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Astronomie Jahrhundert-Mondfinsternis

Kupferbrauner Mond.
Legende: Mondfinsternis aufgenommen am 28. September 2015 in der Sternwarte Bülach/ZH. Thomas Baer

Nicht bei jedem Vollmond ereignet sich eine Mondfinsternis. Weil die Mondbahn gegenüber der Erdumlaufbahn um 5 Grad gekippt ist, läuft der Trabant normalerweise nördlich oder südlich am Erdschatten vorbei, ohne sich zu verfinstern. Am Freitag, 27. Juli 2018 sind die geometrischen Bedingungen aber perfekt. Sonne, Erde und Mond kommen exakt auf eine Linie zu stehen, so dass der Vollmond praktisch durch die Mitte des Kernschattens wandert. Ausserdem passiert der Mond nur gut 15 Stunden vor der Finsternis seinen erdfernsten Punkt, was ihn kleiner als sonst erscheinen und langsam auf seiner Bahn wandern lässt. So kommt es, dass wir in den Abendstunden nach Mondaufgang die längste totale Mondfinsternis des gesamten Jahrhunderts erleben werden.

Graphik mit Sonne, Erde und Mond zeigt, wie die Monfinsternis zustande kommt.
Legende: So spielt sich die totale Mondfinsternis am 27. Juli 2018 am Schweizer Himmel ab. Thomas Baer

Ab Mondaufgang sichtbar

Die Sonne geht am Freitag, 27. Juli in Zürich um 21:07 Uhr unter, der bereits partiell verfinsterte Mond schneidet um 20:58 Uhr genau in der Gegenrichtung, also im Südosten, die Horizontlinie. Je nach Beobachtungsstandort – empfohlen sind Aussichtspunkte mit freier Sicht nach Südosten und Süden – kann es etwas länger dauern, bis der angeknabberte Vollmond hinter den Hügeln aufgeht. Etwas problematischer ist es inneralpin. Hier können Berggipfel den Mondaufgang noch länger verzögern. Mit etwas Glück kann man aber gerade noch sehen, wie das letzte direkte Sonnenlicht auf der Mondscheibe oben rechts zurückweicht, denn schon um 21:30 Uhr beginnt die totale Finsternis.

Kupferbrauner Mond

Der Himmel ist zu diesem Zeitpunkt noch hell. In östlicher Richtung erhebt sich lilafarben aber bereits der in die Erdatmosphäre projizierte Erdschatten. Die komplett verfinsterte Mondscheibe dürfte je nach Klarheit der Luft anfänglich nur noch schemenhaft zu sehen sein, in einem sanften kupferbraunen bis rötlichen Licht. Dass der Mond während seiner totalen Verfinsterung nicht gänzlich verschwindet, hat mit dem in der Erdatmosphäre gebrochenen und gestreuten Sonnenlicht zu tun. Vor allem der langwellige Anteil - orange und Rot - gelangt am besten durch die Troposphäre und wird auf seinem Weg in den dunklen Kernschatten der Erde abgelenkt. Der Schattenkegel wird in Monddistanz sanft in den irdischen Dämmerungsfarben ausgeleuchtet.

Höhepunkt um 22:22 Uhr

Den Höhepunkt der Mondfinsternis verzeichnen die Astronomen um 22:22 Uhr. Jetzt steht der Mond bereits über 10 Grad über dem Südosthorizont - bald beginnt die astronomische Dämmerung. Der Anblick wird unvergesslich sein, denn nur gut 5 Grad unterhalb der dunkelroten Mondscheibe strahlt unübersehbar hell der Planet Mars. Der Zufall will es, dass unser äusserer Nachbarplanet gleichentags in Opposition zur Sonne steht, sprich, auch er mit Sonne und Erde eine Linie bildet. Ausserdem kommt uns der rote Planet bis auf 57,6 Millionen Kilometer nahe. So eng war das «Überholmanöver» letztmals 2003. Nach Venus ist Mars in dieser Nacht das hellste Objekt am Nachthimmel, sicher auch deutlich heller als der finstere Mond.

Totale Finsternis dauert 1 Stunde und 43 Minuten

Die zweite Hälfte der Totalität lässt sich am inzwischen dunklen Nachthimmel perfekt beobachten, sofern keine Wolken die Sicht trüben. Um 23:13 Uhr endet die totale Finsternis. Langsam schiebt sich der Mond wieder ins direkte Sonnenlicht. Eine helle Lichtsichel beginnt jetzt immer kräftiger zu leuchten. Auf einmal sind auch wieder Schatten in der Umgebung erkennbar. Bis 00:19 Uhr zieht sich der Kernschatten mehr und mehr von der Mondscheibe zurück und bald sieht unser Nachbar im All wieder wie ein ganz gewöhnlicher Vollmond aus.