Hydrologisches Jahr 2015/16: im Osten viel zu nass

Das hydrologische Jahr 2015/2016 war in der Zentral- und Ostschweiz deutlich zu nass. An vielen Orten gab es etwa 20 Prozent mehr Niederschlag als üblich. Der Niederschlag im Süden entspricht ungefähr dem langjährigen Mittel, während es im Westen an den meisten Orten zu trocken war.

Weitausufernde Sandbänke des Ticinos in der Magadinoebene. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Niedrigwasser Auch am 1. Februar war der Pegelstand am Lago Maggiore immer noch sehr tief. Beatrice Schaffter

In der Wasserwirtschaft dauert das Jahr vom 1. Oktober bis zum 30. September (vgl. Hintergrundbericht). Daher wird heute Bilanz gezogen über das Jahr 2015/2016. Die aktuellen Werte sind sehr uneinheitlich. In der Zentral- und Ostschweiz gab es in den vergangenen 12 Monaten deutlich mehr Niederschlag als üblich. An vielen Orten beträgt der Überschuss rund 20 Prozent. Sowohl Luzern wie St. Gallen weisen einen Überschuss von 23 Prozent zur klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990 auf. In Zürich beträgt der Wert 119 Prozent. In absoluten Zahlen: Seit dem 1. Oktober 2015 gab es dort 1248 Millimeter Niederschlag, der Normwert liegt bei 1048 Millimetern.

Süden normal, Westen zu trocken

Im Tessin lagen die Niederschlagsmengen ungefähr im langjährigen Schnitt. In Lugano beträgt der Wert genau 100 Prozent, in Locarno sind es 90 Prozent. Fast einheitlich zu trocken war es in der französischsprachigen Schweiz. In Genf fielen nur 793 Millimeter im Vergleich zur Norm mit 954 Millimetern. Auch in Sitten waren die vergangenen zwölf Monate deutlich zu trocken.

Aufnahme von überschwemmten Feldern bei Maschwanden von einer Drohne aus gesehen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Land unter Bei Maschwanden waren die Felder Mitte Mai überschwemmt. Hans-Jürg Baum

Grosse lokale Unterschiede…

Im Gegensatz zur Temperatur fällt beim Niederschlag die Bilanz jeweils weniger einheitlich aus, da Niederschläge weniger homogen verteilt sind. Sehr oft macht sich ein einzelnes, heftiges Gewitter in der Jahresbilanz bemerkbar. So können bei extremen Gewitterregen innerhalb von nur einer Stunde 50 bis 80 Millimeter Niederschlag fallen, in Ausnahmefällen sogar noch mehr. Dies entspricht an vielen Orten 5 bis 10 Prozent des gesamten Jahresniederschlages.

Stahlblauer Himmel und absolut kein Wasser in der Sense. Nach langer Trockenheit im Spätherbst trocknete die Sense komplett aus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Knochen-trocken Der Sensegraben war am 17. Dezember total ausgetrocknet. Werner Zwahlen

…und riesige saisonale Unterschiede

Das hydrologische Jahr 2015/16 war von extremen Unterschieden geprägt. Die Monate November und Dezember waren von Rekordtrockenheit geprägt. Sowohl in Locarno als auch in Lugano lag das Niederschlagstotal beider Monate zusammen bei nur 1 Millimeter! Noch extremer war die Situation an der Station Ascona im Maggiadelta, wo es zwischen dem 28. Oktober und dem 2. Januar überhaupt keinen messbaren Niederschlag gab. Auch nördlich der Alpen war es im November und Dezember sehr trocken. Ganz anders die Periode Januar bis Juni. Sehr nass war es im Januar. Damals wurden stellenweise die grössten Niederschlagsmengen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen registriert, so beispielsweise in Eschenz am Bodensee. In Basel war es der zweitnasseste Januar. Ausser im März ging es nass weiter, und im Mai gab es erneut Rekorde, so beispielsweise in Luzern und Château d‘Oex. Auch im Juni gab es grosse Regenmengen, am Ofenpass war es sogar der nasseste Juni seit Messbeginn vor 99 Jahren. Auf Grund der grossen Regenmengen im Mai und im Juni kam es am Walen- und Bodensee teilweise zu Überschwemmungen. Im Laufe des Monats Juli wurde es wieder trockener und auch in den Monaten August und September ging es meist trocken weiter, abgesehen von heftigen, lokalen Gewitterregen.

Ein Schwan steht neben einer überfluteten Parkbank am Rheinufer bei Stein am Rhein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hochwasser am Rhein Am 24. Juni führte der Rhein bei Stein am Rhein Hochwasser. Kurt Vigl