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Umfrage zur Vorlage höhere Kinderabzüge
Aus 10 vor 10 vom 21.08.2020.
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Abstimmungsumfrage Offenes Rennen bei den Kinderabzügen

  • Knapper Vorsprung der Ja-Seite: 51 Prozent sprechen sich gemäss SRG-Umfrage für höhere Kinderabzüge bei der Bundessteuer aus.
  • Der Ausgang ist offen: Viele haben sich lediglich tendenziell oder noch nicht entschieden.
  • Die Meinungsbildung litt darunter, dass die Vorlage bisher unter dem Radar der Stimmbevölkerung flog.
  • Entscheidend wird der Abstimmungskampf sein; ob die Befürworter oder Gegner besser überzeugen können.
Befragungszeitraum: 3. bis 17. August 2020 Fehlerbereich: ± 2.9 Prozentpunkte Quelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRKinderabzüge BundessteuerPersönliche Stimmabsichten (in Prozent)bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegen100252662122

Wäre bereits am 9. August über die Steuerabzüge für Kinder abgestimmt worden, hätte die Vorlage eine knappe Mehrheit von 51 Prozent gefunden. Das ist das Resultat einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der SRG SSR.

43 Prozent der Befragten hätten die Vorlage hingegen abgelehnt. Doch: insgesamt 47 Prozent haben sich erst tendenziell für ein Ja oder Nein und sechs Prozent noch gar nicht entschieden. Die Meinungsbildung sei erst im Gange, sagt Martina Mousson vom Forschungsinstitut gfs.bern, das die Umfrage durchführte.

Die Vorlage in Kürze

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Am 27. September stimmt die Schweiz über das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer ab. Es geht dabei um zwei Punkte: Zum einen soll der maximale Abzug für die Drittbetreuung von Kindern von 10'100 auf 25'000 Franken erhöht werden. Zum anderen sollen durch die Erhöhung des allgemeinen Kinderabzugs von 6500 auf 10'000 Franken auch Familien von einer Steuererleichterung profitieren, die ihr Kind nicht extern betreuen lassen.

Vor allem wegen letzterem Punkt hatten die SP und Grüne das Referendum ergriffen. Ihre Argumente: Die Steuererleichterung käme nur reichen Familien zugute und würde das traditionelle Modell einer Alleinverdiener-Familie festigen.

Vorlage unter den Tisch gefallen

Der Hauptgrund dafür: «Die Vorlage ist etwas unter den Tisch gefallen.» Die Informationen für diese Vorlage seien noch nicht zur Bevölkerung durchgedrungen: «Sie sind noch nicht bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern angekommen.»

Das zeige sich unter anderem daran, dass viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger (noch) in Konflikt mit den offiziellen Abstimmungs-Parolen ihrer Partei sind. Das hänge wohl damit zusammen, dass «der Stimmbürger vielleicht ein bisschen den Faden verloren hatte und gar noch nicht so recht weiss, wer jetzt dafür und wer jetzt dagegen ist».

Parteibasis bewegt sich hin zu offiziellen Parolen

So zeigt die Umfrage, dass Anhängerinnen und Anhänger der linken und Mitte-Parteien für die Vorlage stimmen wollten, die Anhänger der SVP gegen die Vorlage. Damit beabsichtigt die Wählerschaft der Grünen, der SP, der GLP und der SVP mehrheitlich gegen die Parolen der Parteispitze zu stimmen.

Befragungszeitraum: 3. bis 17. August 2020 Fehlerbereich: ± 2.9 ProzentpunkteQuelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRKinderabzüge BundessteuerStimmabsichten nach Parteibindung (in Prozent)020406080100GrüneSPGLPCVPFDPSVPkeine Parteibestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegen268182162726164252930312215201521172362719372823253417276431727

Allerdings hat sich seit März eine Anpassung an die Parolen der Parteien ergeben. Der Ja-Anteil bei Grünen und SP ist gesunken, bei der SVP gestiegen. Und das spreche eben dafür, dass die Meinungsbildung noch bei weitem nicht abgeschlossen sei, so Mousson. Es dürften sich damit bis zur Abstimmung am 27. September noch grössere Verschiebungen ergeben, bilanziert das Institut gfs.bern.

Offenes Rennen erwartet

Dass die Meinungsbildung in Bewegung ist, zeigt sich auch bei den Abstimmungsabsichten nach Haushaltseinkommen. «Die tiefsten Einkommensgruppen waren im März noch für das Anliegen, weil es Unterstützung im Budget verspricht.»

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Martina Mousson: «Bei den tiefen Einkommensschichten bricht die Unterstützung ein, bei den hohen Einkommensschichten bleibt sie erhalten.»
Aus News-Clip vom 20.08.2020.
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Doch diese Unterstützung bricht ein. Im August gilt: Je tiefer das Haushaltseinkommen, desto deutlicher der Nein-Trend. Hier greife das Argument der Gegnerschaft, dass es sich bei den Kinderabzügen um ein «Steuergeschenk für Reiche» handle, sagt Martina Mousson. Mehrheitliche Zustimmung zur Vorlage gibt es noch bei Haushalten mit Einkommen von über 9'000 Franken.

Befragungszeitraum: 3. bis 17. August 2020 Fehlerbereich: ± 2.9 ProzentpunkteQuelle: gfs.bern im Auftrag der SRG SSRKinderabzüge BundessteuerStimmabsichten nach Haushaltseinkommen (in Prozent)0204060801003-5000bis3000(in CHF)5- 70007-90009-11‘000über11‘000bestimmt dafüreher dafürweiss nicht / keine Antwortbestimmt dagegeneher dagegen1813252519259212124274182724234272422293301721304291720

Insgesamt hat die Vorlage noch einen verhaltenen Start in der Meinungsbildung hinter sich. Der Abstimmungskampf werde das Rennen entscheiden – der Ausgang sei offen, bilanzieren die Meinungsforscher die Umfrageergebnisse.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 3. und 17. August 2020 durchgeführt. Insgesamt sind die Antworten von 29'540 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt worden.

Telefonisch befragt wurden 1205 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 704 Personen aus der Deutschschweiz, 301 aus der Romandie und 200 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.9 Prozentpunkte. Bei 1205 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.1 und 52.9 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 28'335 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 23'595 Personen in der Deutschschweiz, 4973 in der Romandie und 972 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger Pensionierte als Jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 27. September 2020 durch. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

SRF 4 News, 21.08.2020, 17 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Aurel Specker  (Auspec)
    Alle Steuerabzüge sind überproportional Geschenke für Reiche. Da wirklich Arme kaum Geld haben um etwas zu holen.

    Zusätzlich lohnen sich bei viele komplizierte Abzüge für Kleinsteuern der Aufwand gar nicht. Was die Sache noch verschärft!

    Wir müssen die Steuern endlich vereinfachen! Keine Abzüge mehr, dafür direkte Zuschüsse aus dem zusätzlichen Geld! So landet das Geld auch wirklich bei denen die es nötig haben!
  • Kommentar von Sebastian Köhler  (Tekk)
    @Srf: Könntet ihr da nicht mal ein paar Rechenbeispiele machen nach Einkommen und Kinder im Haushalt? Im Vergleich Heute und bei Annahme der Vorlage? Danke
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Sebastian Köhler Besten Dank für Ihren Kommentar. Wir haben Ihren Vorschlag aufgenommen. Freundliche Grüsse, das News Team