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Stadt-Land-Graben bei Agrarinitiativen
Aus Tagesschau vom 02.06.2021.
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2. SRG-Umfrage Trinkwasser-Initiative: Mehrheit will Nein stimmen

  • 53 Prozent der Stimmberechtigten sind gemäss der 2. SRG-Umfrage gegen die Trinkwasser-Initiative, 44 Prozent befürworten sie.
  • Der Geschlechterunterschied ist gering, weil der Nein-Trend bei Frauen sehr deutlich verläuft (52 Prozent bestimmt oder eher dagegen).
  • Es gibt einen klaren politischen Graben: Anhängerschaften der linken Parteien und der GLP wollen für, die anderen Parteiwählerschaften gegen die Initiative stimmen.

Es ist ein eindeutig negativer Trend zu sehen. Während im April noch 54 Prozent der Befragten Ja stimmen wollten, sind es im Mai nur noch 44 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die 2. Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der SRG SSR.

Der Anteil der Personen, die gegen die Volksinitiative stimmen wollen, ist dagegen auf 53 Prozent angestiegen. Im April lag der Wert noch bei 40 Prozent. Der Anteil der Unentschlossenen hat zwischen der 1. und der 2. SRG-Umfrage von sechs auf drei Prozent abgenommen.

Die Meinungsbildung verläuft hier im für viele Initiativen typischen Muster in Richtung Nein. Damit sind auch die Gräben zwischen gesellschaftlichen und politischen Gruppen kleiner geworden als noch vor einem Monat bei der 1. SRG-Umfrage.

Mit dem Nein-Trend in der Altersgruppe der über 65-Jährigen sind nun alle Altersgruppen mehrheitlich im Nein. Wie vor einem Monat ist die Gruppe der 18- bis 39-Jährigen am deutlichsten dagegen, wie die Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler des Forschungsinstitutes gfs.bern feststellen.

Gering ist der Geschlechterunterschied, weil der Nein-Trend bei den Frauen sehr deutlich verläuft (52 Prozent sind bestimmt oder eher dagegen).

Was bleibt sind deutliche Gräben zwischen Stadt und Land. Dieser sei bei umweltpolitischen Anliegen an sich wichtig, sagt der Politologe Lukas Golder. Die Vorstellungen betreffend Umweltschutz seien sehr unterschiedlich. «Dabei schürt die wirksame Kampagne der Gegner den Konflikt fast noch etwas mehr», so Golder.

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Lukas Golder, Politikwissenschafter gfs.bern: «Der Stadt-Land-Graben wurde geschürt»
Aus News-Clip vom 01.06.2021.
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Einen Graben gibt es auch bei den Parteien: Anhängerschaften der linken Parteien und der GLP wollen überwiegend für die Initiative stimmen. Die anderen Parteiwähler sind mehrheitlich gegen die Initiative.

Gfs.bern geht davon aus, dass der Einfluss der Schlusskampagne auf die Meinungsbildung beschränkt bleiben dürfte. Denn der Entscheid der Stimmenden ist auf Argumente abgestützt.

Vor allem zwei Argumente der Gegner überzeugen: 61 Prozent befürchten, dass Einschränkungen zu mehr importierten Umweltschäden führen. Bei der 1. SRG-Umfrage im April lag der Wert bei 57 Prozent. Weiter ist auch die existenzielle Bedrohung der Landwirtschaft ein wirksames Gegenargument: 55 Prozent unterstützen es. Im April waren es noch 53 Prozent gewesen.

Dabei hätten Emotionen eine wichtige Rolle gespielt. Das zeige sich dadurch, dass auf dem Land – unabhängig von der Parteiorientierung – eine Mehrheit Nein stimmen wolle, erklärt Lukas Golder.

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Herr Golder, geht die Strategie der Gegner, beide Initiativen gemeinsam zu bekämpfen, auf?
Aus News-Clip vom 01.06.2021.
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Der deutliche Nein-Trend bei der Trinkwasser-Initiative ist inhaltlich fundiert und erfasst breite gesellschaftliche Kreise, heisst es im gfs.bern-Bericht. Normalerweise lässt sich ein solcher Trend kaum noch umdrehen. Einen Ja-Anteil von über 40 Prozent wäre nur dann noch realistisch, wenn der aktuelle Trend stoppen und die Sympathien für die Volksinitiative über das linke Lager hinaus gehen würden.

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Datenerhebung und Stichprobengrösse

Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 18. und 27. Mai 2021 durchgeführt worden. Der mittlere Befragungstag war der 22. Mai 2021. Insgesamt wurden die Antworten von 17'959 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1213 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehlerbereich beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1213 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 16'746 Personen für die Auswertung verwendet werden. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Die Aufteilung der gesamten Befragten auf die Sprachregionen ist wie folgt: 13'755 Personen aus der Deutschschweiz, 3378 aus der Romandie und 826 aus der italienischsprachigen Schweiz.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern hat zwei Umfragen zur Abstimmung vom 13. Juni 2021 durchgeführt. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Abstimmungs-Dossier

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Abstimmungs-Dossier

News und Hintergrund zu den Abstimmungen und Wahlen vom 13. Juni 2021.

SRF 4 News, 2.6.21, 06:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Bernard Hechinger  (BHR)
    Es gibt kein Grundrecht, das Grundwasser zu vergiften.. ob Bauern oder Militär oder Industrie..
  • Kommentar von Ulrich Thomet  (UTW)
    Der Konsum von Bio dümpelt um die 10% vor sich hin. Ein sehr hoher Anteil der Konsument*innen sind nicht bereit die hervorragende Leistung der Biobauern/Biobäuerinnen mit vermehrtem Konsum zu honorieren.
    Der Ruf nach Bio von TWI Protagonist*innen ist Heuchelei.
  • Kommentar von Jacqueline Marti  (Muma)
    Die Schweizer sind zunehmend unverantwortlicher und denken kaum über ihre Nasenspitze weg, das Portemonnaie ist wichtiger als das Erbe das unsere Nachkommen übernehmen sollen!
    1. Antwort von Beno Trütsch  (benotruetsch)
      Ich stimme nicht Nein wegen dem Portemonnaie, sondern weil die Initiative mehrere Schwächen hat welche mehr Probleme verursacht als sie löst. Am meisten stört es mich das der Mittelweg wie z.B. IP-Suisse wirtschaftlich komplett uninteressant gemacht wird. Die Bauern müssten strengere Regeln als Bio einhalten um von Direktzahlungen zu profitieren oder dann halt eben die Produktion maximiere. Das ist die schlechteste Kombination für die Umwelt und erschwert es den Bauern umzusteigen.