Das Wetter im Jahr 2016: Sehr nass und doch viel zu warm

Weltweit gesehen war das Jahr 2016 das wärmste seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. In der Schweiz lag die Temperatur zwar auch 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel, Rekorde wie in den Vorjahren gab es aber nicht. Dazu war es einfach viel zu nass.

Die globale Erwärmung ist momentan wohl das Umweltthema Nummer 1. Kein Wunder: Global gesehen war 2016 das wärmste Jahr seit Messbeginn und übertraf nochmals den bisherigen Rekord aus dem Vorjahr. In der Schweiz wurde hingegen 2016 kein neuer Temperaturrekord verzeichnet. Nach den Rekordtemperaturen in den Jahren 2014 und 2015 mit einem Wärmeüberschuss von rund 2 Grad, war es 2016 zwar immer noch zu warm, allerdings „nur noch“ rund 1,5 Grad. Im Rhonetal betrug 2016 der Wärmeüberschuss immer noch rund 2 Grad, dies immer im Vergleich zur klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990.

Badende am Thunersee am 23. August. Im Hintergrund die Berner Alpen unter wolkenlosem Himmel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Sommer kam erst Ende August Ende August und im September wurden wir mit Sommerwetter verwöhnt. Werner Krebs

Mässige Sommerhitze

In diesem Jahr wurde der Wert von 35 Grad nur einmal übertroffen und zwar am 23. Juni mit 35,3 Grad in Visp. So tief lag der Jahreshöchstwert in der Schweiz seit 2008 nie mehr. Damals wurden in Chur 33,6 Grad als Jahreshöchsttemperatur gemessen. Ausser in Visp wurden in diesem Jahr die 35 Grad in der Schweiz nicht erreicht. Am nächsten kamen noch Sitten mit 34,8 Grad und Basel mit 34,6 Grad. Diese Werte wurden am 20. Juli verzeichnet. Auch in den grossen Städten hielt sich die Hitze in engen Grenzen. Genf meldete einen Jahreshöchstwert von 33,5 Grad, in Zürich gab es 32,3 Grad und in Bern sowie in Luzern wurden maximal 32,2 Grad gemessen. Im Tessin gab es ebenfalls keine extremen Hitzewerte. Dort lag die Maximaltemperatur bei 32,1 Grad, gemessen in Chiasso am 9. Juli.

Tief verschneite Strassen in Giubiasco. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der grosse Schnee Im Süden kam der grosse Schnee erst im Frühling: Schneechaos am 5. März im Tessin. Adriana Coupek

Im Winter auch nicht richtig kalt

Temperaturmässig war 2016 eigentlich bescheidenes Mittelmass, denn auch auf der anderen Seite der Skala gab es keine Extremwerte. Die tiefste offiziell in der Schweiz gemessene Temperatur wurde auf der Messstation Buffalora am Ofenpass registriert. Am 18. Januar zeigte dort das Thermometer einen Jahrestiefstwert von -29,5 Grad. Damit lag Buffalora noch 0,2 Grad tiefer als La Brèvine, das Sibirien der Schweiz, mit -29,3 Grad. Generell war der 18. Januar der kälteste Tag des Jahres. In Aarau gab es am 18. Januar den einzigen Eistag des ganzen Winters 2015/2016, und im thurgauischen Aadorf zeigte das Thermometer einen Wert von -15,2 Grad, in Koppigen im Bernbiet gab es sogar -16,0 Grad. Das war die tiefste Mittellandtemperatur des Winters 2015/16.

Luftaufnahme von überschwemmten Feldern in der Gegend von Maschwanden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Viel Regen Mitte Mai standen Felder im Raum Maschwanden unter Wasser. Hans Jürg Baum

Nasse Partie

War im Vorjahr noch Trockenheit das grosse Thema, war es 2016 an den meisten Orten deutlich zu nass. In Zürich gab es letztmals 2001 mehr Niederschlag. In St. Gallen gingen bis heute rund 1500 Millimeter Niederschlag nieder. Normal wären 1250 Millimeter. Das bedeutet, dass es in St. Gallen seit Jahresbeginn rund 20 Prozent mehr Niederschlag gab als üblich. In Basel gab es sogar knapp 30 Prozent mehr Regen als sonst. Dies sind gegenüber dem sehr trockenen Vorjahr rund 350 Millimeter mehr Regen. Für den Niederschlagsüberschuss war vor allem die sehr nasse erste Jahreshälfte verantwortlich. Zeitweise bewegte man sich damals im Bereich der Rekorde. Keine Rekorde gab es im Süden. In Locarno liegt man mit knapp 1700 Millimetern ganz nahe am Durchschnittswert. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Gesamtniederschlagsmengen in der Sonnenstube der Schweiz generell grösser sind als im Norden.

Dienst nach Vorschrift

Die Sonnenscheindauer lag an vielen Orten ziemlich genau im Durchschnitt. In Locarno zeigte sich die Sonne bis jetzt 2070 Stunden, was momentan einem Wert von 96 Prozent der üblichen Sonnenscheindauer beträgt. Bis zum Jahresende dürfte der Mittelwert von 2155 Stunden genau erreicht werden. Lugano liegt schon jetzt knapp über dem Mittelwert. Im Westen lag die Sonnenscheindauer meist über dem Schnitt. Im Osten eher darunter, allerdings mit grossen lokalen Schwankungen.

Entwicklung in der Schweiz

Obwohl das Jahr niederschlagsreich war, gehört 2016 zu den wärmsten Jahren in der Geschichte. Auf Grund der speziellen Wetterlagen im Alpenraum treten aber die wärmsten Jahre in der Schweiz nicht zwangsläufig gleichzeitig auf wie die globalen Höchstwerte. Im zu Ende gehenden Jahr scheint sich der Trend zu immer längeren stabilen Systemen zu verstärken. Nach einer langen Tiefdruckphase in der ersten Jahreshälfte, gab es in der zweiten Jahreshälfte wieder sehr stabile Hochdrucksysteme mit langen Trockenphasen. Der allgemeine Trend zu mehr Niederschlag im Spätwinter und Frühjahr und grösserer Trockenheit im Spätsommer und Herbst scheint sich fortzusetzen. Ein allgemeiner Rückgang der Niederschlagsmengen, wie er von Experten lange Zeit prognostiziert wurde, ist weiterhin nicht zu beobachten, auch nicht im Süden.