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Hightech-Kameras Superzeitlupe aus der Schweiz

Dank Zeitlupen-Kameras können Tiere besser erforscht werden. Einige Top-Modelle kommen aus der Schweiz.

Legende: Video «Hundesprung in Zeitlupe» abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Vom 12.06.2017.

Roger Baumann hat Zeitlupen-Kameras für die Tierbeobachtung schon in den Amazonas geliefert. «Weil es da extrem feucht ist und die Kameras manchmal sehr lange stehen, mussten wir sie zuerst resistent gegen Schimmel machen», sagt der Produktmanager beim Schweizer Kamerahersteller AOS.

Technik – tauglich für den Amazonas

Normalerweise sind die Platten, auf welchen die Elektronik liegt, aus Papier – genauso wie in unseren Computern. Das Problem: Diese Zellulose-Platten schimmeln im feuchten Klima mit der Zeit. Erst eine Beschichtung machte sie Amazonas-tauglich.

Hautnah an den Tieren

Die Schweizer Hightech-Kameras sind global gefragt. AOS beliefert die Wissenschaft weltweit mit Kameras, die in Superzeitlupe filmen – sogenannte Highspeed-Kameras.

Aber nicht nur schimmelresistente Highspeed-Kameras, auch solche mit Infrarot-Sensoren sind bei Tierforschern gefragt. «Viele Tiere reagieren auf Licht, was die Studien verfälschen würde», sagt Baumann.

Die holländische Universität Wageningen hat beispielsweise dank Schweizer Infrarot-Kameras Zeitlupen-Aufnahmen von Malaria-Moskitos machen können. Die stechen vor allem nachts. Licht bei der Beobachtung würde die Tiere stören. Dank den Infrarot-Kameras konnten die Forscher ohne störendes – da sichtbares – Licht arbeiten.

Eine Malaria-Mücke.
Legende: Auch sie können der Technik nicht davonfliegen: Malaria-Mücken. Keystone

Neue Erkenntnisse zu Moskitos

Die Forscher beobachteten, dass die Moskitos beim Anflug auf ihr Opfer auf deren Gerüche und Wärme reagieren. So schlagen die Wissenschaftler nun vor, dass Fallen für Malaria-Moskitos nicht nur wie üblich mit Gerüchen, sondern auch mit einer Wärmequelle ausgestattet werden.

Da Tiere nicht nur auf Licht, sondern auch auf Geräusche empfindlich reagieren, werden bei den Schweizer Kameras auch die brummenden Lüfter weggelassen.

Haarscharf: Tiere weltweit im Blick

Aktuelle Beispiele für den Einsatz der Schweizer Highspeed-Kameras: Tierforscher in Kanada wollen herausfinden, wie Fledermäuse an der Decke landen und da fressen können.

In England untersuchen Forscher, wie die Tasthaare von Ratten auf verschiedene Gerüche reagieren. Denn die Kameras zeichnen feinste Bewegungen auf – bis 100‘000 Bildern pro Sekunde.

Ein Hund springt nach einem Ball. Die Etappen in Zeitlupe.
Legende: Superslow-Schnappschüsse: Wenn der Hund nach dem Ball schnappt, ist das für Hightech-Kameras kein Problem. Getty Images

Unglaubliche Auflösung

Für die Tierforschung reicht in der Regel aber eine Auflösung von 500 bis 1800 Bildern pro Sekunde.

Den Rekord hält eine Kamera der schwedischen Lund Universität. Fünf Billionen Bilder schiesst diese pro Sekunde. Damit können die Wissenschaftler sogar die Ausbreitung des Lichts filmen.

Die Schweizer Firma AOS entwickelt nicht in diesen Dimensionen. «Wenn man mit Millionen von Bildern pro Sekunde arbeitet, ist man schnell auf dem Radar von Geheimdiensten», sagt Baumann – halb lachend, halb ernst.

Sendung: SRF 1, Einstein, 15.06.2017, 22:25 Uhr.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Baumann (Roger Baumann)
    Sehr geehrter Herr Blatter Da haben Sie natürlich recht, die Zellulose basierenden Prints werden nur noch sehr selten eingesetzt (nicht der Phenolharz Matrix, sondern die FR3 und CEM1 mit Epoxidharz). Auch unsere Kameras basieren auf der neuesten PCB Technologie. Jedoch haben auch die neuen Materialien die Tendenz, Feuchtigkeit aufzunehmen, welche die Eigenschaft des Leiterplatten-Materials wesentlich verändern kann. Freundliche Grüsse Roger Baumann AOS Technologies AG
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    "Normalerweise sind die Platten, auf welchen die Elektronik liegt, aus Papier – genauso wie in unseren Computern." Bitte? Also - ich mag jetzt meinen Hewlett-Packard-PC nicht öffnen, aber ich meine mich ziemlich sicher daran zu erinnern, dass er hochwertige glasfaserverstärkte Epoxidharz-Platinen enthält, nicht diejenigen aus Phenolharz-Hartpapier, die man in billigen Transistorradios der 1960er-Jahre fand. Es würde mich sehr wundern (und enttäuschen), wenn es anders wäre!
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