Kaltlufteinbrüche Ende Mai haben Tradition

Am Montagmorgen schneite es in den westlichen Alpen zum Teil bis unter 1000 Meter. Auf dem Grossen St. Bernhard wurden 21 Zentimeter Neuschnee verzeichnet. Schnee in der letzten Mai-Dekade kommt aber immer wieder vor. Schnee bis ins Flachland wäre schon eher eine Sensation.

Auch Fiesch blieb am Montagmorgen nicht von Schneefall verschont. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Leise rieselt der Schnee Auch Fiesch blieb am Montagmorgen nicht von Schneefall verschont. Dorly Volken

Am 28. Mai 1961 lag 1 Zentimeter Schnee in Zürich. So etwas gab es seither nie mehr. Man muss weit in die Vergangenheit zurückblättern bis man noch drastischere Mai-Ereignisse in Zürich findet. 1867 fielen am 24. Mai sogar 6 Zentimeter. Im Flachland sind Schneeereignisse in der letzten Maidekade, im Gegensatz zu Frost, die absolute Ausnahme. So eine Ausnahme bildete der Pfingstmontag im Jahre 2007. Damals fiel am 28. Mai in Interlaken Schnee bei einer Tiefsttemperatur von 0,7 Grad. Auch damals erlebte die Alpennordseite einen Temperatur-Crash der besonderen Art. Noch am Freitag zuvor lag die Temperatur in Interlaken bei 26 Grad. Damals fiel so viel Schnee, dass die Strasse zwischen Zweilütschinen und Grindelwald wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden musste.

Auch in Wildhaus gab es 2015 in der letzten Maidekade etwas Schnee. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: 21. Mai 2015 Auch in Wildhaus gab es 2015 in der letzten Maidekade etwas Schnee. Kerstin Fischer

Das Drama im Mai 1983

Analysiert man die Schneedaten der letzten Mai-Dekade, dann sticht der Mai 1983 hervor. Am Morgen des 22. Mai, es war der Pfingstsonntag, lagen beispielsweise in Disentis 31 Zentimeter Neuschnee. Auch die 27 Zentimeter Neuschnee in Davos an jenem Morgen waren Rekord. In Arosa fielen 33 Zentimeter Neuschnee. Das wurde aber am Folgetag mit 35 Zentimetern sogar noch übertroffen. An jenem Pfingstsonntag wurden auch in Bad Ragaz 3 Zentimeter Schnee registriert. Andermatt erlebte an jenem Morgen mit 38 Zentimetern Neuschnee ebenfalls einen Rekord für die letzte Maidekade. Auf dem Chaumont, oberhalb von Neuenburg, schneite es damals über 4 Tage. Auch im Engadin fiel in der letzten Mai-Dekade 1983 immer wieder Schnee. Die Wetterlage war damals aber ganz anders, befand sich doch der ganze Alpenraum und weite Teile Mitteleuropas über Tage unter stationärer Kaltluft. Im Juli 1983 war dafür die Hitze in der Schweiz stationär. Der Juli 1983 war vergleichbar mit den heissesten Monaten 2003, 2006 und 2015.

Am 20. Mai 2015 schneite es beispielsweise in Scuol auch ganz kräftig. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vor einem Jahr! Am 20. Mai 2015 schneite es beispielsweise in Scuol auch ganz kräftig. Hans Koller

Man muss kein Daten-Guru sein!

Um Wintereinbrüche in der letzten Mai-Dekade zu finden muss man allerdings nicht in den Keller steigen um entsprechende Ereignisse im Archiv zu finden. Auch im letzten Jahr, es war notabene das wärmste Jahr der jüngeren Geschichte, gab es einen heftigen Wintereinbruch in der letzten Maidekade. Am 20. Mai 2015 fielen in Bivio satte 44 Zentimeter Neuschnee. Auch das ist Rekord für die letzte Maidekade. Ebenso schafften es die 19 Zentimeter in Samedan und die 24 Zentimeter in Buffalora am Ofenpass auf Platz 1 der Schneeereignisse. Auf dem Urnerboden wurden damals 20 Zentimeter Neuschnee gemessen, in Mürren lagen an jenem Morgen 18 Zentimeter Neuschnee.

Schneeereignisse ein Indiz für Hitzesommer?

Häufig folgten auf Schneeereignisse in der letzten Maidekade längere Hitzeperioden im Sommer. Nicht nur die Beispiele aus den Jahren 2015 und 1983 sind dafür Beleg. Auch Ende Mai 2006 schneite es bis in tiefe Lagen, danach folgten zwei Hitzemonate. Auch in den kommenden Tagen sieht es bei uns nach einer raschen und womöglich auch nachhaltigen Erwärmung aus. Wir kommen ab Mittwoch in eine Südwestströmung, die uns warmes, aber bei weitem nicht immer trockenes Wetter bringt.

Am Montagmorgen hatte sich Mürren in eine Winterlandschaft verwandelt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Winter in Mürren Am Montagmorgen hatte sich Mürren in eine Winterlandschaft verwandelt. Oliver von Allmen