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SRF-Umfrageergebnisse zu den beiden Agrarinitiativen
Aus Tagesschau vom 07.05.2021.
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Umfrage zu den Abstimmungen Initiative Pestizidverbot startet mit Ja-Mehrheit

  • 55 Prozent der Stimmberechtigten wollen der Initiative Pestizidverbot gemäss SRG-Umfrage zustimmen, 42 Prozent sind dagegen.
  • Die meisten haben sich ihre Meinung bereits gebildet. Nur 3 Prozent sind noch unentschlossen.
  • Doch der Graben zwischen den Sprachregionen, Parteien und Altersgruppen ist tief.

Hätte die Schweiz bereits am 23. April über die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» abgestimmt, wäre diese deutlich angenommen worden. Zu diesem Ergebnis kommt die erste SRG-Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der SRG SSR.

Die Initiative fordert ein Verbot synthetischer Pestizide in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege. Auch der Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pestiziden hergestellt wurden oder die solche enthalten, soll verboten werden.

Dieses Anliegen stösst in linken Kreisen auf offene Ohren. Die Wählerschaft der Grünen, der SP und der GLP befürwortet die Initiative grossmehrheitlich – besonders deutlich ist die Zustimmung bei den Grünen mit 96 Prozent. Die Sympathisanten der bürgerlichen Parteien positionieren sich mehrheitlich auf der Gegenseite, hier ist die Ablehnung bei der SVP mit 61 Prozent am höchsten.

Im Vergleich zur zweiten Agrarinitiative, über die am 13. Juni ebenfalls abgestimmt wird, erfährt die Initiative Pestizidverbot derzeit etwas mehr Zustimmung. «Dieser minimale Vorsprung ist auf Personen zurückzuführen, die für die Initiative Pestizidverbot stimmen und bei der Trinkwasser-Initiative im Moment noch unentschieden sind», erklärt Lukas Golder vom Forschungsinstitut gfs.bern.

Das könne sich noch ändern, doch: «Vielleicht ist die Idee eines Pestizidverbots besser vermittelbar als der Weg über die Subventionen, wie er bei der Trinkwasser-Initiative vorgesehen ist.»

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Lukas Golder: «Vielleicht ist die Idee eines Pestizidverbots besser vermittelbar»
Aus News-Clip vom 06.05.2021.
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Dies fällt beim hohen Anteil an Befragten auf, die sich selber keiner Partei zuordnen und die Initiative bereits in dieser frühen Phase des Abstimmungskampfes befürworten. Mit 55 Prozent will eine Mehrheit der Partei-Ungebundenen für die Initiative Pestizidverbot stimmen, während sich nur eine Minderheit von 47 Prozent für die Trinkwasser-Initiative aussprechen will.

Initiative Pestizidverbot vs. Trinkwasser-Initiative

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Am 13. Juni gelangen zwei Agrarinitiativen zur Abstimmung. 48 Prozent der Stimmberechtigten wollen gemäss SRF-Umfrage beide Vorlagen annehmen, 35 Prozent beide ablehnen. Damit haben 83 Prozent zu beiden agrarpolitischen Initiativen eine einheitliche Haltung.

Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» verlangt ein Verbot synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft. Die Mittel sollen in der Schweiz nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Zudem beinhaltet die Vorlage ein Importverbot für Lebensmittel, die mithilfe synthetischer Pestizide hergestellt wurden. Die Verbote sollen spätestens zehn Jahre nach einer Annahme der Volksinitiative in Kraft treten.

Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» setzt beim Geld an. Sie verlangt, dass nur noch jene Bäuerinnen und Bauern Subventionen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten. Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

Die Zustimmung zur Initiative Pestizidverbot steigt mit zunehmendem Alter. So sind nur 48 Prozent der 18- bis 39-jährigen Befragten derzeit dafür, während Personen im mittleren Alter die Vorlage mehrheitlich annehmen wollen (54 Prozent). Deutlich höher ist der Ja-Stimmenanteil bei den Rentnerinnen und Rentnern – 62 Prozent wollen ein Ja in die Urne legen.

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Lukas Golder: «Wir sehen eine hohe Polarisierung in der Debatte»
Aus News-Clip vom 06.05.2021.
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Viel Sympathie besteht für das Anliegen zudem in der italienischsprachigen Schweiz. 65 Prozent der Tessiner Befragten sagen derzeit Ja. «Besonders der Grundsatz, wonach der Einsatz von giftigen, chemischen Substanzen nicht vereinbar mit einer nachhaltigen Landwirtschaft ist, zieht», verrät Golder.

Die Meinungsbildung ist schon weit fortgeschritten: 61 Prozent der Befragten äussern bereits feste Stimmabsichten. Beide Agrarinitiativen starten gemäss SRG-Umfrage mit einer Mehrheit. Doch diese kann leicht kippen, erklärt Lukas Golder. «Es ist bereits eine intensive Debatte in Gang, bei der es um die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik, um Produktpreise und den Umweltschutz geht. Das sind hochemotionale Themen, die polarisieren. Und die Gegnerschaft hat sich bereits gut sichtbar formiert.»

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Datenerhebung und Stichprobengrösse

Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 19. April und 3. Mai 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 22'732 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1209 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 708 Personen aus der Deutschschweiz, 300 aus der Romandie und 201 aus der italienischsprachigen Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1209 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 21'523 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Die Aufteilung der online Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 17'093 Personen in der Deutschschweiz, 4990 in der Romandie und 649 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 13. Juni 2021 durch. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungs-Dossier

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Abstimmungs-Dossier

News und Hintergrund zu den Abstimmungen und Wahlen vom 13. Juni 2021.

SRF 4 News, 7.5.21, 06:00 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Witold Ming  (Witold Ming)
    Tönt gut und verkauft sich gut in der Coronazeit, ist aber in dieser Radikalität naiv, ungerecht und kontraproduktiv. Wer glaubt, dass importierte Ware kontrollierbar wäre, ist völlig verblendet. Zudem wird im Ausland gar nicht genug Bio produziert. Es entstünde der grösste Etikettenschwindel, der schon heute läuft. Merkwürdig: 54% sind dafür und 10% Bioanteil in den Läden - macht ca. 44% verlogene Konsumenten. Weniger Fleisch und Käse essen hilft der Erde mehr!
  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Nur weiter so, in 20 bis 30 Jahren kommen die Konsumenten auf den Knie zu den verbleibenden Bauern, um nach Nahrungsmittel zufragen. Es sei denn, die Grundnahrungsmittel kommen vorwiegend aus dem Ausland, wo niemand fragt, wie diese angebaut wurden. "In der Not frisst der Teufel fliegen".
    1. Antwort von Franz Lehmann  ((DrFranz))
      Na ja, etwas gar pessimistisch und fatalistisch in meinen Augen. Gefallen Ihnen einfach die Resultate nicht?
  • Kommentar von Stefan Ilg  (Stefan Ilg)
    (Umwelt-)Gifte dürften kein Handelsgut sein !
    Wer Gifte, auf die Welt bringt, soll es auch aus der Welt schaffen !
    Wer kann dies am besten ? Wer kennt es am besten ?
    Die kurzzeitige Nutzung (zB. durch Bauern) soll er vermieten !