Zum Inhalt springen
Inhalt

UNO-Klimakonferenz Ist unser Klima nur noch mit neuen Technologien zu retten?

Der Klimaschutz verläuft zu langsam. Um die festgelegten Ziele zu erreichen, sind wir auf neue Technologien angewiesen, die das CO2 aus der Luft holen.

Legende: Video CO2 aus der Luft saugen: Die Rettung für das Klima? abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
Aus SRF Kultur vom 12.12.2018.

«Da drinnen wird über magische Maschinen geredet, die es gar nicht gibt», sagt Greta Thunberg. Die 15-jährige Schwedin steht vor einigen 100 Demonstrantinnen und Demonstranten und spricht über das, was sie auf der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz erlebt hat.

Thunberg ist in den letzten Monaten in Ökokreisen berühmt geworden, weil sie fürs Klima immer wieder in den Schulstreik tritt.

Ein Mädchen mit Zöpfen hält ein Plakat in den Händen. Darauf steht «Schulstreik fürs Klima».
Legende: «Warum für die Zukunft lernen, wenn die Zukunft gefährdet ist?», sagt Greta Thunberg und tritt in einen Schulstreik. Keystone / HANNA FRANZEN

Gretas Befürchtungen über die «Maschinen, die es nicht gibt» haben einen realen Hintergrund. Ohne neue Technologien, die Treibhausgase aus der Luft holen, wird die Klimaerwärmung nicht mehr schnell genug zu bremsen sein, sagt der Klimaforscher Jan Minx.

«Das ist eine riesige Herausforderung und wir sind spät dran», sagt er. «Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns zu beeilen.» Beeilen mit der Erforschung der Technologien von morgen, um die Sünden von heute auszubügeln.

Wie schwierig das werden könnte, zeigt die sogenannte CCS-Technologie. Sie soll bei Kohle- oder Gaskraftwerken das CO2 schon im Abgasstrom abfangen. Dieses CO2 würde dann in den Untergrund gepresst und gespeichert.

Was ist CCS und BECCS?

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

CCS steht für carbon dioxide capture and storage (CO2-Abschneidung und -Speicherung). Dabei wird in einem Kohle- oder Gaskraftwerk das schädliche CO2 aus den Abgasen abgespaltet und im Untergrund gespeichert.

Beim BECCS (bioenergy with carbon capture and storage, Bionergie mit CCS) werden Bäume, die CO2 aus der Luft aufgenommen haben, in einem Kraftwerk verbrannt. Mit CCS wird das CO2 dann gepresst und gespeichert. So wird also CO2 aus der Luft nachhaltig gespeichert.

Hohe Kosten, mögliche Risiken

Polen, Gastgeber der Klimakonferenz, würde sehr gerne auf CCS setzen, weil das Land viele Kohlekraftwerke besitzt, sagt der polnische Professor Krzysztof Stańczyk.

«Es gab bereits Versuche, aber die Bevölkerung rund um die Testanlage hat sich gewehrt», erklärt er. «Die Leute haben befürchtet, dass das eingelagerte CO2 aus dem Boden lecken würde. Die Tests mussten gestoppt werden.»

Demonstrierende halten Plakate hoch vor einem Gebäude.
Legende: Demonstranten vor dem Gebäude in Kattowitz, wo die Klimakonferenz tagt: Sie wollen den Verhandlern Beine machen. Keystone

Das sind nicht die einzigen Probleme, die CCS mit sich bringt. Ein grosses Kraftwerk produziere so viel CO2, dass die Industrie bisher keine ausreichend grosse CCS-Anlagen bauen konnte, sagt Stańczyk. «Ein Grund dafür sind die hohen Kosten.»

Noch lange nicht einsatzbereit

Die ersehnte CCS-Technologie ist also noch lange nicht einsatzbereit. Trotzdem soll sie in Zukunft nicht nur Kraftwerke sauberer machen. Sie ist auch das Kernstück für ein Verfahren, um CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen.

Dazu verbrennt man Bäume in einem Elektrizitätswerk, das mit CCS ausgerüstet ist.

Das CO2, das die Bäume aus der Luft aufgenommen hatten, wird dank CCS im Boden gespeichert.

Mit Hochdruck erforscht

Unglücklicherweise könnte dieses so genannte BECCS-Verfahren enorme Nachteile haben. «Die grössten Risiken sind die, die mit der grossflächigen Landnutzung verbunden sind. Das muss man ernst nehmen», sagt Klimaforscher Minx.

