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Trügerische Statistik Gehen wir Schweizer wirklich sparsam mit Wasser um?

Die Zahlen zum Schweizer Wasserverbrauch sind gut, könnte man meinen. Ein genauer Blick auf die Statistik verrät etwas anderes.

Legende: Video Wir verschwenden viel mehr Wasser als gedacht abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Aus SRF Kultur vom 07.12.2018.

Eigentlich würde die Statistik zum Wasserverbrauch uns Schweizern ja ein hervorragendes Zeugnis ausstellen. Seit den 90er-Jahren sinkt sowohl unser gesamter wie auch unser Pro-Kopf-Verbrauch. Der Hauptgrund: immer effizientere Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder WC-Spülungen.

Alles im Trockenen also? Leider nein. Wir sind, verglichen mit anderen europäischen Ländern, noch immer Vielverbraucher.

Dass unser Gesamtverbrauch trotz steigender Bevölkerungszahl ständig kleiner wird, hat nicht mit Sparsamkeit zu tun. Sondern damit, dass wasserintensive Industriezweige von der Schweiz ins Ausland verlagert werden. Und damit auch unser Wasserverbrauch.

Eine Jeans? 11’000 Liter

So leisten wir uns einen enormen Wasserverbrauch, der nicht in die nationalen Verbrauchsstatistiken einfliesst. Denn das Wasser, das für die Herstellung unserer importierten Güter verbraucht wird, wird in dieser Statistik nicht berücksichtigt.

Macht man die ganze Rechnung für die Schweiz, kommen zu den verbrauchten 163 Litern pro Kopf rund 4200 weitere Liter hinzu. Und das pro Tag. So werden zur Herstellung eines Autos rund 400’000 Liter Wasser verbraucht. In einem Computer stecken 20’000 Liter, in einer Jeans 11’000 Liter, in einem Hamburger 2400 Liter.

Kühe auf einem ausgetrockneten Feld.
Legende: Was tun gegen den hohen Wasserverbrauch? Weniger konsumieren. Keystone / Jean-Christophe Bott

Knappes Wasser abzapfen

Die Fachwelt spricht vom sogenannten virtuellen Wasserverbrauch. Zwei Drittel der 4200 Liter fallen auf die Nahrungsmittelproduktion, ein Drittel auf die Produktion von Konsumgütern. Die Probleme des enormen zusätzlichen Verbrauchs: Oft wird dieses Wasser in Weltgegenden abgezapft, in denen das Wasser schon knapp ist.

Etwa für die Gemüseproduktion in Spanien, wo unterdessen ganzen Landstrichen die Verwüstung droht. Oder das Wasser wird in Ländern verbraucht, wo die Umweltvorschriften lasch sind und Fabriken das giftige Abwasser in Gewässern entsorgen, gar nicht oder nur ungenügend gereinigt.

Je weniger, desto schonender

Was tun gegen den hohen Wasserverbrauch? Saisonale und einheimische Nahrungsmittel einkaufen, statt importierte Produkte. Und sich beim Weihnachtsshopping zurückhalten. Kaum etwas, das wir kaufen, hat kein Wasser zur Herstellung benötigt.

Je weniger wir konsumieren, umso schonender ist das auch für die Ressource Wasser. Noch gibt es zwar keine Zahlen zur Entwicklung unseres Verbrauchs von virtuellem Wasser. Aber Experten gehen davon aus, dass dieser stetig zunehmend sein dürfte.

20 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Ohne Wasser kann der Mensch nicht leben. Egal ob als Baustoff für unsere Zellen oder als Transportmittel für die Blutkörperchen, Wasser hat viele ganz wichtige Aufgaben in unserem Organismus, und unser Körper besteht zu mehr als der Hälfte aus Wasser.Aber auch für Tiere und Pflanzen ist Wasser wichtig.Wasser ist Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere und dabei so vielfältig und unterschiedlich wie seine Bewohner selbst:Vom winzigen Plankton bis zum tonnenschweren Blauwal. Tragen wir Sorge dazu
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Die Schweiz und die Verschwendungssucht! Dazu gehört das Wasser an 1. Stelle. Trinkwasser-Verschwendung-Missbrauch für: waschen, Waschanlagen: Autos, Lastwagen, Traktoren, Landmaschinen, einfach für sämtliche Motorfahrzeuge - Industrien - Gewerbe -Privat-Haushalte - Landwirtschaft, öffentliche Reinigung von Strassen, Gehwegen, Gebäudereinigungen, etc, etc...! Jede/r BürgerIn, muss bei sich und dem eigenen Konsum und Verbrauch von Wasser mit der Überprüfung/Sparsamkeit beginnen!
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    1. Antwort von Bendicht Mühlethaler (Rhenus)
      Nein, eben nicht. Wenigstens nicht in erster Linie. Wie im Bericht ausgeführt, ist der Wasserverbrauch in der Schweiz selber rückläufig. Der Mehrverbrauch, den wir verursachen, entsteht bei der Herstellung von Produkten, die wir importieren. Durch weniger Reinigung im Schmutz versinken, das kann es ja nicht sein, und wie gesagt, ist das auch nicht nötig.
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  • Kommentar von Bruno Schmid (BSchmid)
    Für mich ist diese Nachricht absolut irreführend. Wird das Wasser zerstört wenn es z.B. für die Herstellung von Lebensmittel verwendet wird? Würde man den "Wasserverbrauch" für den Regenwald berechnen, käme man mit dieser Logik umgehend zum Schluss das er abgeholzt werden muss.
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    1. Antwort von Bendicht Mühlethaler (Rhenus)
      Der Regenwald wird durch den Regen mit Wasser versorgt. Für die Produktion von Gemüse in Spanien und von Mandeln in Kalifornien muss Grundwasser hochgepumpt werden. Oft ist dabei keine Tröpfchenbewässerung installiert, so dass ein hoher Anteil verdunstet, bevor das Wasser die Pflanzen erreicht. Auch diese selber verdunsten Flüssigkeit. Durch die Absenkung des Grundwassers versiegen bestehende Brunnen, die Umgebung der Plantagen trocknet aus und führt lokal zu einer zusätzlichen Erwärmung.
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