Oldtimer als Verkehrshindernis Wie sieht die Autobahn der Zukunft aus?

Ältere Fahrzeuge werden immer mehr zu einem Verkehrshindernis für neue, autonome Fahrzeuge. Ein Wi-Fi-Netzwerk soll helfen.

Ein Bild der Schweizer Autonahn A1 nähe von Regensdorf im Winter. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Werden in 15 Jahren viele Fahrzeuge autonom unterwegs sein? Ein Forschungsprojekt der ETH Lausanne geht davon aus. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ältere Fahrzeuge können mit neuen nicht mehr mithalten und werden immer mehr zu einem Verkehrshindernis.
  • Das Zauberwort der Zukunft heisst: Vernetzung. Fahrzeuge sollen drahtlos miteinander kommunizieren.
  • Mit vernetzten Autos kann der Verkehrsfluss und die Sicherheit verbessert werden – besonders auf der Autobahn.

SRF: Die ETH Lausanne hat ein neues Projekt vorgestellt. Wie lange wird es demnach dauern, bis neue und alte Autos gleichzeitig auf der Strasse fahren?

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Zur Person

Daniel Theis ist Wissenschaftsredaktor bei Radio SRF 2 Kultur.

Daniel Theis: Viele Autobauer entwickeln mittlerweile autonome Fahrzeuge, solche, bei denen der Fahrer gar nichts mehr machen muss. Das Forschungsprojekt der ETH Lausanne, zusammen mit Partnern aus der EU, ist sehr optimistisch, was den Zeitrahmen angeht. Sie rechnen damit, dass in nur 15 Jahren bereits viele Fahrzeuge autonom unterwegs sein werden.

Ich vermute, das dauert noch deutlich länger. Trotzdem: Neue Technologie wird neben der alten Technologie gleichzeitig auf der Strasse fahren.

Ist das nicht heute schon so?

Das ist richtig – zum Beispiel beschleunigen und bremsen neue Fahrzeuge deutlich zackiger als ältere, die noch keinerlei elektronische Assistenzsysteme haben. Das merkt man dann auch auf der Strasse.

Dieser Gegensatz wird sich aber enorm zuspitzen in Zukunft. Ältere Fahrzeuge können mit neuen nicht mehr mithalten und werden so immer mehr zum Verkehrshindernis.

«  Die Fahrzeuge sollen miteinander kommunizieren, drahtlos, über eine Art Wi-Fi-Schnittstelle. »

Was kann denn das Projekt der ETH Lausanne zur Lösung dieses Problems beitragen?

Die Forschenden haben untersucht, inwiefern man ältere Fahrzeuge nachrüsten kann. Das Zauberwort für die Zukunft heisst: Vernetzung. Die Fahrzeuge sollen miteinander kommunizieren, drahtlos, über eine Art Wi-Fi-Schnittstelle.

Dabei müsste man ältere Fahrzeuge nachrüsten mit Sensoren, welche die Umgebung erfassen. Die Information muss dann per Wi-Fi an die anderen Fahrzeuge in der näheren Umgebung weitergegeben werden. Zudem braucht es ein System, das dem herkömmlichen Fahrer Anweisungen gibt.

Das klingt aufwendig. Ist das wirklich realistisch, alte Fahrzeuge nachzurüsten?

Das kommt auf die Verkehrssituation an. Die Forschenden der ETH Lausanne haben vor allem den Verkehr auf der Autobahn angeschaut. Dort sind solche Systeme am sinnvollsten: Mit vernetzten Autos kann der Verkehrsfluss und die Sicherheit verbessert werden. Gerade bei heiklen Bereichen auf der Autobahn, zum Beispiel bei Einfahrten.

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Und sie haben jetzt in Experimenten gezeigt, dass auch ein altes Fahrzeug da, ich sag jetzt mal, «mitmachen» kann, wenn es die entsprechenden Sensoren hat. Es kann sich dann auch mit den neuen Autos vernetzen.

Machbar scheint es also, so zeigen es die Forscher – doch ist das überhaupt sinnvoll, alte Autos so nachzurüsten?

Es ist denkbar, dass alte Fahrzeuge irgendwann verboten werden auf Autobahnen. Oder es gibt eigene Fahrspuren, auf denen nur Fahrzeuge mit neuer Technologie fahren dürfen. Will man nämlich die neue Technologie richtig ausnützen, geht das nur, wenn alle Fahrzeuge mitmachen. Rüstet man sein altes Fahrzeug mit Sensoren und Sendern nach, könnte man weiterhin auf der Autobahn fahren, auch mit einem Oldtimer.

Das ist auch das was ich spannend finde an dem Forschungsprojekt: Es zeigt eine mögliche Zukunft auf. Wie es dann wirklich kommt… abwarten.

Sendung: Radio SRF 4 News, Heute Morgen, 31.1.2017, 6:25 Uhr.