Nordpol: Noch nie so wenig Eis im Frühling

Bereits den ganzen Winter hindurch hatte es weniger Eis als üblich in der Arktis, aber Ende Mai nun hat es so wenig Eis wie es in den 1980ern erst Anfang Juli hatte. Das beeinflusst unser Wetter.

In der Arktis schwimmt im März am meisten Eis auf dem Meer, dann setzt Tauwetter ein, die Eisbedeckung nimmt ab und erreicht im Herbst das Minimum; das ist der normale Jahresgang. Die Eisbedeckung wird mit Satelliten überwacht. Die Messinstrumente der Satelliten haben im Mai noch nie so wenig Eis registriert wie dieses Jahr. Es fehlt eine Fläche von rund 1 Million Quadratkilometern, eine Fläche etwa so gross wie Deutschland und Frankreich zusammen. Zwischen März und September schmilzt jeweils eine Fläche von rund 10 Millionen Quadratkilometern, was ungefähr der Fläche des Kontinents Europa entspricht.

Meer ohne Eis wird wärmer

Meereis hat einerseits eine isolierende Wirkung. Aber es reflektiert auch das Sonnenlicht. Eis mit Schneebedeckung reflektiert 90% des Sonnenlichts. Wasser ohne Eis reflektiert nur noch 6% und 94% werden als Energie vom Meer aufgenommen. Je wärmer es wird, desto weniger Eis liegt auf dem Meer, desto mehr Energie wird aufgenommen, desto wärmer wird es. Man nennt dies auch «positive Rückkoppelung».

Arktis und das Wetter

Eine Arktis mit weniger Eis ist eine wärmere Arktis. Das hat auch Einflüsse auf das Wetter in Europa. Die Zusammenhänge sind komplex und werden derzeit erforscht, erste Resultate zeigen aber, dass sich beispielsweise der Jetstream verändert. Der Jetstream ist ein Starkwindband auf etwa 10 km Höhe. Dieses Starkwindband hat meist eine Wellenform. Diese Wellenform verändert sich seit den 1990er Jahren so, dass die Wellen sich langsamer fortbewegt. Somit bewegt sich auch das Wetter langsamer weiter, Wetterlagen dauern dann manchmal länger an. Ein Hoch kann länger blockiert werden und zu Dürre führen, aber auch feuchte Wetterlagen können länger dauern.