So gefriert ein See Seegfrörni – wie lange noch?

Weiher und kleinere Seen konnten in den letzten Wochen bereits eine Eisschicht bilden. Zum Beispiel ist der Egelsee in Bern seit 2012 wieder das erste Mal begehbar. Von den kleineren Seen im Mittelland ist der Pfäffikersee gefroren. Er wurde bisher jedoch nicht freigegeben.

Im Kanton Zürich ist die Polizei für die Freigabe zuständig. Sie erstellt täglich ein Eisbulletin. In anderen Kantonen heisst es oft «Betreten auf eigene Gefahr».

Vergangene Seegfrörnis

Eine historische Seegfrörni ereignete sich im Winter 1962/63. Damals fror sogar der Bodensee zu, das erste und einzige Mal bisher. Auch den Zürichsee bedeckte damals letztmals eine komplett geschlossene Eisdecke.

Mittelgrosse Seen wie zum Beispiel der Bielersee, der Hallwilersee oder der Untersee erlebten seit den 60er Jahren ebenfalls eine Seegfrörni.

Eine Seegfrörni ist per Definition dann gegeben, wenn ein See komplett oder fast komplett für mehr als einen Tag mit Eis bedeckt ist. Das Eis muss jedoch nicht zwingend tragfähig sein.

Letzte Seegfrörni verschiedener Mittelland-Seen

See
letzte Seegfrörni
Greifensee2012
Pfäffikersee2012
Untersee2006
Hallwilersee
1986
Bielersee1971
Sempachersee1965

So lange dauert es, bis ein See gefriert

Die Dauer der Eisbildung hängt von der Grösse und der Tiefe eines Sees ab. Daneben spielt es eine Rolle, wie die Zuflüsse sind und ob der See technisch beeinflusst wird – zum Beispiel durch eine Belüftung.

Ein Hinweis für die Geschwindigkeit des Zufrierens gibt die auch die Kältesumme, also die Summe aller negativen Tagesmitteltemperaturen. Ist es also im Schnitt während 10 Tagen minus 3 Grad, beträgt die Kältesumme 30 Grad. Damit zum Beispiel der Zürichsee gefriert, braucht es eine Kältesumme von rund 300 Grad. Es müsste also während gut dreier Monaten immer im Durchschnitt minus 3 Grad kalt sein.

Kältesumme verschiedener Seen

See
Kältesumme (negative Gradtage)
Pfäffikersee120
Greifensee130
Bielersee170
Hallwilersee180
Sempachersee230
Bodensee370

Quelle: MeteoSchweiz

Wie gefriert ein See?

  • Wasser hat bei 4 Grad seine grösste Dichte, ist also dann im Prinzip am schwersten.
  • Im Herbst wird das Wasser im See von oben her abgekühlt. Dabei nimmt seine Dichte zu und es sinkt ab.
  • Daneben steigt wärmeres, weniger dichtes Wasser aus einer tieferen Schicht auf und nimmt seinen Platz ein. So wird das ganze Wasser im See umgeschichtet, bis alles Wasser im See 4 Grad kalt ist.
  • Erst dann kann das Wasser an der Oberfläche weiter abkühlen. Ist es genügend kalt, beginnt das Oberflächenwasser zu gefrieren.
  • Bleibt es über längere Zeit kalt, wächst die Eisschicht und der See gefriert von oben her zu.
  • Ein See beginnt an den Rändern zu gefrieren, da es dort am wenigsten tief ist und das kleinere Wasservolumen viel schneller 4 Grad Wassertemperatur erreicht hat.
Grafische Darstellung von Temperaturen eines Sees. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Temperaturschichtung eines Sees im Herbst verglichen zum Winter. SRF

Spielverderber September 2016

So kalt wie diesen Winter war es im Dezember und Januar im Mittelland schon lange nicht mehr. Warum gefroren die Seen nicht rascher zu?

  • Ein Hindernis für die Seegfrörni war der sehr milde Spätsommer. Im September herrschte lange noch Badewetter. Obwohl ein kalter Oktober folgte, kühlten sich die Gewässer nur langsam ab. So lag zum Beispiel die Wassertemperatur am Hallwilersee anfangs Oktober immer noch bei etwa 18 Grad. So brauchte es sehr lange, bis sich der ganze See auf 4 Grad abkühlen konnte.
  • Trotz tiefen Tagestemperaturen im Dezember waren die Nächte aufgrund des Nebels eher mild, so dass sich die Kältesumme nur langsam erhöhte.

Klimaveränderung macht Gfrörni seltener

Kleinere Seen wie der Pfäffikersee oder der Ägerisee werden nach wie vor im Winter zufrieren, aber seltener als im letzten Jahrhundert. Bei den mittleren Seen hat die Gefrierwahrscheinlichkeit mit der Klimaveränderung enorm abgenommen, um 50 bis 70 Prozent. So kann es durchaus sein, dass mittelgrosse Seen wie der Bielersee oder der Sempachersee nicht mehr komplett zufrieren werden.

Quellen:

  • Hendricks Frannssen H.J. and Scherrer S.C.: Freezing of lakes on the Swiss plateau in the period 1901 - 2006 (Int. Journal of Climatology)
  • Herzlichen Dank für die Fotos an Heinz Aebi, Monique Cecuta, Rolf & Hugo Wasser und Alex Siegrist