Für das BECCS-Verfahren müsste man riesige Waldplantagen pflanzen. Schätzungen gehen von der Fläche Australiens aus. Das würde die Landwirtschaft und damit die Produktion von Nahrungsmitteln stark konkurrenzieren.

Trotzdem müsse die BECCS-Technik nun mit Hochdruck erforscht werden. «Wenn die Technologien um das Jahr 2050 im grossen Umfang verfügbar sein sollen, dann sind wir sehr spät dran», sagt Minx.

Zwei Ziele anstreben

Kritiker dieser technologischen Ansätze befürchten, dass die Forschungsoffensive dazu führt, dass alle Länder noch weniger Treibhausgase reduzieren als bisher, weil sie lieber auf die BECCS-Technik setzen.

Doch für solche Bedenken sei es zu spät, sagt Minx. «Es braucht beides: stärkere CO2-Reduktionsmassnahmen und die neuen Technologien.»

Ambitionierter Klimaschutz und die Entwicklung dieser Technologie dürften kein Widerspruch sein. «Wenn das ein Widerspruch ist, dann bin ich extrem pessimistisch, dass wir irgendeine Chance haben, das 1,5- oder das 2-Grad-Ziel zu erreichen», so Minx.

Der mutigen Schulstreikerin Greta Thunberg wird das nicht gefallen, aber wir werden wohl auf die magischen Maschinen setzen müssen.

41 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Walter Balmer (WalBal)
    Im Verlauf des 19. Jahrhundert hat die Wissenschaft die Weichen für unsere umweltverschmutzenden Technologien gelegt. Obwohl uns die Sonne das 10.000 Fache des Weltenergiebedarfes auf die Erde liefert, hat sich unsere Technik dank einem Irrglauben (Perpetuum Mobile der 2. Art) in eine falsche Richtung entwickelt. Mit dem heutigen Wissen ist es möglich, Umgebungswärme autonom in eine technische Energieform umzuwandeln. Dies wäre die Lösung des Energieproblems, aber wer will das schon?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Theodor Egger (Thed)
    https://www.youtube.com/watch?v=aJfV_aMaqRM Viel spass beim Schauen. Leute, das ist kein spiel, es gibt sichen, die man nicht rückgängig machen kann. Jetzt wären drastische Massnahmen notwendig. Weniger Menschen (Geburten), Staatliche Regulation von Emissionen (verzicht auf alles, was nicht notwendig ist) und ja, auch neue Bäume. Gleichzeitig kann man an ausgewählten Projekten wie Kernfusion weiterarbeiten. leider unmöglich -> keine hoffnung
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Zivilisierte Menschen mit gesundem Menschenverstand sehen immer deutlicher, dass dies nicht war ist. Nein, das ist reine Werbung für die IT-Betriebe. Die brauchen wir zwar auch, aber wir können die Erde nur retten wenn es weniger Menschen auf dieser Welt gibt.Dass immer mehr Menschen immer mehr brauchen +immer mehr "Dreck" hinterlassen ist doch klar. +wir brauchen viel mehr Bäume +grüne Landschaften. Alles andere ist Augenwischerei. Leider sagen die Pessimisten es sei zu spät Bäume zu pflanzen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      M. Roe. Auf Problematik, dass die Weltbevölkerung täglich um 250'000 Menschen wächst habe ich auch schon oft hingewiesen, aber meistens nur viele Dis Likes erhalten. Es gibt zu viele Menschen die Glauben, dass wenn wir nicht Fliegen, nicht mehr Auto fahren, kein Fleisch mehr essen und die Oelheizungen abstellen könnte die Menschheit bis ins Unendliche weiter wachsen. Schöner Irrtum!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Samuel Nogler (semi-arid)
      Gegen diesen Irrtum muss einmal mehr erwidert werden. Es gibt ein Vielfaches mehr Regenwürmer als Menschen, zum Glück, denn es braucht sie. Was es nun bräuchte sind Menschen, die ihre Position in der Schöpfungsordnung einnehmen (Erde bebauen und bewahren), je mehr davon, desto besser. Aber Menschen, die 'Ausbeuten und Zerstören' gibt es in der Tat zu viele. Als Beispiel: 10'000 Reiche richten mehr Schaden an, als die über 2 Milliarden Kleinbauern.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Um die Klimaziele zu erreichen muss die Menschheit abnehmen, aber gleichzeitig müssen wir sauberer werden. Genau dies wollen Despoten wie Trump nicht:-(
      Ablehnen den Kommentar ablehnen