Ein Jahr mit Überschwemmungen und Trockenheit

In der Nacht auf Donnerstag geht das hydrologische Jahr 2014/2015 zu Ende. Die Jahressumme des Niederschlages bewegt sich allgemein im Durchschnitt, nur auf der Alpensüdseite war es deutlich zu nass. Die jahreszeitlichen Unterschiede waren aber extrem.

Mitte Juli war der Boden in Langnau im Emmental total ausgetrocknet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trockenheit Mitte Juli war der Boden in Langnau im Emmental total ausgetrocknet. Rudolf Klaey

Heute (Mittwoch)-Abend geht für die Wasserwirtschaftler in der Schweiz das hydrologische Jahr 2014/2015 zu Ende. Auf der Alpennordseite entspricht die Jahresbilanz dem langjährigen Durchschnitt. Im Osten war es tendenzmässig etwas zu feucht, im Westen eher leicht zu trocken. Allerdings waren die saisonalen Unterschiede gross. Südlich der Alpen war das Jahr 2014/2015 einmal mehr deutlich zu nass. In Locarno fielen in den letzten 12 Monaten fast 600 Millimeter mehr Regen als sonst in einem Jahr. Dies entspricht einem Überschuss von rund 35 Prozent. Damit reiht sich das aktuelle Jahr nahtlos an die Vorjahre an. Mit Ausnahme von 2011, war es in der Südschweiz seit 2007 immer zu nass. Allerdings liegen die aktuellen Werte deutlich hinter den Vorjahres-Niederschlagsmengen zurück.

Am 3. Mai standen die Felder im Limpachtal zum Teil unter Wasser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nasser Mai Am 3. Mai standen die Felder im Limpachtal zum Teil unter Wasser. Jürg Rohrbach

Hochwasser und Dürre im Norden

Auf der Alpennordseite und im Wallis war der Sommer meist staubtrocken und über Wochen herrschte Waldbrandgefahr. Auch im September blieben die Niederschlagsmengen an den meiste Orten bescheiden. Ebenso war der Winter vielerorts zu trocken. Dagegen sorgte ein sehr nasser Frühling für einen Ausgleich in der Niederschlagsbilanz. Vor allem die intensiven Niederschläge zu Beginn des Monats Mai führten an vielen Orten zu Hochwasser, dies vor allem im Westen und im Wallis. Örtlich gab es am 1. Mai die grössten Tagesniederschlagsmengen seit Beginn der Aufzeichnungen. In Bad Ragaz und in Visp fiel im Mai doppelt so viel Niederschlag, wie sonst in diesem Monat, in Sitten war es sogar ein Faktor 3.

Am 13. November stand in Locarno die Ufer Promenade unter Wasser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hochwasser Lago Maggiore Am 13. November stand in Locarno die Ufer Promenade unter Wasser. Keystone

Überschwemmungen im November

Auch im Süden war der Sommer 2015 deutlich zu trocken. In Lugano und Locarno fielen nur gut 50 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge. Dennoch fiel die Bilanz auf der Alpensüdseite deutlich zu nass aus. In negativer Erinnerung bleiben die intensiven Niederschläge Ende Oktober und in der ersten Hälfte des Novembers 2014. In Lugano war der November 2014 der nasseste Monat überhaupt seit 1896! Absolute Monatsrekordwerte wurden im November auch im Val Bavona und auf dem Corvatsch verzeichnet. Dort reichen die Messreihen aber weit weniger lange zurück. An den meisten anderen Messstandorten war der November der zweitnasseste nach 2002. Grosse Niederschlagsmengen gab es aber nicht nur im Tessin, sondern auch in den angrenzenden Gebieten, so in der Surselva, im Urserental und im Goms. Dramatisch war die Situation am Lago Maggiore. Dieser trat vielerorts über die Ufer, und es war das grösste Hochwasser seit Oktober 2000. Dabei machte sich negativ bemerkbar, dass es bereits im Oktober grosse Niederschlagsmengen gab.

Die Gletscher mussten im Sommer 2015 stark leiden, so auch der Rhonegletscher. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gletscherschmelze Die Gletscher mussten im Sommer 2015 stark leiden, so auch der Rhonegletscher. Josef Imsand

Weitere Faktoren der Wasserbilanz

Die Formel der Wasserbilanz lautet: Niederschlag minus Verdunstung ergibt den Abfluss. Diese Formel ist vor allem für die Energie-Wirtschaft von grosser Bedeutung kann doch in der Schweiz Wasserkraft sehr gut genutzt werden. In diesem Sommer war allerdings die Verdunstung sehr gross. Ein Hoch anfangs Juli brachte nicht nur grosse Hitze sondern auch kräftigen Wind. Dies führte zu grosser Verdunstung und in der Folge natürlich auch zu grosser Trockenheit verbunden mit Waldbrandgefahr. In der klassischen Wasserbilanz fehlt allerdings das Restglied Gletscherschmelze. Fliessgewässer, die aus vergletscherten Einzugsgebieten kommen, führten in diesem Sommer trotzdem viel Wasser, auf Grund der extremen Gletscherschmelze. Kehrseite der Medaille: Die Gletscher schmolzen zum Teil in Rekordtempo dahin. Bis Mitte des Jahrhunderts kann die Gletscherschmelze Hitzesommer einigermassen kompensieren, danach werden die Gletscher wohl so klein sei, dass die Gletscherschmelze keinen namhaften Beitrag mehr an die Wasserbilanz leicht.