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Abstimmung: Vaterschaftsurlaub in der Schweiz
Aus Tagesschau vom 18.08.2020.
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Referendum Vaterschaftsurlaubs-Gegner: «Alle bezahlen Ferien für wenige»

  • Vertreter von SVP, FDP und CVP sowie Gastrosuisse und der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) warnen vor Arbeitsplatzverlust, Überforderung der Sozialwerke und «Verlust der elterlichen Verantwortung».
  • Das überparteiliche Komitee, welches das Referendum ergriffen hatte, präsentierte vor den Medien seine Argumente.
  • Die Gegner eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub bezeichnen die Befürworter als «Lohndiebe».

Steigende Arbeitslosigkeit, Pleiten, Konkurse: Die Coronakrise sei für viele Unternehmen ein Härtetest – einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub könne sich die Schweiz deshalb nicht leisten, argumentieren bürgerliche Politiker sowie das Gewerbe.

Die Befürworter des Vaterschaftsurlaubes wollten allen Arbeitnehmerinnen und allen Arbeitnehmern ins Portemonnaie greifen, sagte die Thurgauer SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr vor den Bundeshausmedien. Alle Arbeitnehmenden müssten mehr von ihrem Lohn abgeben – «für Ferientage für einige wenige».

Darum geht es

  • Väter sollen innerhalb von sechs Monaten ab Geburt eines Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub beziehen können.
  • Finanziert werden soll der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO).
  • Dies sieht der indirekte Gegenvorschlag des Parlaments zur Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» vor. Die Initiative wurde nach dem Beschluss des Parlaments zurückgezogen.
  • Gegen die Vorlage ist das Referendum ergriffen worden. Die Volksabstimmung findet am 27. September statt.

«Unflexible Einheitslösung»

Die Lohnabzüge für die Erwerbsersatzordnung müssten in der Folge um 0.05 Prozent erhöht werden. «Diese Erhöhung ist nicht mehr verkraftbar», sagte Ständerat Josef Dittli (FDP/UR). Er sprach von einer «unflexiblen, staatlich verordneten Einheitslösung».

Es sei keine Option, den Sozialstaat «weiter aufzublähen», sagte SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler. Neben den direkten Kosten von 230 Millionen Franken verursache der Vaterschaftsurlaub in den Betrieben indirekte Mehrkosten zwischen 500 bis 900 Millionen Franken. Viele kleine Unternehmen seien dadurch in ihrer Existenz bedroht.

Kein Spielraum im Gastgewerbe

Besonders hart träfe der Vaterschaftsurlaub das Gastgewerbe, führte Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer aus. Seine Branche könne einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub nicht stemmen. Die Umsätze seien während der Coronakrise stark eingebrochen. Das Ziel sei es nun, die Arbeitsplätze zu erhalten. Jeder weitere Anstieg der Sozialkosten trage aber zum Abbau von Arbeitsplätzen bei.

Ein staatlich verordneter Vaterschaftsurlaub schwäche auch die Sozialpartnerschaft, sagte Platzer. Der Spielraum für Verhandlungen verkleinere sich, bestehende Bestimmungen in Gesamtarbeitsverträgen würden ausgehebelt.

«Vorlage gesellschaftspolitisch nicht durchdacht»

Die Gegner eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs führen zudem ins Feld, dass der Staat die Familien schon heute grosszügig finanziell unterstütze. «Es gibt keine andere Bevölkerungsgruppe, die mehr Zuwendung vom Staat erhält», sagte Peter Schilliger, designierter Luzerner FDP-Nationalrat. Sie erhalte Subventionen, Steuererleichterungen oder Sozialversicherungsleistungen.

Schliesslich sei die Vorlage auch gesellschaftspolitisch wenig durchdacht, argumentieren die Gegner. Laut dem Tessiner Unternehmer und CVP-Politiker Michele Moor braucht ein Neugeborenes in den ersten Lebensmonaten normalerweise seine Mutter, wenn es wach ist: «Diese Naturgesetze sind zu akzeptieren.» Beim Vater verursache die Geburt eines Kindes keine existenzielle Notlage, sondern bedeute eine grosse Freude, doppelte die Zürcher SVP-Gemeinderätin Susanne Brunner nach.

Das Volk stimmt am 27. September über die Vorlage ab, mit welcher der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub geregelt würde.

Tagesschau, 10.08.2020, 19.30 Uhr;

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Stocker  (Beat Stocker)
    Haben Sie sich schon gefragt, warum in Europa die Arbeitslosigkeit unter Jungen (Twens) so hoch ist? Vielleicht liegt es daran, dass hier alle im Falle einer Elternschaft wochenlang für den Arbeitgeber ausfallen können.
    Wollen wir hier in der Schweiz auch eine Diskriminierung möglicher Eltern, indem wir die Belastung durch staatliche Vorschriften erhöhen?
    Wer sich trotz Nachhaltigkeits(be)denken für's Elternsein entscheidet, soll diesen Entschluss doch bitte auf eigene Kosten umsetzten.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    na, es ist doch die letzten 1000 Jahre auch ohne gegangen... muss das denn wirklich sein... Mann kann ja gewoehnliche Ferientage dafuer nehmen... wenn er unbedingt zu Hause sein will... Aber eben... jeder will den "Fuenfer und's Weggli"...
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    1. Antwort von David Davatz  (David Davatz)
      Nur weil etwas "schon immer" so war, muss es noch lange nicht besser sein
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  • Kommentar von Krebs Alfred  (A.Santiago)
    Ich bin überzeugt, dass die modernen Firmen freiwillig diese Tage geben werden, oder zum Teil schon geben. Die unflexiblen Firmen dürfen sich dann einfach nicht beklagen, dass die guten motivierten Familienväter nicht bei ihnen arbeiten wollen.
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