa 20 Kilometern eine kleine Wolke von Partikeln ablassen und anschliessend Messungen machen.

Das Experiment soll zunächst zeigen, wie sich die Teilchen in der Luft verteilen. Das Klima bliebe davon vorerst unbehelligt.

Nano-Moderator Ingolf Baur auf Island.
Legende: Nano-Moderator Ingolf Baur auf Island. Dass etwas geschehen muss, ist offensichtlich. ZDF / SRF

Doch Umweltaktivisten befürchten, dass solares Geoengineering im grossen Stil Wetter- und Niederschlagsmuster verändern und die Chemie der Stratosphäre ruinieren würde. Einige Studien zeigen, dass manche Erdregionen von diesen Risiken stärker betroffen wären als andere.

Ein Experiment für den Planeten Erde

«Das bedeutet, ein Experiment mit dem gesamten Planeten zu machen», sagt Dru Oja Jay von der Nichtregierungsorganisation ETC Group, «wir haben aber nur einen Planeten.»

Der kanadische Umweltaktivist hält es bereits für gefährlich, die Technik nur zu erforschen. Denn solares Geoengineering wäre relativ günstig und einfach umzusetzen. Was sollte also ein Land davon abhalten, auf eigene Faust einen Sonnenschirm aufzuspannen, ohne Absprachen mit anderen Nationen?

Je mehr solares Geoengineering erforscht wird, desto eher könnten erdölreiche Nationen oder Ölkonzerne die Technik als Ausrede missbrauchen, so Jay. Wenn wir bequem am Thermostaten der Erde drehen können, wozu dann noch die Emissionen verringern?

Trotzdem glaubt David Keith von der Harvard Universität, dass die Methode ein letzter Rettungsanker sein könnte. «Natürlich hat Geoengineering Risiken – aber es nicht zu tun auch».

39 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Eigentlich ist es ja nicht zum Lachen, aber trotzdem kommt mir noch etwas lustiges in den Sinn: Wenn dies realisiert würde, dann würden plötzlich die schlimmsten Albträume der Chemtrail Verschwörungstheoretiker wahr!
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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber  (Nivi)
    Ist diese Idee von Dr. Mabuse oder von Dr. Frankenstein? Wenn die Wissenschaft "Lieber Gott" spielt wird es sehr gefährlich für den Menschen. Die Atombombenversuche in der Atmosphäre haben vermutlich die Ozonschicht schwer und nachhaltig beschädigt. Hingegen ist das Spurengas CO2 völlig ungiftig. Es ist für Pflanzen Tiere und den Menschen überlebenswichtig! Ausserdem ist es das schwerste Molekül der Atmosphäre, sinkt also zu Boden und kann damit gar keinen Treibhauseffekt auslösen.
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Leider sind Sie zu wenig informiert. Da es auf der Erde immer Wind hat und die Luft somit in Bewegung ist, verteilt sich das CO2 gleichmässig in der Luft, auch bis in höhere Schichten. Dies völlig ungeachtet der höheren Dichte dieses Gases. Wenn es zu Boden sinken würde, dann täten alle Lebewesen, die sich in Mulden begeben ersticken, denn diese würden sich dann mit 100% CO2 füllen!
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  • Kommentar von Matthias Rey  (matthiasrey)
    Kommt die Klimaerwärmung wirklich nur vom CO2? Im Buch der Weisheit steht: "Die Schöpfung steigert ihre Kräfte, um die Schuldigen zu bestrafen." Warum kamen die heftigen Unwetter, die es heute in unseren Breitengraden gibt, nicht schon früher in Süditalien vor, wo es schon vor 50 Jahre wärmer war als hier? Vielleicht hat die Verachtung der Gebote Gottes mehr Einfluss auf das Klima als CO2 - und vielleicht ist es gar eine Kombination von vielen Einflüssen?
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Hr. Rey, niemand hat je behauptet, es käme nur vom CO2. Jedoch ist CO2 ein wichtiges Treibhausgas und kommt im Vergleich zu andern Spurengasen recht häufig vor. Man hat sich in der betreffenden Wissenschaft darauf geeinigt, alle andern Treibhausgase entsprechend ihrer Wirksamkeit in CO2 umzurechnen, das ergibt sogenannte CO2-Äquivalente, also Einheiten die eine Treibhaus-Wirkung angeben "wie wenn es CO2 wäre". Die Presse spricht seitdem nur noch vom CO2, eine grobe aber zulässige Vereinfachung.
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