Der Winter hat Halbzeit: Immer noch viel zu warm!

Heute hat der Winter 2015/2016 Halbzeit. Bis jetzt war der Winter im Norden der Schweiz rund 4 Grad zu warm, und er ist bis jetzt deutlich wärmer als der bisherige Rekordwinter 2006/2007. Jetzt scheint uns aber sibirische Kälte einzuholen, und der Winter doch noch ein Winter zu werden.

Der Dezember 2015 brach fast alle Rekorde. Er war so warm wie noch kein anderer Dezember, und er war extrem sonnig. Seit der Jahreswende haben wir den subjektiven Eindruck, dass der Winter wieder normal ist. In den Bergen gab es viel Schnee, und es wurde kühler. Allerdings: Auch die erste Januarhälfte war im nördlichen Flachland viel zu warm. Sogar noch wärmer als der Dezember! In Basel war die erste Januarhälfte 4 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Der Dezember war dagegen „nur“ 3,7 Grad zu warm. Nicht anders in Zürich: Dort war es im Dezember 3,8 Grad zu warm, der Januar liegt bis jetzt aber 4,2 Grad über dem Schnitt der Jahre 1961 bis 1990. Die erste Winterhälfte war im Norden bis jetzt auch deutlich wärmer als die Vergleichsperiode 2006/2007. Jener Winter gilt immer noch als wärmster Winter seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Im Süden war die erste Hälfte des aktuellen Winters allerdings kühler als die Vergleichsphase 2006/2007.

Blick vom Gurten am 11. Januar auf ein weitgehend grünes Mittelland. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grünes Mittelland Blick vom Gurten am 11. Januar auf ein weitgehend grünes Mittelland. Luciano Moraschinelli

Fertig lustig: Jetzt wird es eisig!

Jetzt macht der Winter allerdings ernst. Am Wochenende gibt es im Norden immer wieder Schneeschauer bis ins Flachland, und die Temperaturen gehen deutlich zurück. Am Sonntag gibt es im Norden verbreitet einen Eistag. Die Temperaturen steigen entsprechend den ganzen Tag nicht mehr über den Gefrierpunkt. Am Montag dürften die Tageshöchstwerte im Mittelland sogar nur noch bei -4 Grad liegen, und in den Nächten muss zum Teil mit zweistelligen Minustemperaturen gerechnet werden. Noch ist offen, wie schnell uns im Flachland wieder wärmere Luft erreicht. Auf den Bergen wird es allerdings schon ab Montag wieder deutlich milder.

Am 3. Januar war es auf dem Napf endlich richtig weiss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Endlich Schnee Am 3. Januar war es auf dem Napf endlich richtig weiss. Peter Helfenstein

Das gab’s noch nie – oder doch?

Ein milder Start in den Winter und dann klirrende Kälte; kein Einzelfall! Ähnlich war es 2011/2012: Im November 2011 gab es auch in weiten Teilen der Schweiz überhaupt keinen Niederschlag, und Rekordwärme und Trockenheit gingen auf der Alpennordseite noch bis zum 17. Dezember weiter. Dann kam der Winter mit voller Wucht. In den Alpen gab es rekordverdächtige Schneefälle. In Ulrichen im Goms lagen am 8. Januar 2012 2 Meter 55 Schnee und bis zum Monatsende lag dort nie weniger als 1 Meter 80. Im Flachland blieb es aber bis Ende Januar weitgehend aper. Kein Wunder kam Ende Januar der Winter 2011/2012 immer noch in Frage als wärmster Winter in die Jahrbücher einzugehen.

Endlich liegt Schnee. Aufnahme vom Freitagmorgen auf dem Wiliberg (AG). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Winter ist da! Endlich liegt Schnee. Aufnahme vom Freitagmorgen auf dem Wiliberg (AG). Marcel Hauri

Im Februar kleine Eiszeit

Pünktlich auf den 1. Februar änderte sich die Wetterlage noch einmal. Ein mächtiges Russlandhoch übernahm das Zepter. Im Februar 2012 gab es zwar kaum noch Schnee, dafür war es so kalt wie schon lange nicht mehr. Am 3. Februar 2012 lag beim Flughafen Kloten die Tageshöchsttemperatur bei -9 Grad und in der folgenden Nacht sankt die Temperatur auf unter -20 Grad. Während 14 Tagen änderte sich an dieser Wetterlage wenig, und so fror zur Monatsmitte der obere Zürichsee zu. In den nun kommenden Tagen fliesst aus Nordosten ebenfalls eisige Luft zu uns, nach den jetzigen Modellunterlagen dürfte der Spuk aber bereits im Laufe der kommenden Woche wieder zu Ende gehen.

Nach 65 Tage Trockenheit gab es im Tessin zwar ersten Regen, der Pegel des Lago Maggiores ist aber sehr tief. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trockenheit im Süden Nach 65 Tage Trockenheit gab es im Tessin zwar ersten Regen, der Pegel des Lago Maggiores ist aber sehr tief. Anna Witschi

Triste Sache!

Nach dem äusserst sonnigen Dezember war der Januar 2016 bis jetzt eine ganz triste Angelegenheit. In St. Gallen zeigte sich die Sonne bis jetzt nur gut 2 Stunden: Kein Grund zur Schadenfreude: In Zürich gab es auch nur 6,5 Stunden und in Basel knapp 10 Stunden Sonnenschein. Dafür gab es endlich den langersehnten Regen. Für die Natur war es ein Glück, dass der Januar mild startete. So wurde der Boden noch mit dem nötigen Wasser versorgt. Aufschnaufen konnte auch die Energiewirtschaft: Die Flüsse führten in den vergangenen Tagen wieder mehr Wasser als Ende Jahr.